Bayern - Unterfranken





Die Orgellandschaft Unterfranken (oder "Mainfranken") umfasst das Gebiet des heutigen Regierungsbezirks Unterfranken, also die Landkreise Aschaffenburg, Bad Kissingen, Haßberge, Kitzingen, Main-Spessart, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und Würzburg; hinzu kommt noch ein direkt an der Grenze gelegener Ort im Main-Tauber-Kreis, der aber schon zu Baden-Württemberg gehört. Das Gebiet ist weitgehend deckungsgleich mit dem ehemaligen Hochstift Würzburg. 

Die älteste Orgel des Gebiets steht - wenngleich später durchgreifend umgebaut - in Stetten in der Rhön (1652), ein Werk von Konrad Kitzinger aus Münnerstadt, von dem sich ansonsten noch einige hübsche und sehr charakteristische Prospekte finden. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts ist Johann Jost Schleich in Lohr am Main der bedeutendste Orgelbauer Unterfrankens. Aus seiner Werkstatt - diese teilte sich später in einen Lohrer und einen Bamberger Zweig - ging sein Schüler Johann Hoffmann hervor, der 1697 Würzburger Hoforgelmacher wurde. 

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich dann - ausgehend und nachhaltig geprägt von den Würzburger Hoforgelmachern Johann Hoffmann, Johann Ignaz Samuel Will und allen voran Johann Philipp Seuffert und seiner Familie - ein ganz eigener, "typisch fränkischer" Orgelstil (der freilich nicht auf Unterfranken beschränkt blieb). Die meisten unterfränkischen Orgeln des 18. Jahrhunderts in den Würzburgischen Gebieten rund um den Main waren einmanualig, im Manual üblicherweise mit einem Umfang bis zum dreigestrichenen c. Eine klassische Principal-Pyramide, sehr sanglich und elegant intoniert mit einer Mixtur und oft einer zusätzlichen Cymbel als Klangkrone, später auch mit dem aus dem Südwesten einwandernden Cornett bildet den Klangkern der unterfränkischen Barockorgel. Dazu kommt eine reiche Palette farbiger Flöten und Streicher in 8'-Lage und - als ganz typisches unterfränkisches "Markenzeichen" - die "Biffara", eine Schwebung zum Salicional, die selbst in kleineren Orgeln nur selten fehlt. Das Pedal besitzt nur wenige, aber kraftvolle Stimmen, ist meist fest ans Manual gekoppelt und hat üblicherweise einen Umfang bis zum kleinen d oder kleinen f, hat also nur 15 oder 18 Tasten.  Zungenstimmen sind in Unterfranken sehr selten und kommen wenn, dann nur im Pedal (meist als 8'-Register) vor.

Andere Orgelbauer orientierten sich an diesem "Würzburger Stil", so dass deren Werke denen der Familie Seuffert oft zum Verwechseln ähnlich sehen. Ein anderer bedeutender Orgelbauer Unterfrankens, Johann Baptist Funtsch, fühlte sich durch diese Würzburger Dominanz sogar zum Auswandern (in die Oberpfalz) bewogen. Andere Orgelbauer wie etwa Bartholomäus Brünner mussten, wenn sie in Würzburg ihre Werkstatt behalten wollten, weite Wege in Kauf nehmen und sich in den Randgebieten des Hochstifts und teilweise auch außerhalb ihre Arbeit suchen.

Im Gegensatz dazu entwickelte sich in den überwiegend evangelischen, reichsritterschaftlichen Gebieten nördlich von Schweinfurt bis in die Rhön und in den Grenzgebieten zu Thüringen ein vom Würzburger Modell abweichender Orgelstil, geprägt durch Meister wie Johann Rudolf Voit in Schweinfurt und Johann Ernst Döring in Ostheim v. d. Rhön. Hier mischen sich fränkische und thüringische Einflüsse - klangliche und optische - zu einer interessanten, farbigen und "echt barock" reichen Gestaltung der Orgeln.

Nach der Säkularisation brach der Orgelbau in Unterfranken zunächst fast vollkommen zusammen. Orgeln aus ehemaligen Kloster- und Stiftskirchen wurden in Dorfkirchen des Umlandes versetzt, so daß erst nach der Übernahme der ehemaligen Seuffert-Werkstatt durch Balthasar Schlimbach Anfang der 1840er-Jahre wieder ein allmählicher Aufschwung einsetzte. Schlimbach und seine Familie prägten dann bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Orgelbau in Unterfranken. Einige kleinere Werkstätten, die meist einen sehr konservativen Stil pflegten (häufig bis Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem typischen "fränkischen Kurzpedal" der Barockzeit), hatten nur lokale Bedeutung. 

Im Gegensatz zu den Werken des 18. Jahrhunderts, von denen in Unterfranken noch eine ganze Reihe (und darunter auch sehr bedeutende) erhalten sind, wurden die Instrumente des 19. Jahrhunderts nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegend entweder durch "moderne" Orgeln ersetzt oder zumindest stark "neobarockisiert". 

Im Folgenden zunächst eine nach Erbauer sortierte Übersicht aller im Folgenden näher beschriebenen und auch jeweils mit klingenden Beispielen zu erlebenden Instrumente. Die Orgeln selbst sind unten alphabetisch nach Ortsnamen sortiert zu finden.

Erbauer Werke
Berns, Jakob Theodor (Karlstadt) Heßdorf 1744
Brähler, Johann (Unterbimbach) Geroda um 1780 (Zuschreibung)
  Stetten 1790 (Umbau)
  Nordheim v. d. Rhön 1795
Brandenstein, Johann Adam (Kitzingen) Dimbach 1693
  Obereisenheim 1721
Brünner, Bartholomäus (Würzburg) Hoheim 1748
Döring, Johann Ernst (Ostheim v. d. Rhön) Oberwaldbehrungen 1738 (Umbau)
Etthöfer, Christoph (Margetshöchheim?) Neuses am Sand 1821
Franz, Michael Joseph (Würzburg) Leuzendorf 1768
Frosch, Franz Xaver (München) Gramschatz 1883
Göbel, Johann Georg (Lohr) Mittelsinn 1758
Hart, Johann Christoph (Kaltensundheim) Oberwaldbehrungen 1673
Hochrein, Franz (Münnerstadt) Aschach 1909
Hoffmann, Johann (Sylbach) Hellingen 1721
Hoffmann, Johann (Würzburg) Obertheres 1722-1723
Höffner, Johann Adam (Würzburg) Altbessingen 1758
Hugo, Johann Georg (Aschaffenburg) Großostheim 1749
Katzenberger, Michael (Oberelsbach) Braidbach 1853
Kirchner, Johann Kaspar (Euerdorf) Brebersdorf 1808-1809
Kitzinger, Konrad (Münnerstadt) Stetten 1652
Link, Gebrüder (Giengen a. d. Brenz) Machtilshausen um 1890
Markert, Georg (Ostheim v. d. Rhön) Geroda 1876 (Umbau)
Menger, Heinrich (Euerdorf) Ochsenthal 1850
Nied, Johann Caspar (Oberlauringen) Weipoltshausen 1701
Oestreich, Johann Georg (Oberbimbach) Sondheim v. d. Rhön 1818-1819
Orgelbau Hoffmann (Ostheim v. d. Rhön) Dimbach 1980 (Rekonstruktion)
Orgelbau Waltershausen Uchenhofen 2006
Otto, Adam Adolph (Würzburg) Eibelstadt 1794
Philipps AG (Aschaffenburg) Schimborn 1943-1945
Sartorius, Nikolaus (Oberelsbach) Ginolfs um 1820
Schleich, Adam Philipp (Bamberg) Triefenstein 1695
  Gaibach 1699-1702
Schlimbach, Balthasar (Würzburg) Aschfeld 1846
Schneider, Johann (Oberelsbach) Unterelsbach 1813
Seuffert, Franz Ignaz (Würzburg) Bad Neuhaus 1776
  Alsleben 1787-1788
Seuffert, Johann Philipp (Würzburg) Fridritt 1738
  Gerolzhofen 1743
  Gaibach 1748
  Euerbach 1761
Seuffert, Johann Philipp Albert (Würzburg) Rohrbach 1789
Steinmeyer, Georg Friedrich (Oettingen) Sommerhausen 1875
Streit, Daniel Felix (Kulmbach) Irmelshausen 1712
Suckfüll, Johann Konstantin (Untererthal) Morlesau 1833
unbekanner Erbauer Mellrichstadt um 1680
  Roth um 1680
  Kothen 1753
Voit, Johann Rudolf (Schweinfurt) Hellingen 1750 (Umbau)
  Königsberg 1750-1751
Wehr, Johann Conrad (Marktheidenfeld) Urphar 1780
Wiedemann, Joseph (Bamberg) Prölsdorf 1860-1861
Will, Johann Ignaz Samuel (Würzburg) Bad Neustadt a. d. Saale 1722
Zahn, Nikolaus (Großostheim) Heimbuchenthal 1826
Zettler, Franz Beda (Kitzingen) Triefenstein 1785-1787 (Umbau)




ALSLEBEN (Markt Trappstadt, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Kath. Pfarrkirche St. Kilian 
                        



Erbauer: Franz Ignaz Seuffert (Würzburg) 1787-1788. Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Alsleben ist ein Ortsteil des Marktes Trappstadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Es liegt im unterfränkischen Teil des Grabfelds direkt an der Grenze zum Heldburger Land in Thüringen. 866 schenkte ein gewisser Nordmann dem Kloster Fulda Besitzungen in „villa Adalolfesleiba“. Der Ortsname Alsleben bedeutet demnach „Erbgut des Adalolf“. Später empfingen die Grafen von Henneberg-Hartenberg „einen Hof und eine Hofreite zu Eschelhorn“ – das ist eine Wüstung bei Alsleben - sowie „den Zehntanteil“ zu Alsleben als Lehen des Bistums Fulda. 1604 erwarb der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn vom Herzogtum Sachsen die ehemaligen hennebergischen Besitzungen in Alsleben und gliederte sie dem Amt Königshofen an. 1814 fiel der Ort endgültig an Bayern. 1978 wurde Alsleben in den Markt Trappstadt eingegliedert und hat heute 481 Einwohner. Das kleine Dorf verfügt über drei Kirchen: zunächst die um 1430 erbaute Kreuzkapelle am Ortseingang in Richtung Bad Königshofen. Dann die Ursulakapelle auf einer Anhöhe Richtung Thüringen. Sie ist einst ein bekannter Wallfahrtsort gewesen. Und schließlich die Pfarrkirche St. Kilian, sie überragt weithin sichtbar den kleinen Ort. Ein Gotteshaus mit vielen Kostbarkeiten, darunter einem imposanten, barocken Hochaltar von der Hand des begnadeten Bildhauers Johann Joseph Keßler und eine spätbarocke Orgel von Franz Ignaz Seuffert.
Franz Ignaz Seuffert, der Erbauer der Orgel in Alsleben, wurde 1732 als jüngster Sohn des berühmten Würzburger Hoforgelmachers Johann Philipp Seuffert geboren und erlernte von ihm den Orgelbau. Er hatte einen älteren Bruder namens Johann Ignaz Seuffert. Dieser ging als Orgelbauer zuerst nach Frankreich und ließ sich später in der Rheinpfalz nieder. Franz Ignaz Seuffert übernahm nach Wanderjahren in den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz 1768 das Geschäft seines Vaters in Würzburg und wurde ebenfalls zum Hoforgelbauer ernannt. Von Seuffert sind 17 Orgelneubauten nachgewiesen, hauptsächlich im unterfränkischen Bereich, von denen aber nur wenige so gut erhalten sind wie das Instrument in Alsleben. Aus wirtschaftlichen Gründen befasste er sich aber auch mit dem Bau anderer besaiteter Tasteninstrumente und erwarb sich in diesem Bereich einen guten Ruf: „Nebst dem Orgelbaue hat er viele sehr gute Clavichorde und andere Claviaturinstrumente verfertiget, und bey jeder Arbeit seine vorzüglichen Kenntnisse in diesem Geschäfte […] bei seinem Kreise bewiesen.“ Nach dem Tode von Franz Ignaz Seuffert führte dessen älterer Sohn Johann Philipp Albert Seuffert das Amt des Würzburger Hoforgelbauers bis 1834 weiter. 
Die 1788 fertiggestellte Orgel von Franz Ignaz Seuffert in Alsleben besitzt 14 Register auf einem Manual und Pedal. Die Disposition des Hauptwerks – welches vom C bis zum d3 ausgebaut ist – enthält zunächst einen Principalchor 8', 4' und  2' nebst Quinta 3', der durch eine 4fache Mixtur bekrönt wird und durch eine 2fache Cimpel zusätzlichen Glanz erhält. Typisch spätbarock-fränkisch ist die breite Palette an „doucen“ und Charakterstimmen in 8'-Lage, nämlich Gedackt, Gamba, Solicional und ein sanft schwebendes Piffaro 8'. Ergänzt wird diese für diese für Franz Ignaz Seuffert sehr charakteristische Manualdisposition durch eine Terzima Quint 3fach, bestehend aus einer Terz 1 3/5', -einer Quint 1 1/3' und einer Superoctave 1'. Das Pedal ist in Alsleben mit 14 Tasten vom C bis zum d° – ebenfalls typisch fränkisch – sehr knapp gehalten. Es enthält Subbaß und Violon 16' sowie einen Octavbaß 8', die Koppel zum Hauptwerk ist starr, also nicht abregistrierbar. 2004 wurde die Orgel durch die Orgelmanufactur Vleugels aus dem tauberfränkischen Hardheim umfassend restauriert und auf den Originalzustand von 1788 zurückgeführt. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=yGwtyayjqyY

Disposition:

Manual, C-d3 Pedal, C-d°  
Principal 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Violon 16'  
Gamba 8' Octavbaß 8'  
Solicional 8 '    
Biffara 8 '    
Octave 4'    
Quinta 3'    
Octave 2 '    
Quinta 1 1/2'    
Superoctav 1 '    
Terzima Quint 3f.    
Mixtur 4f.    
Cimpel 2f.    
 

In Alsleben gespielte Stücke:
Girolamo Frescobaldi: Toccata per l'Elevatione >>> https://www.youtube.com/watch?v=-WufV7ybMYw
Johann Kuhnau: Praeludium in G >>> https://www.youtube.com/watch?v=xmo1zd9EAsM
Johann Pachelbel: Durch Adams Fall ist ganz verderbt >>> https://www.youtube.com/watch?v=2kfMeK0ZLXg
Johann Pachelbel: Gott Vater, der durch deine Sonn >>> https://www.youtube.com/watch?v=nzhryKEhGzU
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 31 ex B >>> https://www.youtube.com/watch?v=d-Aa-7AjVBU
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 32 ex B >>> https://www.youtube.com/watch?v=pp5VPaPA6Jo
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 33 ex B >>> https://www.youtube.com/watch?v=QowyMNnnAr0
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 34 ex B >>> https://www.youtube.com/watch?v=5sFDqCoUuxA
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 35 ex C >>> https://www.youtube.com/watch?v=r3w-hhzKXmg



ALTBESSINGEN (Stadt Arnstein, Landkreis Main-Spessart)
Kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt





Erbauer: Johann Adam Höffner (Würzburg) 1758. Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Altbessingen ist ein Ortsteil der Stadt Arnstein im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart und liegt rund 6 Kilometer nördlich von Arnstein. Nachbargemarkungen sind, im Uhrzeigersinn im Norden beginnend, Neubessingen, Burghausen, Schwebenried, Büchold, Gauaschach und Wülfershausen. Die erste bekannte Erwähnung des Ortes erfolgte in einer Urkunde aus dem Jahr 804 als „Beinseggeswan“. Der Ortsname entwickelte sich zu der im 14.Jahrhundert nachgewiesenen Form „Beinsgesang“ und im 16. Jahrhundert kam die Vorsilbe „Alt-“ dazu. Wahrscheinlich befand sich an der Stelle des heutigen Dorfes eine alemannische Siedlung. Die im Gemeindewald befindlichen Hünengräber stammen aus der Zeit der Bandkeramik und der Hallstattzeit. Altbessingen war immer Bestandteil des Zehntgerichts Arnstein, Amt Trimberg und war den Würzburger Fürstbischöfen unterstellt. Schon seit 1172 ist eine Pfarrei in Altbessingen nachgewiesen; im Jahr 1803 kamen die Filialen Gauaschach und Neubessingen hinzu. 1974 wurde Altbessingen im Rahmen der bayerischen Gemeindegebietsreform ein Ortsteil der Stadt Arnstein. Die Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und St. Ägidius ist ein gotisierender Bau, der von 1614 bis 1617 errichtet wurde. Das Langhaus wurde in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts verändert, die Altäre stammen aus dem Jahr 1678. Die Orgel wurde 1758 von Johann Adam Höffner aus Würzburg erbaut. 
Mitte des 18.Jahrhunderts hatte sich der Hoforgelmacher Johann Philipp Seuffert im Umkreis der Dom- und Residenzstadt Würzburg ein Quasi-Monopol erarbeitet. Andere Orgelbauer hatten es daher schwer, im Gebiet des Fürstbistums Würzburg Aufträge zu erlangen. Ob Bartholomäus Brünner, die Domorgelmacher Otto – Vater und Sohn oder Johann Adam Höffner – ihr Wirken nimmt sich im Vergleich zur den Instrumenten der Familie Seuffert recht bescheiden aus, obwohl alle genannten Orgelbauer Beachtliches leisteten und ihre Werke den Seuffertschen teilweise zum Verwechseln ähnlich sind. Seine Lebensdaten sind bis heute unbekannt, doch dürfte seine Geburt etwa um das Jahr 1720 anzusetzen sein, denn 1750 ist er erstmals mit einer Reparatur in Flieden im damaligen Fürstbistums Fulda nachweisbar. Eventuell ist er mit jenem Johann Adam Höffner identisch, dessen Geburt für den 2.Juli 1719 in Acholshausen bei Gaukönigshofen belegt ist – zeitlich und räumlich würde es jedenfalls sehr gut passen. Möglicherweise, aber auch das können wir nur vermuten, war er ein Schüler von Bartholomäus Brünner, der zu jener Zeit öfter im Fuldischen tätig war. 1757 ließ sich Höffner in Würzburg nieder und 1758 errichtete er die Orgel in Altbessingen. Lange hat man das Instrument für eine Seuffert-Orgel gehalten – optisch und klanglich ist sie einer solchen tatsächlich zum Verwechseln ähnlich. Doch eine Inschrift im Inneren der Orgel belegt eindeutig Johann Adam Höffner als Erbauer. Später erbaute Höffner noch Orgeln in Münster bei Eußenheim im Landkreis Main-Spessart 1773, die allerdings noch in den 1970er Jahren weitgehend erneuert wurde. Es folgten Instrumente in Stammheim bei Kolitzheim im Landkreis Schweinfurt 1774 und Waldberg im heutigen Landkreis Rhön-Grabfeld 1779. Auch dieses, schon 1935 als „reizend und im Klang einzigartig“ in seiner Bedeutung erkannte Instrument wurde noch nach dem Zweiten Weltkrieg radikal umgebaut und erneuert, wie es damals hieß, lediglich der Prospekt blieb erhalten. Von seiner vermutlich größten Orgel in der Stadtkirche zu Königshofen im Grabfeld ist überhaupt nichts mehr vorhanden. Nach 1780 hören wir nichts mehr von Höffner, das Jahr seines Todes ist unbekannt. So ist die Orgel in Altbessingen heute das einzige Zeugnis dieses Würzburger Orgelbauers des Spätbarocks, das klanglich weitgehend unverändert die Zeiten bis heute überstanden hat. Selbst der originale Prospekt-Principal 8' blieb erhalten.
Im Jahre 1872 wurde die Orgel technisch umgebaut und ein freistehender Spieltisch angebaut, doch blieb die klangliche Substanz größtenteils unangetastet. Bei der Restaurierung durch die Firma Orgelbau Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön im Jahre 1980 wurde die barocke Spielanlage sowie die ebenfalls veränderte Traktur rekonstruiert und der klingende Bestand behutsam gesichert und restauriert. Lediglich zwei Register, Flauta 4' und Flagionet 2', mussten ebenfalls rekonstruiert werden. Die Höffner-Orgel in Altbessingen besitzt 14 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual ist bis zum c3 ausgebaut und verfügt über eine Disposition, wie sie für alle Mainfränkischen Werkstätten jener Zeit – also Seuffert, Höffner und Otto sowie deren Schüler - höchst charakteristisch ist. Grundlage ist eine breite Vielfalt an 8'-Stimmen, hier finden wir Principal, Copula, Quintatön, Viola di gampa, Solicional und die schwebende, typisch mainfränkische Bifara 8', dann Octav und Flauta 4', Quint 3' sowie Superoctav und Flagionet 2'. Bekrönt wird der Klang von einer ebenfalls originalen 4fachen terzhaltigen Mixtura. Das Pedal besitzt einen Umfang bis zum a° und die beiden Stimmen Subbaß 16' und Octavbaß 8' und eine Pedalkoppel. Als einziger erhaltener Orgel ihres Meisters Johann Adam Höffner kommt dem Instrument in Altbessingen in der schönen barocken Kirche eine besondere Bedeutung innerhalb der mainfränkischen Orgellandschaft zu. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=6x6lyptZwSo

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-a°  
Principal 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Quintatön 8' Octavbaß 8 '  
Copula 8'    
Viola di gampa 8 '    
Solicional 8 '    
Bifara 8 '    
Octav 4 '    
Flauta 4 '    
Quint 3'    
Superoctav 2 '    
Flagionet 2'    
Mixtur 4f.    


In Altbessingen gespielte Stücke:

Johann Georg Albrechtsberger: Andante D-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=IGQjgJr7oK8
Marianus Königsperger: Aria quinti toni >>>  https://www.youtube.com/ v = k1c5eAIU2vI
Marianus Königsperger: Praeambulum und Fuge tertii toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=5oMdI1Qp29E
Giovanni Pierluigi da Palestrina: Ricercar septimi toni >>>  https://www.youtube. com / gucken? v = EiFD3BbLPNo
Alessandro Poglietti: Toccatina, Cadenza e Fuge sexti toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=0xtmMpd8Yvc
Justinus Will: Aria ottava >>>  https://www.youtube.com/watch?v=WRM2CBITYXw&t=34s
Justinus Will: Aria quinta >>> https://www.youtube.com/watch?v=MbGRBfW-pmA



ASCHACH (Markt Bad Bocklet, Landkreis Bad Kissingen)
Kath. Pfarrkirche St. Trinitatis




Erbauer: Franz Hochrein (Münnerstadt) 1909 (Prospekt Konrad Kitzinger 1655), Kegelladen, mechanische Spiel- und pneumatische Registertraktur

Aschach ist ein Ortsteil des unterfränkischen Marktes Bad Bocklet im Landkreis Bad Kissingen. Das Dorf liegt zwei Kilometer westlich von Bad Bocklet und neun Kilometer nördlich von Bad Kissingen am Fuße der Rhön. Die Entstehungszeit des Ortes selbst ist nicht ganz sicher. Als erster Beleg könnte eine Urkunde aus dem Jahr 867 gelten, durch die eine Person namens Betilo dem Kloster Fulda mehrere Felder in Ascha schenkte. Doch war das Gebiet bereits in der späten römischen Kaiserzeit von Alemannen besiedelt. Im Jahre 1165 errichteten die Herren von Henneberg im Ort eine Burganlage, aus der sich das heutige Schloß Aschach entwickelte. Das im 14.Jahrhundert entstandene „Ober- und Zentamt Aschach“ bestand neben dem Kernort aus 27 umliegenden Ortschaften und existierte so bis zur Säkularisation. Nach dem Ende der geistlichen Herrschaft gehörte der Ort zum Königreich Bayern und wurde im Rahmen der Gebietsreform 1972 ein Ortsteil der Stadt Bad Bocklet. Die heutige katholische Pfarrkirche St. Trinitatis wurde laut einer noch vorhandenen Inschrift 1447 errichtet und gehörte ursprünglich zum Archidiakonat Münnerstadt innerhalb der Diözese Würzburg. Langhaus und Turm wurden Anfang des 17.Jahrhunderts unter dem berühmten Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn erweitert und vergrößert. 1655 erhielt die Kirche eine Orgel aus der Werkstatt von Konrad Kitzinger aus Münnerstadt. Der wunderschöne, frühbarocke Prospekt mit seinen bemalten und facettierten Prospektpfeifen ist bis heute erhalten. Über das Wirken der Familie Kitzinger beziehungsweise Künzinger, wie sich manche Orgelbauer der Familie auch nannten, kann man bei Interesse im Orgelportrait des Instruments in Stetten in der Rhön etwas mehr erfahren. Ähnliche Prospekte von Konrad Kitzinger finden wir heute noch mehrfach in der Umgebung, so etwa in Kleinbardorf bei Sulzfeld im Landkreis Rhön-Grabfeld, in Leubach bei Fladungen und in Odensachsen bei Bad Hersfeld im Hessischen. Doch nirgendwo ist leider das originale Innenleben erhalten. Das heutige klingende Werk in Aschach stammt von Franz Hochrein, der ebenfalls in Münnerstadt wirkte.
Der Orgelbauer Franz Hochrein wurde 1848 in Münnerstadt geboren. Er hatte noch einen Bruder Wilhelm, der mit ihm später gemeinsam arbeitete und der in Münnerstadt zudem Stadtkapellmeister war. Wo Franz Hochrein sein Handwerk erlernte, wissen wir nicht, naheliegend wäre an eine Ausbildung etwa bei Balthasar Schlimbach in Würzburg oder dessen Bruder Kaspar Schlimbach in Königshofen im Grabfeld zu denken. Ebenso wahrscheinlich wäre aber auch eine Lehre bei Heinrich Menger in Euerdorf. Im Rahmen seiner zünftigen Wanderschaft ist er von 1871 bis 1873 unter den Mitarbeitern des berühmten Orgelbauers Friedrich Goll in Luzern zu finden. Nach seiner Rückkehr machte er sich 1873 zunächst in Mühlbach bei Neustadt an der Saale selbstständig und verlegte die Werkstatt 1894 nach Münnerstadt. Eine seiner ersten eigenen Orgeln lieferte er sogleich in die Talkirche bei Münnerstadt, wo sie bis heute wohl erhalten ist. Eine ganze Reihe von Instrumenten entstanden in den folgenden Jahren, hauptsächlich im fränkischen Rhönvorland. Es waren typische Instrumente ihrer Zeit, darum haben sich auch nur wenige bis heute erhalten. Unter anderem erbaute er 1890 eine Orgel in der berühmten Klosterkirche auf dem Kreuzberg in der Rhön und 1905 ein Instrument mit immerhin 18 Registern in der Stadtkirche zu Münnerstadt. Beide Werke sind leider nicht erhalten. Die kleine, von Hochrein 1887 in Frauenroth erbaute Orgel wurde zwar später ihres Prospekts beraubt, ist aber klanglich fast unverändert erhalten geblieben. Die Orgel in Aschach entstand 1909 mit 12 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs endet die Blütezeit der Firma Hochrein, die später von dem 1891 geborenen Sohn Otto Hochrein und dem 1925 zur Welt gekommenen Enkel Heinrich Hochrein weitergeführt wurde. Jedoch wurden meist nur noch Stimmungen und Reparaturen ausgeführt und nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieb die Firma Hochrein zudem vermehrt elektronische Musikinstrumente. Der Firmengründer Franz Hochrein starb 1941 mit 93 Jahren in Münnerstadt. Heinrich Hochrein, der die Firma in dritter Generation weiterführte und 2005 verstorben ist, war ein echtes Rhöner Original. Jeder kannte den „Orgel-Heini“ – wie er sich selbst nannte – als leidenschaftlichen Fastnachter, als Drehorgelspieler und als humorvollen, formulierfreudigen und manchmal bissigen Glossisten seiner Heimatregion. Sein Credo: stets daran denken, dass heute „der erste Tag vom Rest eines erfüllten Lebens mit viel Lachen ist.“
Die von Franz Hochrein 1909 erbaute Orgel in Aschach besitzt 12 Register auf zwei Manualen und Pedal. Außer einer minimalen Dispositionsänderung – die Fugara 4' im zweiten Manual wurde von Heinrich Hochrein durch ein Flageolet 2' ersetzt – ist das Werk mit seinen mechanischen Kegelladen nahezu unverändert erhalten geblieben. Im Hauptwerk finden wir die Register Principal, Gamba und Tibia 8', Oktave und Rohrflöte 4' sowie eine 3fache Mixtur. Im Oberwerk stehen Geigenprincipal, Salicional und Lieblich Gedackt 8' sowie das erwähnte Flageolett 2'. Das Pedal schließlich besitzt Subbaß 16' und Cello 8', dazu kommen eine Manual- und zwei Pedalkoppeln. Die Hochrein-Orgel in Aschach mit ihrem wertvollen, frühbarocken Prospekt – einem der ältesten in Unterfranken überhaupt – ist ein interessantes Zeugnis für den Rhöner Orgelbau der Prinzregentenzeit. Viele Jahre kaum beachtet, ist es geboten, die wenigen erhaltenen Werke der Familie Hochrein zu erhalten und zu pflegen.

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=znmIXyI9mz0

Disposition: 

Hauptwerk, C-f3 Oberwerk, C-f3 Pedal, C-d1  
Principal 8' Geigenprincipal 8' Subbaß 16' Manualkoppel
Gamba 8' Lieblich Gedackt 8' Cello 8' Pedalkoppel zu I
Tibia 8' Salicional 8'   Pedalkoppel zu II
Octave 4' Flageolet 2'    
Rohrflöte 4'      
Mixtur 3f.      
       
       

In Aschach gespielte Stücke:
Carl Benker: Präludium Es-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=MEeq3pEMz_k
Carl Benker: Präludium g-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=WgSWPkYPUgU
Karl Hoyer: Christus, der ist mein Leben >>> https://www.youtube.com/watch?v=YW-L6zdEgZ0
Sigfrid Karg-Elert: Gravitätisch, breit ausladend (Alla Sarabanda) aus W13 >>> https://www.youtube.com/watch?v=AN8RI8Dwr4A
Sigfrid Karg-Elert: In ruhiger Viertelbewegung aus W13 >>> https://www.youtube.com/watch?v=rv-wCoCkR58
Sigfrid Karg-Elert: Leise bewegt aus W13 >>> https://www.youtube.com/watch?v=6rFSeOZv-d0
Cyrill Kistler: Festpräludium D-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=IcQDMopNBw8

 



ASCHFELD (Gemeinde Eußenheim, Landkreis Main-Spessart)
Kath. Pfarrkirche St. Bonifatius
 


Erbauer: Balthasar Schlimbach (Würzburg) 1846, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Aschfeld ist ein Ortsteil von Eußenheim im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Das Dorf mit heute knapp 750 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt am Aschbach auf rund 200 Metern Höhe inmitten einer hügeligen Landschaft zwischen dem Dorf Münster und der Bundesstraße 27. Nördlich des Ortes liegt der Truppenübungsplatz Hammelburg. Das Dorf gehörte, wie die gesamte Umgebung, immer zum Gebiet des Hochstifts Würzburg. 1978 wurde Aschfeld im Rahmen der bayerischen Gebietsreform zusammen mit sechs anderen Dörfern in die Gemeinde Eußenheim eingegliedert. Das Straßendorf Aschfeld kann auf eine über 1200jährige Geschichte zurückblicken. Die Lage an der schon damals wichtigen Handelsstraße von Würzburg nach Fulda, der heutigen B27, begünstigte dies. Zwischen 790 und 802 bereits wurde ein Besitzanteil einer damals schon bestehenden Kirche an das Kloster Fulda übertragen. Diese erste Kirche, die dem Heiligen Martin geweiht war, stand wohl schon an jener exponierten Stelle, an der auch das heutige Gotteshaus seinen Platz hat. Die wehrhafte Befestigung des Kirchhofs mit Gaden ist wohl ebenfalls schon sehr früh entstanden und stammt in der jetzigen Form aus dem 16.Jahrhundert. Der Grundstein zur jetzigen Pfarrkirche St. Bonifatius wurde 1679 gelegt und 1681 konnte das Gotteshaus eingeweiht werden. Die elegante barocke Innenausstattung stammt zum größten Teil aus der Mitte des 18.Jahrhunderts, das die Heilige Familie zeigende Altarbild des Hauptaltars ist ein Werk des flämischen Malers Oswald Onghers, der ab 1663 als kurfürstlicher Hofmaler in Würzburg wirkte. Im Jahre 1846 entstand die heutige Orgel, sie kostete 1600 Gulden und stammt aus der Werkstatt von Balthasar Schlimbach in Würzburg.
Balthasar Schlimbach war der Sohn von Johann Caspar Schlimbach, der 1777 in Merkershausen im Grabfeld geboren wurde. Dieser eröffnete seine Werkstatt in Königshofen und erbaute neben einigen Orgeln vor allem rund 200 Instrumente mit durchschlagenden Zungen, die er „Aeoline“ nannte und die man als Vorgänger des Harmoniums bezeichnen kann. Alle fünf Söhne von Johann Caspar Schlimbach wurden Orgelbauer, der 1807 geborene älteste Sohn Balthasar wurde von diesen der künstlerisch bedeutendste. Vermutlich lernte er seine Handwerkskunst zunächst beim Vater und ging dann als Geselle zu Johann Philipp Albert Seuffert nach Würzburg, dem letzten Vertreter der vor allem im 18.Jahrhundert hochberühmten Würzburger Hoforgelmacher-Dynastie. Nach dem Tod von Philipp Albert Seuffert erwarb Balthasar Schlimbach 1836 die Werkstatt von Seufferts Witwe und konnte sie in den folgenden Jahrzehnten zu neuer Blüte führen. Balthasars 1818 geborener Bruder Gustav machte sich etwa zehn Jahre später in Speyer selbstständig, während die anderen drei Brüder Michael, Martin und Kaspar die väterliche Werkstatt in Königshofen im Grabfeld weiterführten. Die 1846 erbaute Orgel in Aschfeld ist eine der frühesten Orgeln, die uns aus dem Schaffen von Balthasar Schlimbach bis heute erhalten sind. Sie ist klanglich ein Instrument des Übergangs vom spätesten Klassizismus hin zur Frühromantik, der sich im Schaffen Schlimbachs zunächst langsam, doch dann recht konsequent vollzog. Größere Instrumente entstanden in der Folge etwa 1851 in Rimpar bei Würzburg mit 28 Stimmen und 1854 in der Stiftskirche zu Aschaffenburg mit 36 Registern; darüber hinaus erstellte er weitere rund 80 Orgeln im gesamten Gebiet des Bistums Würzburg, aber er lieferte zum Beispiel auch Werk nach Johannisberg im Rheingau. 1852 verlegte Schlimbach die Werkstatt wegen des Bahnhofsbaues in die Haugerpfarrgasse. Sein 1841 geborener Sohn Martin Joseph Schlimbach bildete sich in Süddeutschland und der Schweiz weiter und brachte von dieser Wanderschaft die Kenntnis über die Kegellade mit, die ab 1863 in der Schlimbachschen Werkstatt eingeführt wurde. 1873 wurde Martin Schlimbach Alleininhaber des Unternehmens. Der Senior konnte sich seines Ruhestandes, wenn man so will, noch geraume Zeit erfreuen; er starb 1896 mit 89 Jahren in Würzburg. Seine 1846 fertiggestellte Orgel in Aschfeld unterscheidet sich klanglich kaum von den wenigen Spätwerken der Familie Seuffert.
Die 1846 von Balthasar Schlimbach erbaute Orgel in Aschfeld wurde mehrfach leicht verändert, unter anderem 1884 durch seinen Sohn Martin und 1894 durch den Orgelbauer Eduard Hofmann aus Hofheim. 1976 wurde das Instrument durch Norbert Krieger aus Retzbach wieder auf seine ursprüngliche Disposition zurückgeführt und restauriert. Zwei Register, der im ersten Weltkrieg abgelieferte Prospekt-Principal und die ursprünglich vorhandene Zimbel im Hauptwerk wurden wieder eingebaut, wenn auch nicht nach Originalmensuren, denn so etwas war in den 1970er Jahren noch nicht so üblich wie heute. Im Hauptwerk mit einem Umfang bis zum f3 finden wir die Register Bordun 16', Principal, Gedackt und Gamba 8', die Oktaven 4 und 2', eine Quinte 2 2/3', sowie eine 4fache Mixtur und eine 3fache Zymbel. Im Unterwerk sind die Stimmen Lieblich gedackt, Flöte und Salicional 8', Gemshorn 4' und Flageolet 2' disponiert. Im Pedal schließlich, das heute bis zum d1 erweitert ist, stehen Subbaß 16' und Oktavbaß 8', darüber hinaus finden wir eine Manual- und zwei Pedalkoppeln. Der freistehende Spieltisch mit Blickrichtung zum Altar ist eine Spezialität von Balthasar Schlimbach und wurde von ihm überall dort bevorzugt gebaut, wo es möglich war. 

Link zum ausführlichen Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=BOXq43BFXm8

Disposition:

Hauptwerk, C-f3 Unterwerk, C-f3 Pedal, C-d1  
Bordun 16' Lieblich Gedackt 8' Subbaß 16' Manualkoppel
Principal 8' Flöte 8' Octavbaß 8' Pedalkoppel zu I
Gedackt 8' Salicional 8'   Pedalkoppel zu II
Gamba 8' Gemshorn 4'    
Octave 4' Flageolet 2'    
Quinte 2 2/3'      
Octave 2'      
Mixtur 4f.      
Cymbel 3f.      


In Aschfeld gespielte Stücke:
Johann Georg Albrechtsberger: Praeludium a-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=_7wEc4-iGzI
Robert Führer: Präludium für die Adventszeit C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=f-zBAjWYjHE
Robert Führer: Präludium für die Adventszeit G-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=M33HuzB4neU
Johann Georg Herzog: Schwing dich auf zu deinem Gott >>> https://www.youtube.com/watch?v=2gkzRoJ0MAM
Johann Georg Herzog: Seelenbräutigam >>> https://www.youtube.com/watch?v=3FyxinY0SPI
Johann Georg Herzog: Wer nur den lieben Gott läßt walten >>> https://www.youtube.com/watch?v=t3xw-GAbgQY
Johann Wilhelm Cornelius von Königslöw: Introduction und Fuge f-moll / F-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=14iGAiMJeQM
Carl Rundnagel: Adagio D-Dur >>>  https: // www. youtube.com/watch?v=JdFdNFWZN5c
Carl Rundnagel: Allegro moderato A-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=tNIcAU_aZF0
Woldemar Voullaire: Präludium Nr. 10 g-moll >>>  https://www.youtube.com/watch?v=KQb4ys2lkXM
Woldemar Voullaire: Präludium Nr. 11 F-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=cX1XZxxgmW4
Woldemar Voullaire: Präludium Nr. 12 C-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=30xsmmY_kQ0



BAD NEUHAUS (Stadt Bad Neustadt a. d. Saale, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Kath. Schloßkirche Hl. Kreuz





Erbauer: Franz Ignaz Seuffert (Würzburg) 1776, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Bad Neuhaus ist ein Ortsteil der Stadt Bad Neustadt an der Saale, der Kreisstadt des unterfränkischen Landkreises Rhön-Grabfeld. Neuhaus liegt am Fuß derSalzburg. Simon von Thüngen, einer der „Ansitzer“ auf der Salzburg, ließ 1451 an der Stelle des heutigen Neuhaus ein „newe Haws“ errichten. 1767 ließ der neue Besitzer Egid Valentin Felix von Borié das „Thüngen‘sche Haus“ niederreißen und durch ein dreiflügeliges Schloss - das heutige Kur- und Schlosshotel - ersetzen. Ebenfalls ließ er 1773 bis 1776 von dem Rokoko-Architekten Heinrich Todesko die reich ausgestattete katholische Schlosskirche Heiligkreuz errichten. 1853 ließ die nachfolgende Eigentümerin, Gräfin Elisabeth von Haxthausen, die Heilquellen fassen und das erste Badehaus errichten. Den Namenszusatz „Bad“ trug die Gemeinde Neuhaus seit 1907. 1934 wurde Bad Neuhaus dann nach Neustadt an der Saale eingemeindet – und das Prädikat „Bad“ übernahm Neustadt. Bad Neuhaus ist heute das Kurviertel von Bad Neustadt mit einem weitläufigen Kurpark. Das heutige 4-Sterne-Schloßhotel und die unmittelbar an das Hotel anschließende Schlosskirche werden heute natürlich auch gerne für Hochzeiten genutzt. Der Altar befindet sich gegenüber der Herrschaftsloge, rechts daneben die Kanzel und hoch darüber die Orgel. Erbaut wurde sie 1776 von dem Würzburger Hoforgelmacher Franz Ignaz Seuffert. 
Franz Ignaz Seuffert, der Erbauer der Orgel in der Schloßkirche zu Bad Neuhaus, wurde 1732 als jüngster Sohn des berühmten Würzburger Hoforgelmachers Johann Philipp Seuffert geboren und erlernte von ihm den Orgelbau. Er hatte einen älteren Bruder namens Johann Ignaz Seuffert. Dieser ging als Orgelbauer zuerst nach Frankreich und ließ sich später in der Rheinpfalz nieder. Franz Ignaz Seuffert übernahm nach Wanderjahren in den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz 1768 das Geschäft seines Vaters in Würzburg und wurde ebenfalls zum Hoforgelbauer ernannt. Von Seuffert sind nur 17 Orgelneubauten nachgewiesen, hauptsächlich im unterfränkischen Bereich, von denen aber nur wenige so gut erhalten sind wie das Instrument in Bad Neuhaus. Diese 17 nachgewiesenen Orgelneubauten nehmen sich im Vergleich zum Oeuvre seines Vaters, aus dessen Werkstatt etwa 200 Instrumente hervorgingen, recht bescheiden aus. Aber die Zeiten hatten sich geändert und aus wirtschaftlichen Gründen befasste er sich aber auch mit dem Bau anderer besaiteter Tasteninstrumente und erwarb sich in diesem Bereich einen guten Ruf. So lesen wir noch zu seinen Lebzeiten über ihn: „Nebst dem Orgelbaue hat er viele sehr gute Clavichorde und andere Claviaturinstrumente verfertiget, und bey jeder Arbeit seine vorzüglichen Kenntnisse in diesem Geschäfte […] bei seinem Kreise bewiesen.“ In seinen letzten Lebensjahren verfasste er die Lebensbeschreibung seines Vaters, die sich heute im Besitz der Würzburger Universität befindet. Franz Ignaz Seuffert starb 1810 in Würzburg. Danach führte sein 1763 geborener älterer Sohn Johann Philipp Albert Seuffert das Amt des Würzburger Hoforgelbauers bis 1834 weiter. Franz Ignaz Seufferts jüngerer Sohn Franz Martin Seuffert ging 1804 als Klavierbauer nach Wien und eröffnete dort eine Klaviermanufaktur, aus der 1855 die Klavierfabrik Friedrich Ehrbar hervorging. Das Instrument in Bad Neuhaus ist nahezu unverändert erhalten. Auffallend ist, das sehr schmale Untergehäuse und die dadurch bedingten breit ausladenden Konsolen unter der Windlade. Dadurch und durch die Tatsache, dass sie auf der Brüstung vor einer Wandnische steht, wirkt sie fast wie eine Monstranz.
Die zeitgleich mit der Vollendung der Schloßkirche vollendete Seuffert-Orgel in Bad Neuhaus besitzt 10 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual hat einen Tonumfang bis zum c3 ohne das Cis. Grundlage der Disposition ist der Principal 4' im Prospekt, der original erhalten ist. Dazu kommen Gedackt, Gamba und Salicional 8' sowie die typisch fränkische Biffra 8', die mit ihrer engen Mensur ein ganz frühes Beispiel einer Streicherschwebung darstellt. Weiterhin finden wir eine Quint 3', die Oktave 2' sowie eine 3fache Mixtur auf 1'-Basis. Das Pedal, ebenfalls ohne das Cis, besitzt nur 14 Tasten, geht also lediglich bis zum d°. Ein solches Kurzpedal ist ebenfalls typisch fränkisch und wurde vielfach noch bis in die erste Hälfte des 19.Jahrhunderts in dieser Form gebaut. Es besitzt die beiden Register Subbaß 16' und Oktavbaß 8', die aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Gehäuse hinter dem Spieler, neben der Balganlage aufgestellt sind, was eine relativ komplizierte Trakturführung mit sich bringt. Das Pedal ist überdies fest ans Manual gekoppelt. Als eine der ganz seltenen, im Grunde unberührt auf uns gekommenen Orgeln aus dem Schaffen der kunstberühmten Orgelbauerfamilie Seuffert besitzt das Instrument der Schloßkirche Bad Neuhaus eine besondere Bedeutung. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=XTP9agz4q_Y&t=828s

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, CD-d°  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Gamba 8' Octavbaß 8'  
Salicional 8'    
Bifra 8'    
Principal 4'    
Quint 3'    
Octave 2'    
Mixtur 3f.    
   
     

In Bad Neuhaus gespielte Stücke:
Cajetan Bonfig: Aria in B >>> https://www.youtube.com/watch?v=rxoo3QakSm0
Cajetan Bonfig: Aria in g >>> https://www.youtube.com/watch?v=DfKtZV2I0Kc
Johann Kaspar Ferdinand Fischer: Praeludium und Fuge Es-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=Ezomj4yUIyc
Johann Nepomuk Gaumer: Fuga in d >>> https://www.youtube.com/watch?v=NbCib8k-7vo
Moritz Landgraf von Hessen: Fuga XII in d >>> https://www.youtube.com/watch?v=Adw93d8pfyg
Gottlieb Muffat: Aria sub elevatione in f >>> https://www.youtube.com/watch?v=Vvn3US0khGU
Johann Caspar Simon: Praeludium und Fuge in e >>> https://www.youtube.com/watch?v=qq50f_w4ZG8
Justinus Will: Aria undecima >>>  https://www.youtube.com/watch?v=s9PhkEMWbac
Justinus Will: Fuga in e >>>  https://www.youtube.com/watch?v= Q15OE_YzMtU
Justinus Will: Toccata in G >>>  https://www.youtube.com/watch?v=1jdvlv7RLw8&t=50s




BAD NEUSTADT A. D. SAALE (Landkreis Bad Kissingen)
Kath. Karmelitenkirche St. Peter und Paul 





Erbauer: Johann Ignaz Samuel Will (Würzburg) 1722, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Bad Neustadt an der Saale ist die Kreisstadt des unterfränkischen Landkreises Rhön-Grabfeld, 32 km nördlich von Schweinfurt. Die Kurstadt liegt am Rande des Naturparks Bayerische Rhön am Zusammenfluss von Brend und Fränkischer Saale. In der Gegend der heutigen Stadt errichtete 790 Karl der Große die Pfalz Salz. Mindestens zehn Aufenthalte karolingischer Herrscher und mindestens fünf der ersten sächsischen Herrscher in der Pfalz Salz sind sicher belegt. Wann die „neue Stadt“ auf dem Hügel gegründet wurde, ist nicht bekannt. Grabungsfunde belegen jedoch, dass spätestens im 13. Jahrhundert eine hölzerne Befestigungsanlage die neue Siedlung umgab. Die spätmittelalterliche Stadtmauer ist noch erhalten. Auf 1,5 Kilometer Länge umgibt sie in Herzform die Altstadt des heutigen Bad Neustadt. Das würzburgische „Oberamt Neustadt“ kam 1805 an das neue Großherzogtum Würzburg und fiel mit diesem 1814 an das Königreich Bayern. Rund 15.400 Einwohnerinnen und Einwohner leben heute in der Kurstadt, die den Titel „Bad“ 1934 durch die Eingemeindung des heutigen Ortsteils Bad Neuhaus übernehmen konnte. 1352 wurde in Neustadt ein Karmelitenkloster gegründet. Die heutige Karmelitenkirche, direkt neben dem Rathaus gelegen und seit 1837 in städtischem Besitz, ist äußerlich eine typische gotische Bettelordenskirche, die im 17.Jahrhundert mehrfach verändert wurde. In ihrem Inneren wurde sie im 18.Jahrhundert prachtvoll ausgestattet. Neben den Altären und der wunderbaren Kanzel ist es die wertvolle Orgel, die besondere Aufmerksamkeit verdient. Errichtet wurde sie 1722 von Johann Ignaz Samuel Will.
Johann Ignaz Samuel Will wurde 1676 in eine Würzburger Orgelmacherfamilie hineingeboren. Sein Vater war Nikolaus Will, 1646 in Retzstadt geboren. Er war nicht nur Orgelbauer, sondern auch „Sanderviertelmeister“. Die Viertelmeister waren zusammen mit dem Viertelschreiber und dem Vierteldiener so etwas wie ein, heute würden wir sagen, Ortsbeirat. Und das Sanderviertel ist der heutige Würzburger Stadtteil Sanderau. Stilistisch sind Nikolaus Will und seine Orgeln verwandt mit Johann Jost Schleich, der zeitgleich in Lohr am Main wirkte. Vermutlich wurden sie in der gleichen Werkstatt ausgebildet, aber hierüber besitzen wir keine Kenntnis. Von Nikolaus Will und seinem Schaffen sind uns lediglich einige reich geschmückte Prospekte bekannt. Der ältere seiner beiden Söhne, der 1674 geborene Johann Anton Ignaz Will, wurde später domkapitelscher Orgelmacher in Mainz. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Johann Ignaz Samuel Will begann seine Lehre zunächst in der väterlichen Werkstatt und übernahm diese um 1700, nachdem sie nach dem Tod des Vaters für einige Jahre verwaist war. Auch er war eine Zeitlang Sanderviertelmeister und erbaute unter anderem Orgeln im Würzburger Käppele und im Neumünster, sowie Haupt- und Chororgel im Kloster Schöntal an der Jagst. 1726 wurde er nach dem Tod von Johann Hofmann Hoforgelmacher, konnte sich dieser Würde aber nur kurze Zeit erfreuen, da er bereits 1729 verstarb. Der Orgel in der Neustädter Karmelitenkirche entstand 1722, das Pfeifenwerk ist in seltenem Umfang fast vollständig erhalten. Sie ist damit heute das einzige klingende Zeugnis dieses Meisters und darum von unersetzlichem Wert für die Orgellandschaft Frankens. In Ebenhausen, einem Ortsteil von Oerlenbach im Landkreis Bad Kissingen, stand ein Schwesterinstrument der Neustädter Orgel. Es ist kaum zu glauben, dass diese ebenfalls bis dahin nahezu unveränderte Barockorgel noch 1965 einem kompletten Neubau weichen musste.
Bereits 1973 wurde die Will-Orgel in der Bad Neustädter Karmelitenkirche erstmals durch den Orgelbauer Otto Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön restauriert. Weitere Teilrestaurierungen wurden in den Jahren 1994 und 2014 jeweils von der Firma Hey-Orgelbau aus Urspringen in der Rhön durchgeführt. Das Instrument besitzt 13 Register auf einem Manual und Pedal. Der Tonumfang im Manual reicht bis zum c3. Wir finden hier zunächst eine reiche Palette an 8'-Registern, nämlich Principal, Quintatön, Salicional und Coppel, dazu eine in Baß und Diskant geteilte Gambe und das für das barocke Franken so charakteristische Register Piffera. Diese Schwebung hat Johann Ignaz Samuel Will hier also bereits 1722 und damit noch vor Johann Philipp Seuffert gebaut. Weiterhin besitzt das Manual Oktave 4' und Superoktave 2', eine Sesquialtera und darüber eine 4fache Mixtur. Das bis zum a° ausgebaute Pedal verfügt über die drei Stimmen Subbaß 16' sowie Oktavbaß und eine Posaune 8 Fuß, auch diese ist original erhalten. Der Prospekt ist durch seine monstranzartige Gesamtwirkung, die durch die außerordentlich umfangreichen Schnitzereien hervorgerufen wird, ideal auf der ehemaligen Mönchsempore unter der herrlichen Kassettendecke platziert. Es ist erfreulich, dass das kostbare Instrument nicht nur im Gottesdienst, sondern auch in regelmäßigen Konzerten zum Klingen gebracht wird und dadurch hoffentlich noch lange Zeit die Menschen durch ihren besonderen Klang erfreut und erhebt.

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=DZ8U0HHfn8E

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-a°  
Principal 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Quintatön 8' Octavbaß 8'  
Coppel 8' Posaune 8'  
Salicional 8'    
Gambe 8' (B/D)    
Piffera 8'    
Octave 4'    
Superoctave 2'    
Sesquialtera 2f.    
Mixtur 4f.    
   
     

In Bad Neustadt a. d. Saale gespielte Stücke:
Pedro Carrera y Lanchares: Versos de quarto tono >>> https://www.youtube.com/watch?v=Kqqh_mfmKIE
Johann Jakob Froberger: Capriccio in G >>> https://www.youtube.com/watch?v=oj5xUbGFLLs
Johann Nepomuk Gaumer: Fuga in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=LeK289GmLFU
Moritz Landgraf von Hessen: Fuga II in e >>> https://www.youtube.com/watch?v=7z60_hV5dZI
Justinus Will: Aria septima >>> https://www.youtube.com/watch?v=7ImBjgOQoFA
Justinus Will: Aria sexta >>> https://www.youtube.com/watch?v=3mzdffnN3K4
Justinus Will: Toccata in a >>> https://www.youtube.com/watch?v=3q0czV0oTtc&t = 21s



BRAIDBACH (Gemeinde Bastheim, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Kath. Filialkirche St. Ulrich





Erbauer: Michael Katzenberger (Oberelsbach) 1853, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Braidbach ist ein Ort im „Besengau“ und ein Ortsteil von Bastheim im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Der Ort mit heute 185 Einwohnerinnen und Einwohnern war die kleinste Gemeinde des ehemaligen Klosteramts Wechterswinkel und wurde 1161 erstmals in einer Urkunde genannt. Die Bezeichnung des Besengaues, in dem Braidbach liegt, erklärt sich aus der Tätigkeit des Besenbindens, die aus wirtschaftlicher Not von der Bevölkerung in den Wintern des 18. und 19. Jahrhunderts ausgeübt wurde. 1972 wurde Braidbach im Rahmen der bayerischen Gebietsreform in die Gemeinde Bastheim eingegliedert. Die kleine Dorfkirche St. Ulrich wurde in ihrer heutigen Form 1715 erbaut, diese Jahreszahl lesen wir in einer Inschrift über dem Portal. Betreut vom nur wenige Kilometer entfernten Kloster Wechterswinkel, ist eine Altarweihe für das Jahr 1577 überliefert. Die heutige Sakristei stammt wohl noch von der mittelalterlichen Kirche. Nach der Auflösung des Klosters Wechterswinkel wurde die um 1590 entstandene Schutzmantelmadonna im Hochaltar der Braidbacher Kirche zu einem beliebten Wallfahrtsziel und zum Vorbild für zahlreiche Bildstöcke in der Umgebung des Dorfes. Der kleine Saalbau mit Dachreiter besitzt auf der Empore die einzige erhaltene Orgel des Rhöner Orgelbauers Michael Katzenberger, erbaut im Jahre 1853.
Eines der bekanntesten touristischen Ziele in der Rhön ist das Dreiländereck Hessen, Thüringen und Bayern. Auch der Rhöner Orgelbau war in früheren Zeiten ein Abbild dieses Dreiländerecks. Einflüsse aus Mainfranken, etwa der Seuffert-Schule finden sich hier ebenso wie Thüringische Einflüsse und Orgelbauer aus dem Hessischen. Einer der bekanntesten Orgelbauer um 1800 im Raum Fulda war Johann Markus Oestreich, der zusammen mit seinen Söhnen in Oberbimbach eine florierende Werkstatt unterhielt und zahlreiche Schüler und Gesellen ausbildete, von denen sich einige später selbstständig machen konnten. Zu diesen gehörten auch Johann und Andreas Schneider, die aus Allmus bei Hofbieber stammten. Der 1755 geborene Johann Schneider errichtete seine eigene Werkstatt in Oberelsbach in der Rhön, unweit jenes besagten Dreiländerecks gelegen und arbeitete hauptsächlich in der Umgebung seines Wohnortes. Sein 1790 geborener Sohn Nikolaus Schneider, der sich meist in der lateinischen Namensform Sartorius nannte, ist mit Tätigkeiten zwischen etwa 1810 und 1850 nachweisbar. Allem Anschein nach hat er zunächst gemeinsam mit seinem Vater in Oberelsbach gearbeitet und nach dessen Tod 1825 die Werkstatt übernommen. In dieser Werkstatt hat auch der 1813 geborene Michael Katzenberger sein Handwerk gelernt. Er stammte aus Oberelsbach, war also ein echtes Kind der Rhön und ist erstmals im Jahre 1839 mit Reparaturarbeiten nachweisbar. Über sein Leben ist wenig bekannt, außer mit Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten ist er nur wenig hervorgetreten. Nur zwei Orgelneubauten sind unter seinem Namen überliefert. 1864 errichtete er in Batten bei Hilders, heute im Landkreis Fulda gelegen aber damals zu Bayern gehörig, eine Orgel mit 12 Registern, die 1966 einem Neubau weichen mußte. Und bereits 1853 hatte er die Orgel in Braidbach bei Bastheim errichtet, die mit ihren sieben Registern ganz traditionell, ja man kann sagen sehr konservativ disponiert ist. Vom Klang her könnte sie auch gut und gerne hundert Jahre früher entstanden sein. Man macht sich heute nicht immer bewusst, daß sich musikalische Entwicklungen im Orgelbau wie etwa der Beginn der Romantik eben nicht mit einem Schlag überall gleichermaßen ausgebreitet haben, sondern dass dies regional sehr unterschiedlich war. Und während Katzenberger 1853 in Braidbach eine noch ganz barock anmutende Orgel errichtete, begann Friedrich Ladegast sein großes Meisterwerk im Dom zu Merseburg, eines der richtungweisenden Instrumente der deutschen Orgelromantik.
Michael Katzenberger hatte einen Sohn, der allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage war, die Werkstatt weiterzuführen. Nach dem Tod Katzenbergers 1874 übernahm der 1840 im nicht weit entfernten Oberwaldbehrungen geborene Orgelbauer Wilhelm Hey die verwaiste Werkstatt, der zuvor auf Anregung Katzenbergers eine Lehre bei August Randebrock in Paderborn absolviert hatte. Er brachte es dort bis zum Werkmeister und war im Auftrag der Firma Randebrock sogar in Detroit in den USA tätig. Die Orgelbaufirma Hey ist heute in der sechsten Generation in der Rhön ansässig und im In- und Ausland erfolgreich und anerkannt. Als Bindeglied zwischen der barocken Tradition der Familien Oestreich und Schneider und der Familie Hey wird Michael Katzenberger oft übersehen und darum ist seine einzige erhaltene Orgel in Braidbach wenn auch nicht gerade berühmt, so doch von Bedeutung für die regionale Orgelbaugeschichte. Das 1853 fertiggestellte Instrument besitzt 7 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual ist bis zum f3 ausgebaut und verfügt über die Stimmen Gedackt und Salicional 8', Principal und Spitzflöte 4', eine Oktave 2' sowie eine 3fache Mixtur. Das fest ans Manual gekoppelte Pedal hat einen Tonumfang mit lediglich 18 Tasten bis zum f° und einem Subbaß 16'. Ein solcher Pedalumfang kommt aus der fränkischen Tradition und war gerade in den kleinen Dorfkirchen in ländlichen Regionen bis weit ins 19.Jahrhundert hinein gang und gäbe. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=p6nMqwLABSk&t=14s

Disposition:

Manual, C-f3 Pedal, C-f°  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Salicional 8'    
Principal 4'    
Spitzflöte 4'    
Octave 2'    
Mixtur 3f.    
   
     

In Braidbach gespielte Stücke:
Johann Kaspar Ferdinand Fischer: Praeambulum und Versetten tertii toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=ocuUor2e1RQ
Felix Gass: Aria Nr. 26 in c >>> https://www.youtube.com/watch?v=W1T3qt3OCPQ
Felix Gass: Pastorella aus dem Schwarz-Wald >>> https://www.youtube.com/watch?v=PEKKPm-5tnY
Georg Friedrich Händel: Voluntary Nr. 11 in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=buIh8M_hoa8
Joseph Haydn: Praeambulum I in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=I4wtn7ak-bI
Joseph Haydn: Praeambulum II in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=M4hJwdhhKNQ
Simon Sechter: Hier legt mein Geist sich vor dir nieder >>> https://www.youtube.com/watch?v=J1_wGWe-1s4
Simon Sechter: Sollt ich meinem Gott nicht singen >>> https://www.youtube.com/watch?v=Dx2NFXF5ado



BREBERSDORF (Gemeinde Wasserlosen, Landkreis Schweinfurt)
Kath. Pfarrkirche St. Petrus in Ketten





Erbauer: Johann Kaspar Kirchner (Euerdorf)
 1808-1809, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Brebersdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Wasserlosen im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Der Ort liegt in der sogenannten „Planungsregion Main-Rhön“. Nachbarorte sind im Nordwesten Rütschenhausen, im Südwesten Kaisten, im Nordosten Sömmersdorf und im Südosten Egenhausen. Die große deutsche Nord-Süd-Tangente, die Autobahn A7, verläuft nur 600 Meter westlich des Dorfes. Im Jahre 1182 wurde Brebersdorf erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte immer zum Gebiet des Hochstifts Würzburg. Nach der Säkularisation und nach dem Frieden von Preßburg kam der Ort zum neu errichteten Großherzogtum Würzburg unter Großherzog Ferdinand von Toskana und mit diesem dann 1814 zu Bayern. 1978 wurden durch die bayerische Gemeindegebietsreform die bis dahin selbstständigen Gemeinden Brebersdorf, Burghausen, Greßthal, Kaisten, Rütschenhausen, Schwemmelsbach, Wasserlosen und Wülfershausen zur neuen Gemeinde Wasserlosen zusammengefasst. 1479 wurde Brebersdorf zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Die katholische Pfarrkirche St. Petrus in Ketten besitzt noch einen um 1610 errichteten, sogenannten Julius-Echter-Turm, benannt nach dem bedeutenden Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Das Langhaus wurde in den Jahren 1807 bis 1808 im Auftrag des Großherzogs Ferdinand durch Anton Wüst erbaut. Der Name des Auftraggebers ist in der Inschrift über dem Westportal festgehalten. Der barocke Hochaltar stammt aus der säkularisierten Klosterkirche Himmelspforten in Würzburg. Seitenaltäre, Kanzel und Orgel wurden mit dem Neubau Kirche 1808 beauftragt und durch regionale Künstler geschaffen. Die Orgel ist ein Werk von Johann Kaspar Kirchner aus Euerdorf; Euerdorf liegt rund 15 Kilometer nördlich von Brebersdorf.
Der Erbauer der Orgel in Brebersdorf, jener Johann Kaspar Kirchner, wurde 1762 geboren. Er war, so entnehmen wir es der Neuen Fränkischen Chronik des Jahres 1809, Autodidakt im Orgelbau. Weiterhin erfahren wir dort, dass Johann Kaspar Kirchner in Eichenhausen im Grabfeld geboren wurde und zunächst Lehrer und Kantor in Euerdorf. Hier heiratete er die dasige Müllerstochter und wurde Müller. Weiter lesen wir in der genannten Chronik: „er verlegte sich auf die Mechanik, und studierte sich vorzüglich auf den Bau neuer Orgeln ein. Er brachte es bald ohne Lehrmeister so weit, daß man ihm ein unumschränktes Zutrauen schenkte und bei ihm neue Orgeln bestellt. Er errichtete er die Kirchenorgeln zu Oerlenbach, Pfersdorf, Burghausen und annoch mehreren anderen Ortschaften von neuem und mußte viele alte reparieren. Später verkaufte er die Mühle und gab sich ganz mit Orgel- und Instrumentenmachen ab. Er hat auch für seine Söhne einen großen Folianten über dieses Kunstmetier geschrieben. Er wurde 1797 zum Schultheißen von Euerdorf gewählt und verwaltete sein Amt sehr gut.“ Im Archiv der Bonner Orgelbaufirma Klais hat sich ein Orgelbautraktat erhalten, das zwischen 1802 und 1815 entstanden ist und dem Lehrer Sebastian Wirth zugeschrieben wird. Dieser wurde 1736 in Gambach geboren und starb 1820. Hierbei muß es sich um das in der Neuen Fränkischen Chronik erwähnte Lehrwerk für Kirchners Söhne handeln. Dass der größte Teil von der Hand Sebastian Wirths geschrieben wurde erklärt sich dadurch, dass Wirth nach dem Tod seiner Frau 1790 den Lehrerberuf aufgab und sich mit Kirchner zusammentat. Kirchner als Praktiker brauchte offensichtlich einen Skribenten, der aus gedruckten Büchern über den Orgelbau – Werckmeister, Adlung etc. – Material sammelte und daraus ein mehr oder weniger weitläufiges Manuskript zusammenstellte. Kirchner und Wirth unternahmen also den Versuch, das Orgelbauwissen der Zeit zusammenzutragen, gewissermaßen als Ersatz für die fehlende Ausbildung im Beruf, und als eine Art Lehrbuch an die Kinder weiterzugeben. Johann Kaspar Kirchner starb 1812, sein 1784 geborener Sohn Johann Kirchner übernahm die Werkstatt und führte sie bis etwa 1850 weiter. Die Orgel in Brebersdorf ist die einzige erhaltene Arbeit des Vaters, und noch dazu in fast unberührtem Zustand. Auch sie ist ein Gemeinschaftswerk von Wirth und Kirchner: von Sebastian Wirth stammten die Pläne und Johann Kaspar Kirchner hat diese umgesetzt. Doch ist das bedeutende Instrument seit Jahren zum Schweigen verurteilt und mittlerweile in einem beklagenswerten Zustand.
„Einen Scheck in Höhe von 1000 Euro durfte der zuständige Pfarrer vom Vorsitzenden des Musik- und Gesangvereins Brebersdorf, entgegennehmen. Damit unterstützen die Musikfreunde die Anschaffung der neuen, 12.000 Euro teuren Elektro-Ahlborn-Orgel für ihre Dorfkirche, nachdem sich eine Sanierung der alten Orgel als nicht mehr rentabel herausgestellt hatte.“ So lesen wir es in der Mainpost, der regionalen Tageszeitung am 28.Oktober 2011. Ich war zugegebenermaßen nicht wenig schockiert, als ich das las. Denn unabhängig von den derzeitigen Mängeln ist die Orgel in Brebersdorf die einzige, die von der Hand Johann Kaspar Kirchners erhalten ist – dieses „Künstler-Genies“, als das er in der bereits mehrfach zitierten Neuen Fränkischen Chronik von 1809 bezeichnet wird. Und sie ist inklusive der Prospektpfeifen und den Windladen nahezu komplett original erhalten. Hinter dem breit ausladenden, klassizistischen Prospekt stehen 13 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual besitzt einen Tonumfang bis zum f3. Wir finden hier die Register Prestant, Gedackt und Solicional 8', dazu eine in Baß und Diskant geteilte Gamba 8' sowie die typisch fränkische Schwebung mit dem Namen Biffara 8'. Es folgen Principal und Gemshorn 4', die Quint 3', Octave 2' und darüber eine 4fache Mixtur und eine 2fache Cymbel. Eine Erweiterung des Pedalumfangs bis zum d1 wurde wohl in den 1970er Jahren durchgeführt; ursprünglich hatte das Pedal nur einen Umfang bis zum d°. Es verfügt über die Register Subbaß 16' und Violonbaß 8'. Ein in der Kirche ausliegendes Faltblatt bemerkt zur Orgel, dass diese noch viel Originalsubstanz enthält und es verdient, restauriert zu werden. Hoffen wir, dass die Kirchner-Orgel in Brebersdorf einst wieder ihre volle, spätbarocke Klangpracht in dem schönen Kirchenraum entfalten kann.
 
Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=5sfrG_-5das

Disposition:

Manual, C-f3 Pedal, C-d1  
Prestant 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Violonbaß 8'  
Solicional 8'    
Gamba 8' (B/D)    
Biffara 8'    
Principal 4'    
Gemshorn 4'    
Quint 3'    
Octave 2'    
Mixtur 4f.    
Cymbel 2f.    


In Brebersdorf gespielte Stücke:
Johann Baptist Peyer: Fuga Nr. 13 primi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=ykUEJan32P0
Johann Baptist Peyer: Fuga Nr. 14 primi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=1HeDrVq_FDs
Johann Baptist Peyer: Praeambulum Nr. 3 primi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=clZe_IY1g6U



DIMBACH (Stadt Volkach, Landkreis Kitzingen)
Kath. Wallfahrtskirche St. Maria de Rosario




Erbauer: Johann Adam Brandenstein (Kitzingen) 1693, Neubau 1980 durch Orgelbau Hoffmann (Ostheim v. d. Rhön) unter Verwendung des historischen Prospekts und einiger alter Pfeifenreihen, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Dimbach ist ein Ortsteil der Stadt Volkach im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Die nächstgelegene größere Stadt ist das 12 Kilometer entfernte Kitzingen. Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Deutschlands zählt. Wann das Dorf erstmals urkundlich genannt wurde, ist in der lokalen Geschichtsschreibung umstritten, jedenfalls befand es sich im Jahre 1113 im Besitz der Grafen von Castell. Ab 1306 war Dimbach als sogenanntes Klosterdorf Teil des Herrschaftsgebietes der Benediktinermönche von Münsterschwarzach. Die Abtei richtete zeitweise auch eine Propstei im Ort ein und förderte die Wallfahrt zur Dimbacher Gnadenmadonna. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gründete sich in Dimbach die Rosenkranzbruderschaft, die allerdings schon im Dreißigjährigen Krieg wieder einging. Der Titel der repräsentativen Wallfahrtskirche, St. Maria de Rosario, erinnert noch heute an die in Dimbach seit dem Mittelalter intensiv gepflegte Marienverehrung. 1803 wurde im Zuge der Säkularisation auch das Kloster Münsterschwarzach aufgehoben und die Klosterdörfer kamen an Kurpfalz-Bayern, später dann zum Königreich Bayern. 1977 wurde Dimbach im Rahmen der Gebietsreform ein Ortsteil der Stadt Volkach. Die Kirche, die im 13. und 14.Jahrhundert ihr heutiges äußeres Erscheinungsbild erhielt, bildet den historischen Mittelpunkt des Dorfes. Das Gnadenbild, die inschriftlich auf das Jahr 1398 datierte Dimbacher Madonna, steht seit der barocken Neugestaltung des Kircheninneren im Mittelpunkt des Hochaltars. Bereits 1620 wurde dem Gotteshaus „ein Positiv verehrt“ und 1665 schuf der berühmte Kulmbacher Orgelbauer Matthias Tretzscher ein neues Positiv, nachdem das alte vermutlich unbrauchbar wurde. Und dann lesen wir: "Anno 1693 haben Ihro Hochwürdten und Gnaden Herr Augustinus Abbt und Prälat zue Closter Münster Schwartzach Gott und seiner werthen Mutter Maria zu Ehren ein gantzes neues Orgelwerck verfertigen und setzen lassen.“ Zitat Ende. Das Wappen des Abtes Augustinus Voit bekrönt noch heute den Orgelprospekt. Der Neubau in Dimbach wurde bereits 1678 mit dem Orgelbauer Andreas Reuschl aus Kitzingen „veraccordirt“, doch starb dieser 1686 und so wurde der Bau schließlich von Johann Adam Brandenstein aus Kitzingen errichtet.
Johann Adam Brandenstein wurde 1657 in Himmelstadt bei Zellingen im heutigen Landkreis Main-Spessart geboren. Er erlernte die Kunst des Orgelbaues wohl bei einem mainfränkischen, uns allerdings bis heute unbekannten Meister und wurde 1688 in Kitzingen ansässig. Möglicherweise, aber das ist lediglich eine Vermutung, war er ein Schüler des Kitzinger Orgelmachers Johann Andreas Reuschl, der 1686 starb und in dessen Nachfolge sich Brandenstein dann etablieren konnte. Er baute in der Folge nicht nur in Unterfranken, sondern erhielt auch mehrere Aufträge in der Gegend um Nürnberg. Seine erste nachgewiesene Orgel entstand 1690 für Repperndorf bei Kitzingen, die jedoch nicht erhalten ist und 1693 erfolgte dann der Orgelbau in Dimbach. Weitere Orgeln entstanden in der Folge etwa in der Stadtkirche zu Lauf an der Pegnitz, wo immerhin der wunderschöne barocke Orgelprospekt bis heute erhalten ist, sodann in Mönchsondheim bei Iphofen 1694, in Kirchröttenbach nördlich von Nürnberg 1696, in Neunkirchen am Sand 1698 und als Spätwerk 1721 die Orgel in Obereisenheim am Main, die von allen Werken Brandensteins heute am authentischsten von der Kunst ihres Meisters zeugt. Sein 1695 geborener Sohn Johann Conrad Brandenstein erlernte sein Handwerk in der väterlichen Werkstatt, bevor er sich in Stadtamhof bei Regensburg verehelichte und in der Folge einer der berühmtesten Orgelbauer Altbayerns wurde. Johann Adam Brandenstein starb 1726 in Kitzingen. Seine Orgel in Dimbach wurde in der Folge mehrfach umgebaut. Bereits 1737 sind erste Veränderungen durch einen nicht genannten Orgelbauer belegt. 1859 erfolgte ein einschneidender Umbau durch Balthasar Schlimbach aus Würzburg. Er erweitere dabei den Prospekt um die beiden Rechteckfelder links und rechts außen, was allerdings so geschickt gemacht ist, dass man meinen könnte, sie gehörten zum ursprünglichen Bestand. Nach zwei weiteren Umbauten 1957 durch die Firma Weise aus Plattling und 1980 durch die Firma Orgelbau Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön sind heute noch 4 Register sowie ein Chor der Mixtur aus dem ursprünglichen Instrument Brandensteins erhalten.
Die Orgel in Dimbach besitzt heute 16 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die viereinhalb historischen Register finden wir alle im Hauptwerk, das vom oberen Manual mit einem Umfang bis zum c3 angespielt wird. Hier stehen die Register Grobgedackt und Salicional 8', Principal und Spitzflöte 4', Octav und Waldflöte 2', Quinte 1 1/2' sowie eine 3fache Mixtur. Das 1980 hinzugefügte Unterwerk besitzt die Stimmen Principal 8', Octav 4', Quint 2 2/3', Schwiegel 2' und eine 4fache Mixtur. Das ebenfalls erneuerte Pedal mit einem Umfang bis zum d1 ist mit Subbaß 16' sowie Octavbaß und Posaune 8' besetzt, dazu kommen eine Manual- und zwei Pedalkoppeln. Der Umbau 1980 wurde bewusst als ein Kompromiß zwischen historisch getreuer Rekonstruktion und vorsichtig angepaßter Erweiterung geplant und umgesetzt. Da die Originaldisposition Brandensteins nicht exakt bekannt ist, ist ein solcher Ansatz allemal besser und ehrlicher als ein angeblich stilgerechter, aber hauptsächlich auf Spekulation beruhender Rekonstruktionsversuch.

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=Hl6yucPBCUo

Disposition:
       
Hauptwerk, C-c3 Unterwerk, C-c3 Pedal, C-d1  
Grobgedackt 8' Principal 8' Subbaß 16' Manualkoppel
Salicional 8' Octav 4' Octavbaß 8' Pedalkoppel zu I
Principal 4' Quint 2 2/3' Posaune 8' Pedalkoppel zu II
Spitzflöte 4' Schwiegel 2'    
Octav 2' Mixtur 4f.    
Waldflöte 2'      
Quinte 1 1/2'      
Mixtur 3f.      


In Dimbach gespielte Stücke:
Marianus Königsperger: Praeambulum und Fuge secundi toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=GfF9LC2Ujpw
Matthias Georg Monn: Praeludium und Versetten quinti toni >>>  https://www.youtube .com / watch?v = 8ZVOoi9R79Q
Franz Xaver Anton Murschhauser: Variationen über "Gegrüßet seist du, o Jesulein" >>>  https://www.youtube.com/watch?v=DWeNvOMcV5Q
Alessandro Poglietti: Toccatina, Cadenza e Fuge quarti toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=3lKU1Z6at6o
Franz Matthias Techelmann: Ricercar in a >>>  https://www.youtube.com/watch?v=070KaEriNKk
Bartholomäus Weisthoma: Toccata in C >>>  https://www.youtube.com/watch?v=cECiLAsl--4
Justinus Will: Arie decima quarta >>>  https://www.youtube.com/watch?v=Akuz_LIG3k4



EIBELSTADT (Landkreis Würzburg)
Kath. Kreuzkapelle


Erbauer: Adam Adolph Otto (Würzburg) 1794, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Eibelstadt ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Würzburg mit rund 3.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Mit knapp über 7 Quadratkilometern ist sie die flächenmäßig kleinste Stadt Bayerns. An den Hängen rund um Eibelstadt wächst ein vorzüglicher Wein, darum sind Eibelstadt und die Nachbarorte Sommerhausen und Randersacker zu Recht bekannt für ihren Rebensaft und beliebte Ausflugsziele in unmittelbarer Nähe der Universitätsstadt Würzburg. Eibelstadt liegt zudem am Mittelpunkt des Mains bei Fließkilometer 262 von insgesamt 524 km Fließstrecke. Die Gründung des Ortes geht zurück auf das Jahr 787. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken, später immer im Gebiet des Hochstifts Würzburg und gehört seit 1814 zu Bayern. Eibelstadt besitzt eine vollständig erhaltene Stadtmauer mit 14 Türmen. Sehenswert ist weiterhin das barocke Amtshaus des Würzburger Domkapitels und die Pfarrkirche St. Nikolaus mit einer Kreuzigungsgruppe aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders. Etwas abseits des Ortskerns liegt, still und versonnen im Schatten alter Lindenbäume, die kleine Kreuzkapelle. Der Grundstein für den heutigen Bau wurde 1657 an Stelle einer früheren, im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Jakobuskapelle gelegt. Der Würzburger „Domkapitelsche Werkmeister“ Heinrich Eberhardt hatte die Pläne geliefert und 1661 konnte die Einweihung gefeiert werden. Nach der Säkularisation 1804 sollte die Kreuzkapelle abgerissen werden. Nur durch den persönlichen Einsatz eines Baseler Domherrn, der in Eibelstadt seinen Lebensabend verbrachte, durfte die Kapelle bestehen bleiben. Der Hochaltar steht frei vor der Apsisrückwand und wird flankiert von zwei Seitenaltären mit Altarbildern von Johann Baptist de Ruel und Oswald Onghers. Heute wird die Kapelle vor allem in den Sommermonaten gerne für Trauungen benutzt. Im Jahre 1815 erhielt die Kapelle eine Orgel, die ursprünglich 1794 für die Spitalkirche St. Oswald in Würzburg erbaut wurde, welche 1815 abgerissen wurde. Erbaut hat sie der Würzburg Domkapitelsche Orgelmacher Adam Adolph Otto.
Die Orgelmacherfamilie Otto wirkte im 18.Jahrhundert in zwei Generationen in Würzburg. Johann Georg Otto stammte aus Uder im Eichsfeld und heiratete 1727 in Würzburg. Er erwarb danach das Bürgerrecht in der Residenzstadt und versah das Amt eines Domkapitelschen Orgelmachers. In dieser Eigenschaft hatte er sich also vor allem um die Pflege der Würzburger Domorgeln zu kümmern. In rund 30 Schaffensjahren entstanden darüber hinaus 12 Orgelneubauten, von denen allerdings nur eine einzige bis heute erhalten ist, die 1739 geschaffene Orgel in der Marienkapelle zu Bieberehren, ganz im Süden des heutigen Landkreises Würzburg. Sein 1734 geborener Sohn Adam Adolph Otto erlernte das Handwerk des Orgelbaus in der väterlichen Werkstatt, die er nach dem Tod von Johann Georg Otto 1759 weiterführte. Auch er versah bis zu seinem Ableben 1802 das Amt eines Domkapitelschen Orgelmachers und erbaute insgesamt zehn neue Orgeln. Auch aus dem Oeuvre des Sohnes ist nur eine einzige bis heute erhalten, es ist die 1794 fertiggestellte Orgel, die heute in der Kreuzkapelle zu Eibelstadt steht. Erwähnenswert in Adam Adolph Ottos Schaffen ist weiterhin unter anderem die 1769 errichtete, immerhin 15 Register umfassende Orgel für Großwenkheim und die 1770 geschaffene sogenannte Pfarrorgel im Würzburger Dom. Generell war die Situation für die Orgelbauer in Würzburg um die Mitte des 18.Jahrhundert durch das Quasi-Monopol geprägt, das sich der Hoforgelbauer Johann Philipp Seuffert erarbeitet hatte. Alle anderen hatten es daher schwer, im Gebiet des Fürstbistums Würzburg Aufträge zu erlangen. Ob Bartholomäus Brünner, Johann Adam Höffner oder die beiden Generationen der Domorgelmacher-Familie Otto - ihr Wirken nimmt sich in Summe im Vergleich zur den Instrumenten der Familie Seuffert recht bescheiden aus, obwohl alle genannten Orgelbauer Beachtliches zu leisten imstande waren. 
Die 1794 erbaute und 1815 in die Kreuzkapelle zu Eibelstadt versetzte Orgel von Adam Adolph Otto besitzt 6 Register auf einem Manual und Pedal und einen dreiteiligen Orgelprospekt im Stil des Klassizismus. 1933 wurde das Instrument leicht verändert und 1974 erfolgte eine Rückführung auf den Ursprungszustand durch den Orgelbauer Winfried Elenz aus Oberdürrbach. Das Manual besitzt einen Umfang bis zum c3 ohne das Cis und die Register Copula 8', Principal und Solicional 4', eine Octave 2' und eine 3fache Mixtur. Das Pedal besitzt 14 Tasten bis zum d°, ist also ein ganz typisches fränkisches Kurzpedal, wie es in Unter- und Mainfranken bis ins 19.Jahrhundert hinein üblich war. Es verfügt über einen Violon 8' ist darüber hinaus fest ans Manual gekoppelt. Die kleine Otto-Orgel in der idyllischen Kreuzkapelle zu Eibelstadt ist das einzige bis heute erhaltene Instrument ihres Erbauers und darum von besonderem Wert in der Orgellandschaft Mainfrankens. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> 
https://www.youtube.com/watch?v=IjosCNqwLzA

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, CD-d°  
Copula 8' Violon 8' Pedalkoppel (fest)
Principal 4'    
Solicional 4'    
Octave 2'    
Mixtur 3f.    
   
     

In Eibelstadt gespielt Stücke:
Johann Kaspar Ferdinand Fischer: Praeambulum und Versetten septimi toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=Mpr-PCOWUr0
Joseph Haydn: Praeambulum III in G >>>  https: // www .youtube.com/watch?v = mZHuVv5K-gs
Marianus Königsperger: Aria tertii toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=1Rn8_6ju32k
Marianus Königsperger: Praeambulum und Fuge sexti toni >>>  https: / /www.youtube.com/watch?v=r9qjLSSj16w
Alessandro Poglietti: Praeludium, Cadenza e Fuge primi toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=DF29lEY83ZB
Alessandro Poglietti: Ricercar IX quinti toni "Der Tag, der ist so freudenreich">>>  https://www.youtube.com / beobachten? v = a9qEcF6_OVI
Justinus Will: Aria quarta >>>  https://www.youtube.com/watch?v=IaelTo98n9I
Justinus Will: Aria tertia >>>  https://www.youtube.com/watch?v=bjVMqKNMpVQ&t=8s



EUERBACH (Landkreis Schweinfurt)
Kath. Schloßkirche St. Michael




Erbauer: Johann Philipp Seuffert (Würzburg) 1761, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Euerbach ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt, in der rund 3.100 Einwohnerinnen und Einwohner leben. Der Ort wurde im Jahre 777 zum ersten Male schriftlich erwähnt. Um die Mitte des 16.Jahrhunderts schloss sich die Bevölkerung Euerbachs gänzlich der evangelischen Konfession an. Die heutige evangelische Pfarrkirche St. Cosmas und Damian mit der sie umgebenden, wehrhaften Kirchenburganlage stammt aus frühgotischer Zeit. Aus dem 16.Jahrhundert stammt in Euerbach das ehemalige Rathaus und die beiden Schlösser, das Obere und das Untere Schloß. Letzteres errichteten die Herren von Steinau genannt Steinrück und später ging es in den Besitz der Herren von Münster über. 1711 wurde die Pfarrkirche zur Simultankirche erklärt, das heißt, es wurden darin Gottesdienste für beide Konfessionen abgehalten. Dies führte immer wieder zum Streit. 1738 bis 1746 ließen die Herren von Münster darum eine neue, katholische Schlosskirche bauen ließen, deren Pläne von Balthasar Neumann stammten und schlichteten damit den Streit. Die spätbarocke Schloßkirche St. Michael ist heute die Pfarrkirche der katholischen Gemeinde Euerbach, jedoch finden die Gottesdienste meist in dem 1970 eingeweihten neuen Kirchenbau statt, der durch das Pfarrheim von der Barockkirche getrennt ist. Die prachtvolle Ausstattung wurde ebenfalls von Balthasar Neumann konzipiert, die Seitenaltäre besitzen Altarbilder des fränkischen Meisters Georg Sebastian Urlaub. Die barocke Orgel stammt aus der Werkstatt des Würzburger Hoforgelmachers Johann Philipp Seuffert und wurde 1761 eingeweiht.
Der 1693 in Gössenheim an der Wern geborene und 1780 verstorbene Johann Philipp Seuffert war der Begründer einer Orgelbaufamilie, die in drei Generationen über 300 Orgeln errichtet hat. Er erlernte sein Handwerk bei dem Würzburger Hoforgelmacher Johann Hoffmann. Seine Wanderjahre von 1711 bis 1721 führten ihn nach Österreich, Ungarn, Böhmen und möglicherweise auch Polen. Mit dem Tod des Würzburger Orgelbauers Franz Karl Hillenbrand 1722 ergab sich für ihn die Gelegenheit, dessen Witwe Anna Magdalena Hillenbrand zu heiraten und zu einem eigenen Geschäft zu kommen. 1731 wurde ihm der begehrte Titel eines Würzburger Hoforgelmachers verliehen. Er entfaltete eine fruchtbare Tätigkeit im gesamten Raum Unterfranken und teilweise darüber hinaus. Eine ganze Reihe von Instrumenten sind glücklicherweise, mehr oder weniger verändert, bis heute erhalten. Seine größte Orgel entstand 1745 für die westfälische Abtei Grafschaft mit 36 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Sie wurde noch 1957 durch einen Neubau unter Einbezug eines großen Teils der Seuffert-Register ersetzt. Weitere berühmte Instrumente aus seiner Werkstatt entstanden unter anderem in der Klosterkirche Banz und im Kloster Ebrach. Beide Instrumente sind allerdings nur stark umgebaut auf uns gekommen. Es gibt zum Glück aber noch eine Reihe kleinerer, einmanualiger Orgeln wie etwa das 1761 fertiggestellte Instrument in Euerbach, die weitgehend im Originalzustand erhalten sind. Sie sind besondere Kleinode in der fränkischen Orgellandschaft, zumal wenn sie in einem so herrlichen Raum wie in der Balthasar-Neumann-Schloßkirche in Euerbach stehen. Auch Johann Philipp Seufferts Söhne wurden Orgelbauer, der älteste Sohn Johann Ignatius Seuffert ging zunächst nach Frankreich und ließ sich später in Offenburg nieder. Der jüngste Sohn Franz Ignaz Seuffert trat in die väterliche Werkstatt ein und übernahm später auch das Amt des Hoforgelbauers. Der Senior, Johann Philipp Seuffert, starb hochbetagt mit 87 Jahren im Jahre 1780. Franz Ignaz Seufferts älterer Sohn Johann Philipp Albert Seuffert führte das Amt des Hoforgelbauers bis 1834 weiter. Dieser Enkel arbeitete übrigens ebenfalls in Euerbach. Er ergänzte um 1830 eine Reihe von Pfeifen, die – wie es in der Ortschronik heißt – der ehemalige Lehrer Adam Hudert entwendet hatte. Der sowohl glänzende als auch überaus vokale Klang der Seuffert-Orgel ist deutlich vom Klangideal Italiens geprägt.
Die 1761 fertiggestellte Seuffert-Orgel in der Pfarr- und Schloßkirche St. Michael in Euerbach besitzt 10 Register auf zwei Manualen und Pedal. Von besonderem Wert ist hierbei der Principal 4' im Prospekt, der wie durch ein Wunder vor der ansonsten allerorten üblichen Ablieferung im Ersten Weltkrieg verschont blieb. Ihm zur Seite stehen im Manual, das über einen Tonumfang vom Ton C bis zum c3 verfügt, die Register Gedackt, Gamba und Salicional 8', eine Spitzflöte 4', Quinte 2 2/3', Oktave 2' und sodann die glänzende Klangkrone, bestehend aus einer 3fachen Mixtur und einer 2fachen Cimpel. Das Pedal, ein für die Zeit und Region typisches fränkisches Kurzpedal mit lediglich 14 Tasten bis zum d°, verfügt über einen Subbaß 16' und ist fest ans Manual angekoppelt. Die letzte grundlegende Restaurierung fand 1981 statt, doch wird die Orgel von Orgelbaumeister Giovanni Crisostomo aus Königheim regelmäßig gepflegt und gewartet und so befindet sich das edle Instrument in einem hervorragenden Zustand. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> 
https://www.youtube.com/watch?v=HeDHXUQWQEA

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-d°  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Gamba 8'    
Salicional 8'    
Principal 4'    
Spitzflöte 4'    
Quinte 2 2/3'    
Octave 2'    
Mixtur 3f.    
Cimpel 2f.    
   


In Euerbach gespielte Stücke:

Girolamo Frescobaldi: Partita sopra l'Aria di Follia >>> https://www.youtube.com/watch?v=GAlYovvmZMs
Isfrid Kayser: Ouverture B-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=e57jWKFCRV0
Marianus Königsperger: Praeambulum und Versetten secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=prQZHArzKsM
Johann Pachelbel: Allein zu dir, Herr Jesu Christ >>> https://www.youtube.com/watch?v=EcbjviM8BEA
Johann Pachelbel: Praeludium in a >>> https://www.youtube.com/watch?v=A043v6ieFxM
Johann Pachelbel: Praeludium in A >>> https://www.youtube.com/watch?v=eOl20a0e45w
Johann Pachelbel: Praeludium in g >>> https://www.youtube.com/watch?v=1FibENuXrSA
Johann Pachelbel: Toccata in e >>>  https://www.youtube.com/watch?v=-KDl1hwcc28
Octavian Panzau: Fuga sexti toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=bosdzWWmkoM
Conrad Michael Schneider: Adagio con affetto c-moll >>>  https://www.youtube.com/watch?v=cBwAkjl1hxY



FRIDRITT (Stadt Münnerstadt, Landkreis Bad Kissingen)
Kath. Kirche St. Laurentius




Erbauer: Johann Philipp Seuffert (Würzburg) 1738, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Fridritt ist ein Stadtteil von Münnerstadt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Der Ort liegt östlich von Münnerstadt in einem Seitental der Wannig. Der Ort ist nordwärts mit Strahlungen, ostwärts mit Kleinwenkheim und südwärts mit Wermerichshausen verbunden, nördlich des Dorfes verläuft die Autobahn A71. Erstmals urkundlich genannt wird der Ort als Fritirihot im Jahre 842, damals erhielt das Kloster Fulda Güter in dem Ort. Von 1217 bis 1803 war der Ort ein Klosterdorf und gehörte zum nahe gelegenen Kloster Maria Bildhausen. 1972 wurde Fridritt im Rahmen der bayerischen Gebietsreform nach Münnerstadt eingemeindet. Um 1360 wurde das Gnadenbild der „Madonna zu Fridritt“ geschaffen, zu dem schon vor dem Dreißigjährigen Krieg Wallfahrten unternommen wurden. Aufgrund zunehmender Pilgerströme wurde zwischen 1734 und 1737 nach den Plänen von Baumeister Georg Tantzer aus Ebern die große Barockkirche St. Laurentius und Mariä Himmelfahrt errichtet. Der Bau der Kirche wurde aus dem Opfergeld der Wallfahrer finanziert. Der 1737 fertiggestellte Hochaltar trägt das Wappen des Bildhäuser Abtes Engelbert Klöpfel. Das gotische Gnadenbild steht heute im linken Seitenaltar. Ein Jahr später erhielt die Kirche dann eine überaus prachtvolle Orgel aus der Werkstatt des berühmten Würzburger Hoforgelmachers Johann Philipp Seuffert.
Der 1693 in Gössenheim an der Wern geborene und 1780 verstorbene Johann Philipp Seuffert war der Begründer einer Orgelbaufamilie, die in drei Generationen über 300 Orgeln errichtet hat. Er erlernte sein Handwerk bei dem Würzburger Hoforgelmacher Johann Hoffmann. Seine Wanderjahre von 1711 bis 1721 führten ihn nach Österreich, Ungarn, Böhmen und möglicherweise auch Polen. Mit dem Tod des Würzburger Orgelbauers Franz Karl Hillenbrand 1722 ergab sich für ihn die Gelegenheit, dessen Witwe Anna Magdalena Hillenbrand zu heiraten und zu einem eigenen Geschäft zu kommen. 1731 wurde ihm der begehrte Titel eines Würzburger Hoforgelmachers verliehen. Er entfaltete eine fruchtbare Tätigkeit im gesamten Raum Unterfranken und teilweise darüber hinaus. Eine ganze Reihe von Instrumenten sind glücklicherweise, mehr oder weniger verändert, bis heute erhalten. Seine größte Orgel entstand 1745 für die westfälische Abtei Grafschaft mit 36 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Weitere berühmte Instrumente aus seiner Werkstatt entstanden unter anderem in der Klosterkirche Banz und im Kloster Ebrach. Beide sind allerdings nur stark umgebaut auf uns gekommen. Es gibt zum Glück aber noch eine Reihe kleinerer, einmanualiger Orgeln, unter denen die beiden in Fridritt und in der Wallfahrtskirche Maria Limbach mit jeweils 16 Registern die größten, heute noch erhaltenen Seuffert-Orgeln sind. Auch Johann Philipp Seufferts Söhne wurden Orgelbauer, der älteste Sohn Johann Ignatius Seuffert ging zunächst nach Frankreich und ließ sich später in Offenburg nieder. Der jüngste Sohn Franz Ignaz Seuffert trat in die väterliche Werkstatt ein und übernahm später auch das Amt des Hoforgelbauers. Johann Philipp Seuffert starb hochbetagt mit 87 Jahren im Jahre 1780. Franz Ignaz Seufferts älterer Sohn Johann Philipp Albert Seuffert führte das Amt des Hoforgelbauers noch bis 1834 weiter. Wie bereits erwähnt, die beiden Seuffert-Orgeln in Fridritt und Maria Limbach nehmen jeweils für sich Anspruch, die größte erhaltene Seuffert-Orgel zu sein. In Bezug auf die Register sind mit 16 Registern beide gleich groß. Vergleichen wir die Pfeifenanzahl, so hat Maria Limbach mit 912 gegen Fridritt mit 768 Pfeifen die Nase vorn. Das liegt daran, dass in Maria Limbach mehr gemischte Stimmen zu finden sind und das Pedal dort später bis zum d1 erweitert wurde, während in Fridritt der ursprüngliche Umfang bis zum f° belassen wurde. Wenn wir nur den historischen Bestand vergleichen, so finden wir heute in Fridritt noch 641 originale Pfeifen, das sind 83 Prozent, während in Maria Limbach 560 Pfeifen, also 61 Prozent auf Seuffert zurückgehen.
Die Seuffert-Orgel in der Wallfahrtskirche zu Fridritt wurde 1975 durch die Firma Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön restauriert. Auf der Hülle einer seinerzeit aufgenommenen Schallplatte ist zu lesen, dass sie „ein echtes, vielleicht das beste Klangdenkmal des berühmten Würzburger Orgelmachers darstellt“. Das Manual ist unter Aussparung des Cis bis zum c3 geführt und besitzt folgende 13 Register: Praestant, Quintatön, Copl, Violdigamba, Solicional, Fugara und Piffra 8', Principal 4', Quint 3', Octav und Waldflöte 2', dazu ein 3faches Cornett und eine 4fache Mixtur. Das Pedal hat, wie bereits erwähnt, den typisch altfränkischen Pedalumfang bis zum f° und die Stimmen Subbaß 16', Oktavbaß 8' und Superoctavbaß 4'. Der heitere, fränkische Barock, den wir in der Fridritter Kirche optisch erleben können, findet seinen musikalischen Widerhall in der sinnenfrohen Musik süddeutscher Klosterkomponisten. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=IkW-KABPE4Q&t=940s

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, CD-f°  
Praestant 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Quintatön 8' Octavbaß 8'  
Copl 8' Superoctavbaß 4'  
Violdigamb 8'    
Solicional 8'    
Fugara 8'    
Piffra 8'    
Principal 4'    
Quint 3'    
Octav 2'    
Waldflöte 2'    
Cornett 3f.    
Mixtur 4f.    


In Fridritt gespielte Stücke:
Cajetan Bonfig: Aria in F >>>  https://www.youtube.com/watch?v=p5Qy0pu8gVs
Cajetan Bonfig: Aria in G >>>  https://www.youtube.com/watch? v = xpKW_t7f6IU
Marianus Königsperger: Praeambulum und Fuge primi toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=2pj3BUdZiU8
Matthias Georg Monn: Praeludium und Versetten sexti toni >>>  https://www.youtube.com /watch?v = CObjJ2Xqo_M
Franz Xaver Anton Murschhauser: Aria pastoralis variata in C >>>  https://www.youtube.com/watch?v=QdS36hc13j8
Alessandro Poglietti: Praeludium, Cadenza e Fuge secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=22_dHFmC7VQ
Ludwig Zöschinger: Parthia in F ("Die Wachtel") >>>  https://www.youtube.com/watch?v=5BfupmX_R3U




GAIBACH (Stadt Volkach, Landkreis Kitzingen)
Kath. Dreifaltigkeitskirche




Erbauer: Johann Philipp Seuffert (Würzburg) 1748, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Gaibach ist ein Ortsteil der Stadt Volkach im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Die beiden Städte Kitzingen und Schweinfurt sind jeweils ca. 17 Kilometer entfernt. Der Ort liegt in der Maingau-Klimazone, die zu den trockensten und wärmsten Gegenden in Deutschland zählt. Gaibach wurde vermutlich im 7. oder 8. Jahrhundert gegründet. Der Name Gaibach bedeutet „fruchtbares, freies Land am Bach“; gemeint ist der Gaibach, der nahe des Dorfes Obervolkach in die Volkach mündet. Erstmals urkundlich erwähnt wird Guebach im Jahre 1299. Im Jahre 1580 verkaufte der damalige Dorfherr Hans Zollner Besitzungen und Dorfherrschaft an drei Brüder aus dem Adelsgeschlecht der Echter von Mespelbrunn. 70 Jahre später, nach dem Dreißigjährigen Krieg, erwarb die Familie von Schönborn den Ort. Der spätere Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn ließ das Schloß umbauen und einen barocken Garten anlegen. Unter Friedrich Carl von Schönborn erhielt das Dorf ab 1740 eine neue Kirche als Patronatskirche der Familie von Schönborn. Der Würzburger Hofbaumeister Balthasar Neumann wurde mit dem Neubau beauftragt, der 1745 eingeweiht werden konnte. Das Altarbild des prachtvollen Hochaltars zeigt die Familie von Schönborn, wie sie der Heiligen Dreifaltigkeit huldigt. 1748 erhielt die Kirche dann auch eine überaus prachtvolle neue Orgel aus der Werkstatt des Würzburger Hoforgelmachers Johann Philipp Seuffert. Von besonderem Wert ist auch der original erhaltene Principal 8' im Prospekt, der wie durch ein Wunder von der Abgabe im Ersten Weltkrieg verschont blieb.
Der 1693 in Gössenheim an der Wern geborene und 1780 verstorbene Johann Philipp Seuffert war der Begründer einer Orgelbaufamilie, die in drei Generationen über 300 Orgeln errichtet hat. Er erlernte sein Handwerk bei dem Würzburger Hoforgelmacher Johann Hoffmann. Seine Wanderjahre von 1711 bis 1721 führten ihn nach Österreich, Ungarn, Böhmen und möglicherweise auch Polen. Mit dem Tod des Würzburger Orgelbauers Franz Karl Hillenbrand 1722 ergab sich für ihn die Gelegenheit, dessen Witwe Anna Magdalena Hillenbrand zu heiraten und zu einem eigenen Geschäft zu kommen. 1731 wurde ihm der begehrte Titel eines Würzburger Hoforgelmachers verliehen. Er entfaltete eine fruchtbare Tätigkeit im gesamten Raum Unterfranken und teilweise darüber hinaus. Eine ganze Reihe von Instrumenten sind glücklicherweise, mehr oder weniger verändert, bis heute erhalten. Seine größte Orgel entstand 1745 für die westfälische Abtei Grafschaft mit 36 Registern auf zwei Manualen und Pedal, die leider nur in Teilen erhalten ist. Weitere berühmte Instrumente aus seiner Werkstatt entstanden unter anderem in der Klosterkirche Banz und im Kloster Ebrach. Auch diese Instrumente sind jeweils nur stark umgebaut auf uns gekommen. Es gibt zum Glück aber noch eine Reihe kleinerer und mittelgroßer Orgeln wie etwa das 1748 fertiggestellte Instrument in Gaibach, die weitgehend im Originalzustand erhalten sind. Sie sind besondere Kleinode in der fränkischen Orgellandschaft, zumal wenn sie in einem so herrlichen Raum wie in der Balthasar-Neumann-Kirche in Gaibach stehen. Nach dem Tod von Johann Philipp Seuffert 1780 führten sein Sohn und sein Enkel das Amt des Würzburger Hoforgelmachers bis 1834 weiter.
Das unglaublich prachtvoll und zugleich filigran gearbeitete Orgelgehäuse in Gaibach, aus Kiefern- und Lindenholz gearbeitet, ist ein Werk von Martin Gutmann aus Wiesentheid. 1751 ergänzte der Kitzinger Bildhauer Rainer Wierl das zentrale Wappen der Grafen von Schönborn in der Mitte des Gehäuses. Sehr bemerkenswert ist auch der freistehende Spieltisch mit Blickrichtung zum Altar, etwas in jener Zeit ganz Neues, technisch enorm aufwändig. Es ist der einzige freistehende Spieltisch aus Seufferts Werkstatt, der bis heute erhalten ist. Das Instrument besitzt 12 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual ist vom Ton C ohne das Cis bis zum c3 ausgebaut. Grundlage der Disposition ist der Principalchor, der auf dem original erhaltenen Principal 8' aufgebaut ist und über die Oktaven 4' und 2' nebst einer Quinta 3' nach oben geführt ist. Dazu gesellen sich die Stimmen Viol da Gamb, Salicional und Coppel 8' – Coppel ist hier die in Süddeutschland gebräuchliche Bezeichnung für ein Gedackt – und sodann noch das erwähnte 2fache Biffara 8'. Konturiert und bekrönt wird der Klang von einem 3fachen Cornett und einer 4fachen Mixtur. Das Pedal, ein typisch mainfränkisches Kurzpedal mit 17 Tasten bis zum f°, besitzt Subbaß 16' und Oktavbaß 8' und ist überdies fest ans Manual gekoppelt. Die letzte Restaurierung führte 1997 die Firma Orgelbau Vleugels aus Hardheim durch. Die Pracht der Kirche, der fein gearbeitete Orgelprospekt und der edle Klang des nahezu komplett original erhaltenen Pfeifenwerks ergänzen sich in Gaibach zu einem Gesamtkunstwerk von höchstem Rang.

Link zum klingenden Orgelportrait >>> 
https://www.youtube.com/watch?v=JOc1FQxuc_M

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, C-f°  
Principal 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Coppel 8' Octavbaß 8'  
Viol da Gamb 8'    
Salicional 8'    
Biffara 8'    
Octave 4'    
Quinta 3'    
Octave 2'    
Cornett 3f.    
Mixtur 4f.    
     

In der Dreifaltigkeitskirche Gaibach gespielte Stücke:
Johann Erasmus Kindermann: Fuga "Was mein Gott will" >>>  https://www.youtube.com/watch?v=at_timD4eeM
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 1. et 2. toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=TWU_OHGniYA
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 3. et 4. toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=944n68tufgs
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 5. et 6. toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=38B9rIRJSwI
Marianus Königsperger: Praeambulum und Versetten sexti toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=h68xitdzawQ
Giovanni Pierluigi da Palestrina: Ricercar secundi toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=Tbtd6xKt41o
Johann Friedrich Schmoll: Adagio a-moll >>>  https://www.youtube.com/watch?v=_kp8L_2jZUs
Johann Friedrich Schmoll: Fantasie D-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v =KMwsqQzIphU
Justinus Will: Aria Pastorella Nr. 1 in A >>>  https://www.youtube.com/watch?v=BpKb61_PTRc
Justinus Will: Aria Pastorella Nr. 3 in B >>>  https://www.youtube.com/watch?v=V8NUYDmgrog
Justinus Will: Toccata in g >>>  https://www.youtube.com/watch?v=YYvgKaTZ3jI&t=21s



GAIBACH (Stadt Volkach, Landkreis Kitzingen)
Kath. Heilig-Kreuz-Kapelle




Erbauer: Adam Philipp Schleich (Bamberg) 1699-1702, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Gaibach ist ein Ortsteil der Stadt Volkach im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Die beiden Städte Kitzingen und Schweinfurt sind jeweils ca. 17 Kilometer entfernt. Der Ort liegt in der Maingau-Klimazone, die zu den trockensten und wärmsten Gegenden in Deutschland zählt. Gaibach wurde vermutlich im 7. Oder 8. Jahrhundert gegründet. Der Name Gaibach bedeutet „fruchtbares, freies Land am Bach“; gemeint ist der Gaibach, der nahe des Dorfes Obervolkach in die Volkach mündet. Erstmals urkundlich erwähnt wird Guebach im Jahre 1299. Im Jahre 1580 verkaufte der damalige Dorfherr Hans Zollner Besitzungen und Dorfherrschaft an drei Brüder aus dem Adelsgeschlecht der Echter von Mespelbrunn. 70 Jahre später, nach dem Dreißigjährigen Krieg, erwarb die Familie von Schönborn den Ort. Der spätere Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn ließ das Schloß umbauen und einen barocken Garten anlegen. Jener Lothar Franz von Schönborn, 1655 geboren, stiftete auch den Neubau der Heilig-Kreuz-Kapelle, die etwas außerhalb des Ortes Gaibach auf dem Sonnenberg steht. Der Vorgängerbau, ein kleines Heiligenhäuschen mit Kreuz, war in der Umgebung als „Fiber-Cäpelein“ bekannt und wurde von den Bewohnern der Gegend viel besucht. 1697 wurde mit dem Bau der neuen Kapelle begonnen, die als Rotunde, also als Rundbau ausgeführt ist. Als Baumeister kommt der Bamberger Hofbaumeister Johann Leonhard Dientzenhofer in Betracht. Noch bevor das Innere mit Altären prachtvoll ausgestattet wurde, entstand 1699 bis 1702 die Orgel. Sie stammt aus der Werkstatt von Adam Philipp Schleich aus Bamberg und ist nahezu im Originalzustand erhalten.
Der Erbauer der kleinen Orgel in der Gaibacher Kreuzkapelle, Adam Philipp Schleich, wurde vermutlich 1665 als Sohn von Jost Philipp Schleich geboren. Wir wissen über diesen Jost Philipp Schleich, daß er im Jahre 1667 eine kleine Orgel im Würzburger Dom aufstellte, aber ansonsten so gut wie nichts. Dessen Bruder Johann Jost Schleich war ebenfalls Orgelbauer und ist um 1670 erstmals mit eigenen Orgelarbeiten nachweisbar. Er hatte seine Werkstatt in Lohr am Main und baute unter anderem Orgeln in Hammelburg, Ilbenstadt, Amorbach und belieferte mit seinen Instrumenten einen weiten Umkreis zwischen Steigerwald, Vogelsberg und Odenwald. Außer einem Gehäuse in Miltenberg ist von all dem jedoch nichts erhalten geblieben. Auch sein Sohn Johann Peter Schleich wurde Orgelbauer und übernahm später die väterliche Werkstatt. Wir sprechen daher von der Lohrer Linie der Familie Schleich. Adam Philipp Schleich, der Neffen von Johann Jost, ging wahrscheinlich bei seinem Onkel in die Lehre. 1685 war er in Kitzinger sesshaft und 1687 in Würzburg, bevor er sich 1699 in Bamberg niederließ, wo er zum Hoforgelmacher ernannt wurde. Er erbaute unter anderem eine prachtvolle Orgel im Kloster Triefenstein, sodann Instrumente in Groß-Umstadt, Mellrichstadt und natürlich in Bamberg selbst. Außer einigen Pfeifen in der stark umgebauten Triefensteiner Orgel ist lediglich das Instrument in Gaibach von diesem bedeutenden Meister erhalten; dieses allerdings in einem hervorragenden, nahezu komplett originalen Zustand. Adam Philipp Schleich starb 1719. Die Werkstatt ging an seinen Sohn Franz Philipp Schleich über, der allerdings bereits vier Jahre später ebenfalls starb. Seine Witwe heiratete daraufhin einen anderen Orgelbauer, den für die Oberpfalz und Altbayern außerordentlich bedeutenden Konrad Brandenstein aus Kitzingen. Durch mehrere Inschriften auf dem Balg und durch eine weitere Inschrift ist die Urheberschaft Adam Philipp Schleichs für die Orgel in Gaibach eindeutig bezeugt, die als hinterspielige Brüstungsorgel konzipiert ist. Schleich bei seinem Orgelbau einige ältere Orgelteile wiederverwendet. In jedem Fall ist die kleine Orgel in der Gaibacher Kreuzkapelle eine der ältesten, wahrscheinlich sogar die älteste Orgel Unterfrankens. Bemerkenswert sind unter anderem die Registerzüge, die hier mit sanft dosierter Kraft nach unten gezogen werden müssen. Die Balganlage befindet sich direkt über dem Organisten und kann, wie früher, mittels Seilen betätigt werden. Aber auch beim Betrieb mittels eines elektrischen Motors liefert der Balg geschöpften, atmenden Wind, wie bei der Betätigung durch einen Calcanten.
Die Orgel von Adam Philipp Schleich in der Heilig-Kreuz-Kapelle bei Gaibach besitzt 7 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual hat einen Tonumfang bis zum c3, wobei die große Oktave als sogenannte Kurze Oktave gebaut ist. Dabei erklingt auf der Taste E der Ton C, auf der Taste Fis der Ton D und auf der Taste Gis der Ton E. Die anderen Töne, F, G, A und so weiter, erklingen auf den üblichen Tasten, wie man das kennt. Wir finden hier die Register Gedackt 8', sodann der original erhaltene und bemalte Principal 4' im Prospekt, eine Flöte 4', die Octav 2', eine Quint 1 1/2' und eine dreifache Mixtur. Das Pedal besitzt ebenfalls eine kurze Oktave und ist bis zum a° ausgebaut. Der Subbaß 16', der im Rücken des Spielers steht, ist nicht abregistrierbar. Das Pedal ist zudem immer fest an das Manual gekoppelt. In vielen Details, wie etwa den bemalten Prospektpfeifen und den Fratzenköpfen mit geöffneten Mündern links und rechts der Tastatur, ist noch der Geist der ausgehenden Renaissance greifbar. 1988 bis 1989 wurde die Orgel durch die Firma Vleugels aus Hardheim restauriert und in den Originalzustand zurückversetzt, nachdem sie rund 150 Jahre lang in einer Art Dornröschenschlaf gelegen hat und seit etwa dem Jahr 1850 nicht mehr gespielt wurde. „Eine kleine Orgel mit großer Persönlichkeit.“ So formulierte es einmal der Würzburger Diözesanmusikdirektor Gregor Frede. Eine große Persönlichkeit aus einer längst vergangenen Zeit, die es uns wie kaum eine andere Orgel ermöglicht, das Spiel- und Klanggefühl der Zeit um 1700 direkt und hautnah zu erleben.
 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=VAayhKR7op0

Disposition:


Manual, CDEFGA-c3 Pedal, CDEFGA-a°  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Principal 4'    
Flöte 4'    
Octav 2'    
Quint 1 1/2'    
Mixtur 3f.    
   
     

In der Kreuzkapelle Gaibach gespielte Stücke:
Johann Erasmus Kindermann: Intonatio "Gib Frid zu unser Zeit" >>> https://www.youtube.com/watch?v=kklJXunKTBc
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 7. et 8. toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=j0x2HfpsDcU
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 9. et 10. toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=12XBYQtWie4
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 11. et 12. toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=xlDk8ItzTN0
Marianus Königsperger: Praeambulum und Versetten quinti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=QLRvABuAkTk
Johann Krieger: Praeludium in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=cifB8R6GV6M
Johann Krieger: Praeludium in e >>> https://www.youtube.com/watch?v=Bl_P47tKRck
Johann Krieger: Ricercar in a >>> https://www.youtube.com/watch?v=Sp2iJ6ibUT4
Orlando di Lasso: Christ ist erstanden >>> https://www.youtube.com/watch?v=DFhK9n4fbC0&t=12s
Simon Lohet: Canzona in e >>> https://www.youtube.com/watch?v=EUJAjJAmlC8&t=7s
Justinus Will: Aria Pastorella Nr. 2 in A >>> https://www.youtube.com/watch?v=HVdATfqA81k
Justinus Will: Aria Pastorella Nr. 5 in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=a6Xmlz2UABM




GERODA (Landkreis Bad Kissingen)
Ev. Pfarrkirche




Erbauer: Johann Brähler (Unterbimbach, Zuschreibung) um 1780, Umbau Georg Markert (Ostheim v. d. Rhön) 1876, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Geroda ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau. Geroda liegt im Naturpark Bayerische Rhön im Thulbatal, an den südlichen Ausläufern der so genannten Schwarzen Berge. Der Name Geroda kommt vom frühneuhochdeutschen „Ger“ für Speer und „Roda“ für Rodung und beschreibt eine keilförmige Rodung. Die erste urkundliche Erwähnung von Geroda ist für das Jahr 1167 belegt. Im Spätmittelalter war das Dorf in zwei Hälften geteilt, die Fuldaer Bischöfe belehnten mit der einen Hälfte die Familie von Bibra, der Besitz der anderen wechselte zwischen Mainz, Thüngen und von der Tann. 1803 gelangte Geroda an das Fürstentum Oranien-Nassau und kam schließlich 1816 an Bayern. Um 1550 wurde in dem Ort die Reformation eingeführt, in dem heute rund 830 Einwohnerinnen und Einwohner zuhause sind. Seit 1971 sind die Gemeinde Geroda und der benachbarte Markt Platz zur Einheitsgemeinde „Markt Geroda“ zusammengeschlossen. Der Kirchturm der evangelischen Pfarrkirche St. Martin stammt aus der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts. 1345 wurde Geroda zur selbstständigen Pfarrei erhoben. 1862 wurde das Langhaus der Kirche neu errichtet. Die bemerkenswerte Orgel kam im Jahre 1805 in die Kirche nach Geroda. Sie stammt ursprünglich aus der Stiftskirche in Hünfeld, deren Inventar nach der Säkularisation verkauft wurde.
Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau hat sich der Gemeinde Geroda ein dankbares Andenken geschaffen. Im Jahre 1805 überließ er der Gemeinde „auf dem Gnadenwege die Orgel des aufgehobenen Kollegiatstifts zu Hünfeld um 200 Gulden, obschon die Hünfelder selbst 400 Gulden dafür boten und die bereits auf Wägen verladene Orgel nicht abfahren lassen wollten.“ So lesen wir es in den Akten. Die um 1850 bis auf dem Chorraum abgebrochene Stiftskirche stand an der Stelle der heutigen Evangelischen Pfarrkirche in Hünfeld. Wann diese Orgel erbaut wurde und wer ihr Meister war, ist nicht überliefert. Allgemein wird eine Entstehung des Instruments um 1680 angenommen, andere Autoren sprechen von einer Bauzeit um 1720. Doch all dies ist wohl nur ein Teil der Wahrheit. Da uns die Quellen hier vollkommen im Stich lassen, müssen wir versuchen, ähnliche Instrumente zu finden. Die Orgel in Geroda weist einige Ähnlichkeiten mit den Instrumenten in Nordheim vor der Rhön und Stetten auf. Die Orgel in Nordheim wurde nachweislich von dem um 1740 geborenen Oestreich-Schüler Johann Brähler erbaut, er übernahm bei seinem Orgelbau eine Reihe von Registern der Vorgängerorgel. Das Instrument in Stetten wurde ursprünglich 1652 von Konrad Kitzinger aus Münnerstadt erbaut und im Jahre 1790 von eben jenem Johann Brähler um ein zweites Manual erweitert. Bei diesen Arbeiten in Stetten wurde der Prospekt verbreitert und erhöht, das Untergehäuse erneuert und die Orgel bekam eine neue Spielanlage mit Registerschildern aus Metall. In Geroda finden wir nun ein ganz ähnlich konstruiertes Untergehäuse wie in Stetten und auch die gleichen, durchaus ungewöhnlichen Registerschilder aus Metall. Die Bauform der Holzpfeifen ist in allen drei genannten Orgeln charakteristisch, die Deckel und Böden bestehen häufig aus Eichenholz, die Wände aus Fichtenholz. Dies läßt den Schluß zu, dass Johann Brähler zumindest an der Gerodaer Orgel gearbeitet hat, als sie noch in Hünfeld stand. Diese Arbeiten müssten etwa um das Jahr 1780 ausgeführt worden sein. Es ergibt sich also folgendes Bild. Aus der Zeit um 1680 könnten tatsächlich die frühbarocken Verzierungen am Prospekt stammen. Bei seinem durchgreifenden Orgelumbau um 1780 hat Johann Brähler Teile des Orgelprospekts und vermutlich auch Teile des Pfeifenwerks übernommen. Das Gehäuse wurde verbreitert - wie in Stetten und die alten Verzierungen wieder angebracht. In diesem Zustand kam die Orgel 1805 dann nach Geroda. 1862 erfolgte eine Erneuerung der Bälge durch Johann Georg Markert aus Ostheim vor der Rhön. Markert disponierte die Orgel auch leicht um und ersetzte beispielsweise die Quinta 1 1/2' durch eine Flauto traverso 8'. Zur Biographie Johann Brähler lese man bei Interesse bitte das Orgelportrait Nordheim vor der Rhön.
Die Orgel in Geroda besitzt 15 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual, dessen Klaviatur von Georg Markert stammt, hat einen Tonumfang vom C bis zum f3. Über die Hälfte der Manualregister steht in 8'-Lage, nämlich ein Praestant aus Metall, aber nicht im Prospekt, sodann Gedackt, Salicional, Gamba, Flauto traverso, Quintatön und Flöte 8'. Dazu kommen Gedackt und Principal 4', letzterer steht im Prospekt, eine Quinta 3', eine Octava 2' und eine 4fache Mixtur. Das Pedal, das seit dem Umbau durch Markert 1862 bis zum c1 ausgebaut ist, verfügt über die Stimmen Subbaß und Violon 16' sowie einen Oktavbaß 8'. Im Jahre 2008 wurde die Orgel in Geroda von der Firma Hey Orgelbau aus Urspringen stilgerecht restauriert. Seither befindet sich ein beachtenswertes und sehr interessantes Orgeldenkmal des fuldischen Barock wieder in einem würdigen Zustand.

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=QIQ0RktQqXI&t=442s

Disposition:

Manual, C-f3 Pedal, C-c1  
Praestant 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Violon 16'  
Flauto traverso 8' Octavbaß 8'  
Quintatön 8'    
Flöte 8'    
Salicional 8'    
Gamba 8'    
Principal 4'    
Gedackt 4'    
Quinta 3'    
Octave 2'    
Mixtur 4f.    
   
     

In Geroda gespielte Stücke:
Hans Leo Hassler: Canzona in g >>> https://www.youtube.com/watch?v=K3J1exkpsKw
Christian Heinrich Rinck: Ich dank dir schon durch deinen Sohn >>> https://www.youtube.com/watch?v=UX3QaGtXGDs
Christian Heinrich Rinck: Meinen Jesum laß ich nicht >>> https://www.youtube.com/watch?v=HGdvc0tM7yw
Christian Heinrich Rinck: Mit Fried und Freud ich fahr dahin >>> https://www.youtube.com/watch?v=GalT-WlqM-w
Christian Heinrich Rinck: Mitten wir im Leben sind >>> https://www.youtube.com/watch?v=AncRJiZ6TY8
Christian Heinrich Rinck: Nun bitten wir den heiligen Geist >>> https://www.youtube.com/watch?v=YhOwMZqX1VE
Christian Gotthilf Tag: Adagio e-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=fMFnKKxmBM8
Christian Gotthilf Tag: Andante molto Es-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=mHFdlH6Z9uA
Christian Gotthilf Tag: Vivace F-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=F0W7GbFtnek
Johann Gottfried Vierling: Fughetta F-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=KossajpC59Q
Adam Valentin Volckmar: Fughetta über BACH >>>  https://www.youtube.com/watch?v=bCCijBkzRb0



GEROLZHOFEN (Landkreis Schweinfurt)
Friedhofskapelle




Erbauer: Johann Philipp Seuffert (Würzburg) 1743, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Gerolzhofen ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen. Die ehemalige Kreisstadt des 1972 aufgelösten Landkreises Gerolzhofen mit rund 6.900 Einwohnerinnen und Einwohnern ist als Mittelzentrum ausgewiesen. Gerolzhofen liegt am nordwestlichen Rand des Steigerwaldes, 18 km südöstlich von Schweinfurt. Die Siedlung Gerolzhofen wurde erstmals zwischen 750 und 779 in einer Abschrift einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda genannt. Die Stadtwerdung des befestigten Ortes in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts geht aus einer Ebracher Urkunde, in der er 1296 als „oppidum“ erwähnt wurde, hervor. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung evangelisch, später im Zuge der Gegenreformation unter dem Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn wurde der überwiegende Teil der Stadtbewohner wieder katholisch. Sehenswert in Gerolzhofen ist vor allem der „Steigerwalddom“, so nennt man die beeindruckende, spätgotische Stadtpfarrkirche. Am Rande der Stadt, in der Rügshofer Straße, befindet sich der Friedhof. Die Friedhofskapelle, die natürlich dem Erzengel Michael geweiht ist, wurde in den Jahren 1736 bis 1737 erbaut. Der Hochaltar ist mit einem Gemälde von Georg Christian Urlaub ausgestattet, die Seitenaltarbilder stammen von Johann Michael Wolker. Eine Orgel erhielt die Friedhofskapelle im Jahre 1743, sie stammt aus der kunstberühmten Werkstatt des Würzburger Hoforgelmachers Johann Philipp Seuffert. Das kleine, aber ausgesprochen klangschöne und klangprächtige Instrument ist in wesentlichen Teilen im Originalzustand erhalten und heute die älteste Orgel Gerolzhofens.
Der 1693 in Gössenheim an der Wern geborene und 1780 verstorbene Johann Philipp Seuffert war der Begründer einer Orgelbaufamilie, die in drei Generationen über 300 Orgeln errichtet hat. Er erlernte sein Handwerk bei dem Würzburger Hoforgelmacher Johann Hoffmann. Seine Wanderjahre von 1711 bis 1721 führten ihn nach Österreich, Ungarn, Böhmen und möglicherweise auch Polen. Mit dem Tod des Würzburger Orgelbauers Franz Karl Hillenbrand 1722 ergab sich für ihn die Gelegenheit, dessen Witwe Anna Magdalena Hillenbrand zu heiraten und zu einem eigenen Geschäft zu kommen. 1731 wurde ihm der begehrte Titel eines Würzburger Hoforgelmachers verliehen. Er entfaltete eine fruchtbare Tätigkeit im gesamten Raum Unterfranken und teilweise darüber hinaus. Eine ganze Reihe von Instrumenten sind glücklicherweise, mehr oder weniger verändert, bis heute erhalten. Seine größte Orgel entstand 1745 für die westfälische Abtei Grafschaft mit 36 Registern auf zwei Manualen und Pedal, die allerdings nur in Teilen erhalten ist. Weitere berühmte Instrumente aus seiner Werkstatt entstanden unter anderem in der Klosterkirche Banz und im Kloster Ebrach. Auch diese beiden Instrumente sind nur stark umgebaut auf uns gekommen. Es gibt zum Glück aber noch eine Reihe kleinerer, einmanualiger Orgeln wie etwa das 1743 entstandene Instrument für die Friedhofskapelle in Gerolzhofen. Auch Johann Philipp Seufferts Söhne wurden Orgelbauer, der jüngste Sohn Franz Ignaz Seuffert trat in die väterliche Werkstatt ein und übernahm später auch das Amt des Hoforgelbauers. Der Senior, Johann Philipp Seuffert, starb hochbetagt mit 87 Jahren im Jahre 1780. Seufferts Orgeln zeichnen sich durch einen frischen und eleganten Klang aus, der ganz deutlich das Klangideal Italiens in sich trägt mit vokalen Principalen und transparenten Flöten.
Die 1743 erbaute Orgel von Johann Philipp Seuffert in der Friedhofskapelle zu Gerolzhofen besitzt 7 Register auf einem Manual und Pedal. Im Prospekt steht, das ist relativ ungewöhnlich, die Quint 3', die darum im Raum sehr präsent klingt. Das Manual hat einen Tonumfang vom Ton C ohne das Cis bis zum c3. Neben der genannten Quint 3' besitzt das Manual noch die Stimmen Copl 8' (Copl ist die in Süddeutschland übliche Bezeichnung für ein Gedackt), sodann Principal und Salicional 4', eine Octav 2' und eine 3fache Mixtur. Das Pedal hat lediglich 14 Tasten bis zum d°. Es besitzt einen Subbaß 16' und ist überdies fest ans Manual gekoppelt. 1993 wurde die Orgel durch die Firma Orgelbau Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön stilgerecht restauriert. Damals bekam das Instrument auch eine leicht ungleichschwebende Stimmung nach Bach-Kellner. Die vorrangige Bestimmung der kleinen Seuffert-Orgel in der Friedhofskapelle Gerolzhofen ist natürlich, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten und dies tut sie seit mittlerweile über 10 Generationen. Aber in diesem Gedanken steckt auch ganz viel Hoffnung und man erinnert sich an das Wort von Charles-Marie Widor, der einmal sagte: „Orgelspielen heißt einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren“. Und an anderer Stelle: „Es ist das Gefühl des Erhabenen und Unendlichen, für das Worte immer ein inadäquater Ausdruck bleiben und das allein in der Kunst zur wahren Darstellung gelangt.“

Link zum klingenden Orgelportrait >>> https://www.youtube.com/watch?v=-_KRQJXcUJQ

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, CD-d°  
Copl 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Principal 4'    
Salicional 4'    
Quint 3'    
Octav 2'    
Mixtur 3f.    
     

In Gerolzhofen gespielte Stücke:
Johann Erasmus Kindermann: Fuga in d >>> https://www.youtube.com/watch?v=popIE2iKLVw
Johann Erasmus Kindermann: Fuga alia in d >>> https://www.youtube.com/watch?v=3G4eDIwtXIs
Johann Pachelbel: Was mein Gott will, das g'scheh allzeit >>> https://www.youtube.com/watch?v=wpHC3Qruwfk
Bernardo Pasquini: Partite diverse di Follia >>> https://www.youtube.com/watch?v=AvZUBQdxlFo
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 41 in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=tE584NSqNq8
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 42 in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=IKCUCW6h6gw
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 43 in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=e4kKowRnLV8
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 44 in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=btKIAgU691w
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 45 in Dis >>> https://www.youtube.com/watch?v=g3w1C38wWXE
Johann Caspar Simon: Praeludium und Fuge in c >>> https://www.youtube.com/watch?v=JB1an_q3DaU
Justinus Will: Aria Pastorella Nr. 8 in F >>> https://www.youtube.com/watch?v=hmafY955BtY
Justinus Will: Aria Pastorella Nr. 10 in G >>> https://www.youtube.com/watch?v=6RY2zMzoL5g



GINOLFS (Markt Oberelsbach, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Kath. Filialkirche St. Ottilia




Erbauer: Nikolaus Sartorius (Oberelsbach) um 1820, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur 

Ginolfs ist ein Ortsteil des unterfränkischen Marktes Oberelsbach im Landkreis Rhön-Grabfeld. Der Ort liegt am Fuß des 591 m hohen Hüppberges, 3 km westlich von Oberelsbach. Das romantisch am Sonderbach gelegene Dorf hat heute 319 Einwohnerinnen und Einwohner. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung von „Gindolf“ stammt aus dem Jahr 1272. Die Hintergründe der Entstehung des Ortes sind unsicher, ebenso wie die Herkunft des Ortsnamens, doch stammt dieser mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vom hl. Gandolf ab. 1972 wurde Ginolfs im Rahmen der Gemeindegebietsreform Ortsteil von Oberelsbach. Bekanntheit erlangte Ginolfs durch ein sehr erfolgreiches Projekt zum Erhalt des vom Aussterben bedrohten schwarzköpfigen Rhönschafes. Der in der Nähe des Ortes gelegene, idyllische Basaltsee ist nicht nur, aber vor allem im Sommer ein beliebter Treffpunkt für jung und alt. Im Jahr 1605 entstand unter dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die St. Ottilia-Kirche. Die beiden Seitenaltäre entstanden um 1700, ebenso das Taufbecken. Der Hochaltar mit einem Bild der hl. Ottilia sowie vier weiblichen Heiligen entstand um das Jahr 1750. Die kleine Orgel auf der Empore wurde um 1820 eingebaut. Ihr Erbauer ist Nikolaus Schneider, der sich selbst meist – in lateinischer Namensform – Nikolaus Sartorius nannte. Er hatte seine Werkstatt im benachbarten Oberelsbach und wirkte hauptsächlich im näheren Umkreis seines Heimatortes.
Der Erbauer der Orgel in Ginolfs war Nikolaus Sartorius. Er wurde 1790 als Sohn des Orgelbauers Johann Schneider geboren. Johann Schneider, also der Vater, wurde 1755 in Allmus bei Hofbieber geboren und war seinerseits Schüler und später Mitarbeiter von Johann Markus Oestreich in Oberbimbach bei Fulda. Johann Schneider hat vor allem in der Rhön und im Rhönvorland gearbeitet, anfangs sicher im Auftrag der Oestreichs, später führte er auch selbstständig Orgelbauten durch. Die einzige erhaltene, sicher Johann Schneider zuzuschreibende Orgel steht in Unterelsbach, nur wenige Kilometer von Ginolfs entfernt. Sie wird in einem anderen Portrait näher vorgestellt. Johann Schneider hatte zwei Söhne, Andreas und Nikolaus, die beide ebenfalls als Orgelbauer tätig waren. Andreas Schneider, der die väterliche Werkstatt in Allmus weiterführte, erbaute unter anderem ein Instrument in Haimbach bei Fulda, von dem der Prospekt bis heute erhalten ist. Das klingende Werk wurde allerdings schon Ende des 19.Jahrhunderts ersetzt. Weitere Orgeln, die beide erst in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts zerstört und jeweils durch Neubauten ersetzt wurden, standen in Wissels bei Fulda und in Steinbach bei Hünfeld. Somit ist der Orgelprospekt in Haimbach das einzige erhaltene Zeugnis von Andreas Schneider. Sein Bruder Nikolaus Schneider, der sich später immer Sartorius nannte, errichtete seine Werkstatt in Oberelsbach. Nachweise seiner Tätigkeit finden wir zwischen 1810 und 1850. Allerdings können nur wenige Instrumente zweifelsfrei ihm zugeschrieben werden, so die um 1820 erbaute Orgel in Ginolfs. 1823 erbaute er eine in Teilen erhaltene Orgel für Unterweißenbrunn und um 1840 ein etwas größeres Instrument für die Kirche des benachbarten Ortes Sondernau. Es dürften aber noch einige, bisher nicht identifizierte Orgeln im Bereich Bischofsheim und Mellrichstadt aus seiner Werkstatt stammen. Grundlegende Forschungsarbeiten zu dieser Schüler-Linie der Oestreichs fehlen bislang; somit sind Neuentdeckungen von Sartorius-Orgeln zukünftig nicht ausgeschlossen. Nikolaus Sartorius starb 1859. Einer der Schüler und späterer Werkstatt-Nachfolger war Michael Katzenberger aus Oberelsbach und nach dessen Tod übernahm Wilhelm Hey die Katzenberger´sche Orgelbau-Werkstatt. Wilhelm Hey, der Stammvater der heute noch bestehenden und zwischenzeitlich in der sechsten Generation arbeitenden Rhöner Orgelbauerdynastie Hey, die heute ihren Sitz in Urspringen hat. Die Firma Gebrüder Hey hat 1996 auch die fachgerechte Restaurierung der Denkmalorgel in Ginolfs durchgeführt.
Die Sartorius-Orgel in der Dorfkirche zu Ginolfs besitzt 7 Register auf einem Manual und Pedal. Fünf Register sind im Manual disponiert, das vom Ton C bis zum f3 ausgebaut ist. Es handelt sich um Gedackt 8', Principal und Flöte 4', eine Quinte 3' und eine 3fache Mixtur auf 2'-Basis. Das Pedal besitzt zwei Register, Subbaß 16' und ein Violonbaß 8'. Der relativ schlichte, dreiteilige Prospekt besitzt klassizistische Zierelemente, wie es ebenfalls in der Rhön nicht allzu häufig anzutreffen ist. Dem kleinen Instrument in dem recht abgeschiedenen Dorf Ginolfs kommt, auch wenn sie nicht sonderlich groß ist, eine gewisse Bedeutung innerhalb der heimischen, der Rhöner Orgellandschaft zu, da nur sehr wenige Orgelinstrumente aus dem Schülerkreis der Orgelbauerfamilie Oestreich erhalten sind. So ist zu hoffen, dass die in baldiger Zukunft anstehende neuerliche Restaurierung der Ginolfser Orgel dazu beiträgt, ein selten gewordenes Zeugnis der Rhöner Orgelbaukunst des 19.Jahrhunderts für die Zukunft zu bewahren. 

Link zum klingenden Orgelportrait: 
https://www.youtube.com/watch?v=Z1Fc7RQlF94

Disposition:

Manual, C-f3 Pedal, C-c1  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Principal 4' Violonbaß 8'  
Flöte 4'    
Quinte 3'    
Mixtur 3f.    
     

In Ginolfs gespielte Stücke:
Johann Christoph Bach: Ach Gott und Herr >>> https://www.youtube.com/watch?v=4guyYu05WsI
Johann Christoph Bach: Jesu, der du meine Seele >>> https://www.youtube.com/watch?v=1sEK6cBVI4c
Johann Christoph Bach: Wär Gott nicht mit uns diese Zeit >>> https://www.youtube.com/watch?v=y-9TwtDRyPY
August Eberhard Müller: Largo a-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=PRm0w2w1vFg
Christian Heinrich Rinck: Moderato d-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=t58UuJS6fGw
Christian Heinrich Strube: Praeludium A-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=riRC8H27l_4
Johann Gottfried Walther: Wär Gott nicht mit uns diese Zeit >>> https://www.youtube.com/watch?v=KWC-fz_zZiM



GRAMSCHATZ (Markt Rimpar, Landkreis Würzburg)
Kath. Pfarrkirche St. Cyriakus




Erbauer: Franz Xaver Frosch (München) 1883, Kegelladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Gramschatz ist ein Ortsteil des Marktes Rimpar im unterfränkischen Landkreis Würzburg, rund 20 Kilometer nördlich der alten Residenzstadt an der Grenze zum Landkreis Main-Spessart. Überregional bekannt ist der Name des Ortes durch den großen Autohof Gramschatzer Wald an der Autobahn A7. Die Gegend war schon in keltischer Zeit besiedelt und die erste urkundliche Erwähnung von „Cramphesnesta“ ist für das Jahr 772 belegt. Der Ort, über den in den folgenden Jahrhunderten nur sehr spärliche geschichtliche Quellen fließen, lag im Gebiet des Hochstifts Würzburg. Kirchlich war Gramschatz, in dem bereits 1157 eine Kapelle bezeugt ist, bis 1697 eine Filiale der Pfarrei Retzstadt und wurde in dem genannten Jahr zur selbstständigen Pfarrei St. Cyriakus erhoben. An den aus dem 15. Jahrhundert stammenden Turm wurde 1731 ein barockes Langhaus samt Chor angebaut und prachtvoll barock ausgestattet. Johann Peter Wagner und Johann Wolfgang van der Auvera gestalteten Altäre, Figuren und Kanzel und manche sagen, die Gramschatzer Kirche sei die schönste zwischen Würzburg und dem heiligen Berg der Franken, dem Kreuzberg. Die Orgel ist ein Werk der Romantik, 1883 aus der Werkstatt von Franz Xaver Frosch in München hervorgegangen.  
Im 19. Jahrhundert wirkten in München zwei bedeutende Orgelmacherfamilien. Zum einen die Familie März, begründet von dem 1768 geborenen Conrad Maerz und fortgeführt von seinem Sohn Max und seinem Adoptivenkel Franz Borgias Maerz, der 1902 zum Königlich-bayerischen Hoforgelmacher ernannt wurde. Stammvater der anderen Münchener Orgelbauerfamilie Frosch war der etwa 1756 in Mutterstadt in der Pfalz geborene Franz Frosch. Seit 1784 in München als „Hofschutzverwandter und Orgelmacher“ ansässig, wirkte er auch in Oberbayern und der Schweiz. 1810-15 erbaute er eine neue Hauptorgel in der Kathedrale von St. Gallen mit 60 Registern auf drei Manualen, die nach zahlreichen Umbauten 1968 abgerissen wurde. Sein 1785 geborener Sohn Josef Frosch und der etwa 1810 zur Welt gekommene Enkel Joseph Philipp Frosch traten nach ihrer Lehre ins das väterliche bzw. großväterliche Unternehmen ein, das seit etwa 1810 als „Franz Frosch und Sohn“ firmierte. Daneben gab es in München eine unabhängig arbeitende Seitenlinie mit dem 1794 in Mutterstadt geborenen Karl Frosch, einem Neffen von Franz Frosch, dem 1840 immerhin die Ehre zuteilwurde, im altehrwürdigen Dom zu Speyer eine neue Orgel zu errichten. Die vierte Generation bestand dann aus den 1835 und 1838 geborenen Brüdern Ludwig und Franz Xaver Frosch, die die Orgelwerkstatt in der Königlichen Haupt- und Residenzstadt nach dem Tod von Joseph Phillip Frosch übernahmen und als „Gebrüder Frosch“ fortführten. Die Firmen Maerz und Frosch waren mit handwerklich sauberer und dauerhafter Arbeit und klanglich wie technisch auf der Höhe der Zeit stehend, führend im ganzen damaligen Königreich Bayern. Sie bildeten sozusagen das katholische Pendant zur Firma Steinmeyer, dem großen Konkurrenten aus Bayerisch-Schwaben. 1878 machte sich Franz Xaver Frosch dann unter eigenem Namen selbstständig. Ob der Trennung ein Zerwürfnis der Brüder vorausging oder man sich anschickte, neue Absatzgebiete zu erobern, ist nicht bekannt. Es überrascht aber schon, das Franz Xaver Frosch gleich zu Beginn seiner neuen Selbstständigkeit im eigentlich durch die Familie Schlimbach fest besetzten Raum Würzburg auftaucht und den Auftrag zum Bau der Orgel in der berühmten Wallfahrtskirche Maria Sondheim bei Arnstein erhielt, die 1880 eingeweiht werden konnte. Vermutlich kam er so auch zum Bau der Orgel in Gramschatz, der 1883 fertiggestellt wurde. Danach wirkte er wieder in seinem Stammgebiet und es entstanden etwa in Aichach 1890 und in St. Maximilian zu Augsburg 1895 größere Orgeln mit mehr als 20 Registern. Franz Xaver Frosch starb 1909, sein Bruder Ludwig war bereits 1896 verschieden. 
Der Orgel in Gramschatz erging es besser als den meisten anderen romantischen Instrumenten in Westdeutschland und blieb von größeren klanglichen und technischen Umbauten verschont. 1995 wurde sie durch die Firma Thomas Eichfelder aus Bamberg stilgerecht restauriert. Die Orgel besitzt 16 Register, rein mechanische Kegelladen und einen freistehenden Spieltisch mit Blick zum Altar. Im Hauptwerk stehen Bordun 16', Principal, Rohrflöte, Gedeckt und Gamba 8', Octav und Flöte 4' sowie ein 3faches Cornett. Im Oberwerk finden wir Geigenprincipal, Hohlflöte und Piffara 8', Fugara 4' und eine Flöte 2' und im Pedal sind Subbaß und Violonbaß 16' sowie ein Octavbaß 8' disponiert, dazu kommen eine Manual- und eine Pedalkoppel. Zwei feste Kombinationen können durch zwei Fußtritte links und rechts der Pedalklaviatur ein- und wieder abgeschaltet werden. Da Instrumente aus der Königlich-Bayerischen Haupt- und Residenzstadt nördlich des Mains sehr selten sind, setzt die zur Regierungszeit Ludwigs II. erbaute Orgel in Gramschatz einen bemerkenswerten Akzent in der reichen und vielgestaltigen Orgellandschaft Unterfrankens. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> folgt

Disposition:

Hauptwerk, C-f3 Oberwerk, C-f3 Pedal, C-c1  
Bordun 16' Geigenprincipal 8' Subbaß 16' Manualcopplung
Principal 8' Hohlflöte 8' Violonbaß 16' Pedalcopplung
Rohrflöte 8' Piffara 8' Octavbaß 8'  
Gedeckt 8' Fugara 4'    
Gamba 8' Flöte 2'    
Octav 4'      
Flöte 4'      
Cornett 3f.      

       
In Gramschatz gespielte Stücke:
Ludwig Boslet: Die Tugend wird durchs Kreuz geübet >>> folgt
Rudolf Louis: Herr, ich habe mißgehandelt >>> folgt
Friedrich Lux: Allein Gott in der Höh sei Ehr >>> folgt
Elias Oechsler: Wer nur den lieben Gott läßt walten >>> folgt
Joseph Rheinberger: Fughetta d-moll >>> folgt
Heinrich Ritter: Morgenglanz der Ewigkeit >>> folgt
Carl Steinhäuser: Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich >>> folgt
Johannes Weyhmann: Pastorale >>> folgt
Johannes Weyhmann: Vom Himmel hoch, o Englein kommt >>> folgt



GROSSOSTHEIM (Landkreis Aschaffenburg)
Kath. Kreuzkapelle





Erbauer: Johann Georg Hugo (Aschaffenburg) 1749, Schleifladen, mechanische Spiel- und Registertraktur

Großostheim ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg mit rund 16.500 Einwohnerinnen und Einwohnern. Der Ort liegt am nordöstlichen Rand des Odenwalds in der Region Bayerischer Untermain in der Nähe der Autobahn A3. Gemeinsam mit Stockstadt am Main und der benachbarten hessischen Gemeinde Schaafheim bildet die Marktgemeinde die historische Region Bachgau. Ostheim, seit dem 17. Jahrhundert Großostheim genannt, wird erstmals in einer zwischen 780 und 799 entstandenen Urkunde des Klosters Fulda erwähnt. Ostheim gehörte in der Folgezeit zu verschiedenen Herrschaftsbereichen, ehe es 1278, zusammen mit dem gesamten Bachgau, zum Kurfürstentum Mainz kam. Zum Ende des Alten Reiches gehörte Großostheim zur Stadt- und Amtsvogtei Obernburg und Großostheim im Vizedomamt Aschaffenburg des Kurfürstentums Mainz. 1814 kam der Ort zum Königreich Bayern. Neben der katholischen Pfarrkirche, in der eine bemerkenswerte Beweinung Christi von Tilman Riemenschneider zu bewundern ist, besitzt Großostheim insgesamt drei kleine Kapellen. Die spätgotische Eligiuskapelle in der Haarstraße, dann die „Frauhäuschen“ genannte Marienkapelle in der Jahnstraße und die Kreuzkapelle in der Niedernberger Straße. Laut der Inschrift über dem Portal ist die Kreuzkapelle 1513 erbaut worden. Herzstück der Kirche ist die Kreuzigungsgruppe aus rotem Sandstein, die der berühmte Mainzer Hofbildhauer Hans Backoffen schuf. 1749 wurde die Kreuzkapelle umgebaut, um einen Chorraum erweitert und mit einer neuen Orgel versehen, die mit großer Sicherheit dem Aschaffenburger Orgelmacher Johann Georg Hugo zugeschrieben werden kann.
Der Erbauer der Orgel in der Kreuzkapelle, jener Johann Georg Hugo, stammte aus St. Blasien im Schwarzwald, wo er 1717 geboren wurde. Er arbeitete bei dem Orgelbauer Johann Georg Fischer in Freiburg und kam mit diesem 1741 nach Aschaffenburg, wo Fischer die Orgel in St. Agatha zu erneuern und das Instrument in der Stiftskirche umzubauen hatte. Nach Beendigung dieser Arbeiten blieb Hugo in Aschaffenburg, er heiratete 1745 und erwarb das Bürgerrecht der Stadt. In späteren Jahren nannte er sich kurmainzischer privilegierter Orgelmacher. Ab 1744 ist er mit eigenen Orgelarbeiten nachweisbar, einige Prospekte wie etwa von dem 1751 in Bad König errichteten Instrument sind heute noch vorhanden. Hugo-Prospekte können ihre oberrheinische Herkunft mit drei Rundtürmen nicht verleugnen und fallen in der Region am Untermain dadurch auf. Ebenso typisch für Hugo ist die Verwendung der Register Sesquialter und Cornett, was ebenfalls in jener Zeit in der Gegend nicht unbedingt üblich ist. 1772 ersteigerte Johann Georg Hugo das Areal des früheren Elisabethenspitals in Aschaffenburg und richtete dort einen „Spezereyhandel“ ein; wohl, weil er als Orgelbauer nicht mehr genug Arbeit hatte. Sein 1761 geborener Sohn Matthias Hugo baute auf dem Gelände später ein neues Haus und wurde später Stadtrat in Aschaffenburg und ein angesehener Kaufmann. Er betätigte sich nur ganz gelegentlich mit einfachen Orgelreparaturarbeiten. Vermutlich wurde die Werkstatt in den 1770er Jahren von dem 1748 in Großostheim geborenen Conrad Zahn übernommen, der aller Wahrscheinlichkeit nach zuvor bei Hugo gearbeitet hat. Er tritt ab 1773 verstärkt auch mit Orgelneubauten in Erscheinung. Und 1794 heiratete der erwähnte Matthias Hugo, also der Sohn mit Catharina Zahn eine Cousine zweiten Grades des Orgelbauers. Der Vater, Johann Georg Hugo, hat das allerdings nicht mehr erlebt, er starb 1779 in Aschaffenburg. Die Orgelbauerfamilie Zahn in Großostheim spielte im 19.Jahrhundert am Untermain eine maßgebliche Rolle.
Die Orgel in der Kreuzkapelle zu Großostheim ist, von einigen wenigen Prospekten abgesehen heute die einzige Orgel von der Hand Johann Georg Hugos, die auch in ihrem klingenden Bestand erhalten ist. Und sie ist sogar in einer Vollständigkeit original erhalten, wie es dies in vergleichbarer Form eigentlich nirgends mehr gibt: eine Denkmalorgel von höchster Authentizität. 1993 wurde sie nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf, in dem sie nicht mehr gespielt wurde, durch die Firma Steinmeyer aus Oettingen restauriert. Das Manual besitzt einen Tonumfang vom Ton C ohne das Cis bis zum c3. Wir finden hier die Register Gedackt und Salicional 8', Principal und Gedackt 4', Quint 3', Octav 2' sowie der für Hugo typische Sesquialter 2fach und eine 3fache Mixtur. Das Pedal ist in ein typisch altfränkisches, fest ans Manual gekoppeltes Kurzpedal mit 18 Tasten bis zum f° und besitzt die Stimmen Subbaß 16' und Violonbaß 8'. 

Link zum klingenden Orgelportrait >>> 
https://www.youtube.com/watch?v=rUB7DfHJp_0

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, CD-f°  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Salicional 8' Violonbaß 8'  
Principal 4'    
Gedackt 4'    
Quint 3'    
Octav 2'    
Sesquialter 2f.    
Mixtur 3f.    
     

In Großostheim gespielte Stücke:
Adriano Banchieri: Quarta Sonata Capriccio Capriccioso >>>  https://www.youtube.com/watch?v=VXx2PNR_qww
Adriano Banchieri: Quinta Sonata in Aria Francese >>>  https://www.youtube.com /watch?v=iol-DP11tlM
Adriano Banchieri: Ricercata del Primo Tuono >>>  https://www.youtube.com/watch?v=Sd9Uc1sgr0M
Adriano Banchieri: Secondo Ripieno >>>  https://www.youtube. com/watch?v=uyUPLVWo9R8
Adriana Banchieri: Terza Sonata in Dialogo >>>  https://www.youtube.com/watch?v=AxS_i8wEcIk
Franz Anton Hugl: Praeludium und Versetten primi toni >>>  https://www. youtube .com/watch?v = SxLe4b44yrM
Franz Xaver Anton Murschhauser: Aria pastoralis variata in G >>>https://www.youtube.com/watch?v=Q1qCo2f2mS8
Alessandro Poglietti: Ricercar II sexti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=Y2Nj53KKEbY
Georg Caspar Wecker: Praeludium und Fuge in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=i2FnrfbaW-o



HEIMBUCHENTHAL (Landkreis Aschaffenburg)
Alte Kath. Pfarrkirche St. Martin




Erbauer: Nikolaus Zahn (Großostheim) 1826, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Der staatlich anerkannte Erholungsort Heimbuchenthal ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mespelbrunn. Rund 2.200 Einwohnerinnen und Einwohner leben in dem Ort, idyllisch gelegen im oberen Elsavatal inmitten des Naturparks Spessart. Der Ortsname bedeutet Tal, in dem Hainbuchen wachsen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Heimbuchenthal im Jahr 1282. Im Jahre 1495 wurde der Ort sodann als Gericht genannt. Mit dem Erzstift Mainz fiel der Ort bei der Säkularisation an das neugebildete Fürstentum Aschaffenburg, mit welchem es 1814 zum Königsreich Bayern kam. Die heutige Katholische Pfarrkirche St. Johannes mit angeschlossenem Pfarrheim und Pfarrhaus in der Nähe des schönen Kurparks an der Elsava stammt aus den 1970er Jahren. Die alte Pfarrkirche St. Martin am nördlichen Ortseingang ist eine barocke Saalkirche mit eingezogenem Chor und Westturm aus dem Jahre 1753. Stilistisch ähnelt sie stark der nur drei Jahre später entstandenen Sandkirche Mariä Heimsuchung in Aschaffenburg. Beim Bau der Kirche erhielt das Gotteshaus auch eine neue Orgel, die 1826 an die Kirche des Nachbardorfes Volkersbrunn abgegeben wurde und dort bis 1962 Dienst tat. Denn in jenem Jahre 1826 erhielt die Kirche die Chance, eine neue Orgel aus der Werkstatt von Nikolaus Zahn in Großostheim errichten zu lassen. Möglich wurde dies durch die sogenannte „Lack´sche Stiftung“. Der 1825 verstorbene ehemalige Aschaffenburger Stiftsvikar Franz Lack hatte sein Vermögen für Glocken und Orgeln an bedürftige Kirchengemeinden im damaligen Fürstentum Aschaffenburg vermacht. Unter allen Kirchen war die in Heimbuchenthal die erste, welche aus dieser Stiftung eine neue Orgel erhielt. Die Initialen des Stifters, FL, zieren die klassizistische Vase über dem Mittelturm des Prospekts.
Die Familie Zahn spielte für den Orgelbau am Untermain eine maßgebliche Rolle. Musikalisch waren die Zahn´s schon vorher, der 1704 in Lohr am Main geborene Johann Balthasar Zahn war Stadtkantor in Fulda, ebenso dessen Sohn Sebastian Zahn. Der erste Orgelbauer der Familie, der 1748 in Großostheim geborene Conrad Zahn war ein Neffe jenes Johann Balthasar Zahn. Er erlernte sein Handwerk aller Wahrscheinlichkeit nach bei Johann Georg Hugo in Aschaffenburg. Einige Details seiner Prospektgestaltung sind jedoch für die Werkstatt Hugo untypisch und finden sich in ähnlicher Form eher bei Johann Ignaz Seuffert in Kirrweiler in der Pfalz. Hat Hugo also, vielleicht auf seiner Wanderschaft, bei diesem in die Pfalz ausgewanderten Sohn des großen Johann Philipp Seuffert gearbeitet? Gestützt wird diese These durch den ersten eigenständigen Neubau Conrad Zahns, der 1775 in Dannstadt bei Ludwigshafen errichtet wurde. Nachdem Johann Georg Hugo Mitte der 1770er Jahre den Orgelbau weitgehend eingestellt hatte, konnte Conrad Zahn den Wirkungskreis seines Lehrmeisters übernehmen und errichtete in der Folge zahlreiche Orgelneubauten. Genannt seien seine Werke in Mömlingen 1779, Mainaschaff 1785, Alzenau 1788 und Obernburg 1798, wobei die Auflistung nicht vollständig ist. Viel ist von alldem nicht erhalten, nur vier Orgelprospekte und eine kleine Orgel in der Filialkirche von Neuenbuch bei Stadtprozelten, die aus der ehemaligen Wallfahrtskirche Schneeberg südlich von Miltenberg stammt. Ab 1805 ist der 1774 geborene Sohn Nikolaus Zahn an den Orgelprojekten der Familie beteiligt. Er hat wie selbstverständlich seine Ausbildung im väterlichen Betrieb erfahren und war als designierter Nachfolger sozusagen unabkömmlich und vermutlich nie auf Wanderschaft. Ab 1810 setzen sich unter Nikolaus Zahn klassizistische Elemente in der Gestaltung durch. So sehen wir auch den 1826 errichteten Prospekt in Heimbuchenthal vor uns, ein noch barock bewegter Grundriß verbunden mit interessanten klassizistischen und Biedermeier-Elementen, die einen in der Region unverwechselbaren Personalstil bildeten in der Übergangszeit vom Barock zum Historismus.
Nikolaus Zahn starb 1846, also 20 Jahre nach Vollendung der Orgel in Heimbuchenthal. Sein Sohn Simon Joseph Zahn tat sich zunehmend schwer, was durch die überregionale Konkurrenz etwa von Schlimbach in Würzburg und zunehmend von Steinmeyer in Oettingen noch verstärkt wurde. Er konnte nur noch mit Stimmungen und Reparaturen überleben und sein 1859 geborener Sohn und Nachfolger Johann Joseph Zahn hat im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts den Orgelbau aufgegeben. Die 1826 von Nikolaus Zahn errichtete Orgel in Heimbuchenthal ist heute nahezu die einzige Orgel aus dem Schaffen der Familie Zahn - neben dem bereits erwähnten Instrument des Vaters in Neuenbuch - die zumindest in Teilen auch klanglich einigermaßen erhalten ist. Nach kleineren Veränderungen in der Disposition durch den Enkel des Erbauers, Johann Joseph Zahn 1893 und den Aschaffenburger Orgelbauer Leopold King 1958 erfolgte im Jahre 2002 eine stilgerechte Restaurierung und Teilrekonstruktion durch die Firma Orgelbau Vleugels aus Hardheim. Das Manual besitzt einen Tonumfang bis zum d3 und die Register Großgedackt, Flaut und Viola di Gamba 8', Principal und Kleingedackt 4', Octav 2', einen 2fachen Sesquialter und eine 3fache Mixtur. Das Pedal hat noch den traditionellen, für die Region bis weit ins 19. Jahrhundert hinein typischen Pedalumfang bis zum f° und die Stimmen Subbaß 16' sowie Principalbaß und Violonbaß 8'. Instrumente wie dasjenige in Heimbuchenthal stellen uns immer wieder vor Augen, dass es nicht nur die großen, berühmten Instrumente sind, die eine Orgellandschaft prägen. Es ist darüber hinaus die Vielfalt von Instrumenten aus der Hand kleinerer und mittlerer Meister, die meist in Dorf- und kleineren Stadtkirchen stehen und nicht unbedingt berühmt, wohl aber allesamt charaktervoll und auf ihre besondere Weise einzigartig sind.

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=kD0PW1D7Vtw

Disposition:

Manual, C-d3 Pedal, C-f°  
Großgedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Flaut 8' Principalbaß 8'  
Viola di Gamba 8' Violonbaß 8'  
Principal 4'    
Kleingedackt 4'    
Octav 2'    
Sesquialter 2f.    
Mixtur 3f.    
     

In Heimbuchenthal gespielte Stücke:
August Bergt: Heut thriumphieret Gottes Sohn >>> https://www.youtube.com/watch?v=u3vaML5UlmY
Charles Burney: Introduction and Fugue in a >>> https://www.youtube.com/watch?v=TLqTjQsiPRY
Georg Friedrich Händel: Voluntary Nr. 1 in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=TpW_KWNN5MI
Michael Haydn: Cadenzen und Versetten secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=ntxnBBx2hI4
Michael Haydn: Cadenzen und Versetten septimi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=TO_HNwB665g
Franz Anton Hugl: Praeludium und Versetten quinti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=BsXt9l8deIU
Johann Christoph Kühnau:Majestätisch B-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=jZaoMTisvAQ
Johann Christoph Kühnau: Moderato dorisch >>>  https://www.youtube.com/watch?v=5-fRsIIibhE
Johann Christoph Kühnau: Poco Adagio D-Dur >>>  https://www.youtube.com/watch?v=V9Jt8i8f26Y
Johann Christoph Kühnau: Wer lässt nur den liebenden Gott regieren >>>  https://www.youtube.com/watch?v=ByW4OUtBtbE
Alessandro Poglietti: Ricercar VI secundi toni >>>  https://www.youtube.com/watch?v=DUNM04Q6iaE
Abbé Vogler: Allegro e-moll >>>  https://www.youtube.com/watch?v=c2ZZjsXuvwU
Abbé Vogler: Andante g-moll >>>  https://www.youtube.com/watch?v=SULc-_V-Xk



HELLINGEN (Stadt Königsberg i. Bay., Landkreis Haßberge)
Ev. Kirche St. Georg




Erbauer: Johann Hoffmann (Sylbach) 1721, Umbau Johann Rudolf Voit (Schweinfurt) 1750, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Hellingen ist ein Stadtteil von Königsberg in Bayern im unterfränkischen Landkreis Haßberge und beherbergt 315 Einwohnerinnen und Einwohner. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 824, als ein Landbesitz in Heilingo dem Kloster Fulda überschrieben wurde. Zusammen mit Königsberg und einigen Dörfern der näheren Umgebung gehörte Hellingen ab dem Jahre 1400 zu den Wettinischen Herzogtümern. Später wechselte der Besitz über Sachsen-Weimar, Sachsen-Gotha, Sachsen-Römhild und Sachsen-Hildburghausen zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, zu dem Hellingen dann zusammen mit dem damaligen Amt Königsberg als Exklave bis 1918 gehörte. 1978 wurde Hellingen im Rahmen der bayerischen Gebietsreform in die Stadt Königsberg in Bayern eingemeindet. Der geheimnisumwitterte Dichter Edmund Stubenrauch wurde in Helligen geboren und der bekannte Organist Wilhelm Krumbach, dessen Mutter aus Hellingen stammte, ging in den Jahren des Zweiten Weltkriegs in Hellingen zur Volksschule. Die evangelische Dorfkirche St. Georg besitzt ein Langhaus, das im Jahre 1714 an den bestehenden mittelalterlichen Chorturm angebaut wurde. Die barocke Orgel wurde mehrfach umgebaut und erweitert, dazu gleich mehr. Seit 1966 war die Kirche in Hellingen für Jahrzehnte jährlicher Treffpunkt von Orgelfreunden aus nah und fern, denn sie war einer der Hauptanziehungspunkte in den von Wilhelm Krumbach ins Leben gerufenen „Fränkischen Orgeltagen“.
Die Orgel in Hellingen wurde 1721 von Johann Hoffmann aus Sylbach errichtet. Achtung Verwechslungsgefahr, denn den Namen Johann Hoffmann trugen Anfang des 18.Jahrhunderts im Raum des heutigen Unterfranken drei verschiedene Orgelbauer. Der bekannteste und bedeutendste von diesen war der 1725 verstorbene Würzbuger Hof- und Domorgelmacher Johann Hoffmann. Näheres zu ihm erfährt man bei Interesse im Orgelportrait seiner erhaltenen Orgel in Obertheres. Zeitgleich gab es in Schlüsselfeld einen Orgelbauer Johann Hoffmann, der uns aber nur von einer Reparatur im Jahre 1707 bekannt ist. Der dritte Johann Hoffmann hatte seine Werkstatt in Sylbach, heute ein Ortsteil von Haßfurt am Main und war seit Ende des 17. Jahrhunderts hauptsächlich im Gebiet der damals zu Sachsen-Hildburghausen gehörenden Exklave Königsberg tätig. Über sein Leben und seine Ausbildung wissen wir fast nichts. Lediglich zwei Neubauten sind belegt, einmal 1717 bis 1720 in Walsdorf, das liegt rund 10 Kilometer westlich von Bamberg und dann 1721 in Hellingen. Er hatte einen Sohn Johann Kaspar Hoffmann, dieser wanderte 1754 nach Cannstatt bei Stuttgart aus, wo er sich selbstständig machte. Sein bedeutendster Schüler dort in Cannstadt wurde Johann Eberhard Walcker, Stammvater der später weltberühmten Orgelbauersippe. 1751 erfolgte dann ein erweiternder Umbau durch Johann Rudolf Voit aus Schweinfurt. 1695 geboren, war Voit als evangelischer Bürger der freien Reichsstadt Schweinfurt vorwiegend in den reichsritterschaftlichen Patronatskirchen im östlichen Unterfranken bis Südthüringen tätig. Er war, wie wir den Akten entnehmen, insgesamt fünfmal verheiratet und galt als kunsterfahrender Orgelbauer. 1804 berichten die Pfarrakten von einer „bedeutenden Orgelreparatur, auch Decoration“. Damals erhielt das Instrument sein heutiges Aussehen. 1828 arbeitet dann Johann Kirchner aus Euerdorf an der Orgel. So ist die Orgel in Hellingen über Generationen hinweg gewachsen und mehrfach verändert worden, hat ihre individuelle Biographie bekommen. Anfang der 1960er Jahre wurde das Instrument dann nach den Vorstellungen der damaligen Zeit restauriert, wobei ein großer Teil der Traktur erneuert wurde und auch der Tonumfang des Manuals auf den im 20.Jahrhundert üblichen Umfang bis zum dreigestrichenen g erweitert wurde.
Diese kleine Reihe von Orgelvorstellungen ist nicht unwesentlich von Wilhelm Krumbach beeinflusst und intendiert. Als Orgelstudent war ein fester Termin im Radio, der niemals verpaßt werden durfte, seine Sendereihe "Deutsche Orgellandschaften" Sonntagabends im Deutschlandfunk. Von da an war ich fasziniert von der dabei präsentierten Vielfalt der Orgeln in unserem Land und von der Reichhaltigkeit der von Wilhelm Krumbach vorgestellten Orgelliteratur abseits der gewohnten Pfade. In Hellingen ist man Krumbach und seinem Wirken ganz nahe, jedes Jahr konzertierte er teilweise mehrfach hier an „seiner“ Orgel, zu der er zeitlebens eine besondere Beziehung hatte. Am 6.Oktober 2002 spielte er in Hellingen im Erntedankgottesdienst letztmals die Orgel in einem Gottesdienst, wenige Tage später erlitt er einen schweren Schlaganfall, an dessen Folgen er im Jahre 2005 verstarb. Am Ende dieses frohen Erntedank-Gottesdienstes improvisierte Krumbach über den Choral „Ich singe dir mit Herz und Mund. Die Hofmann/Voit-Orgel in Hellingen besitzt 12 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual ist heute, wie gesagt, bis zum g3 ausgebaut und besitzt die Stimmen Coppel, Quintade, Salicional und Piffaro 8', Principal und ein in Baß und Diskant geteiltes Gemshorn 4', Octave 2', einen Sesquialter, eine 3fache Mixtur sowie eine Trompete 8'. Das Pedal mit einem Umfang bis zum d1 verfügt über Subbaß 16' und Octavbaß 8', dazu kommt eine Pedalkoppel. Wilhelm Krumbach sagte einmal, dass man „als Musiker immer darauf bedacht sein müsse, das reiche Erbe unserer Ahnen klingend zu beleben und in das Bewußtsein der Gegenwart zu rufen.“ Ein Leitsatz, besser eine Verpflichtung, die auch heute und in Zukunft für uns Kirchenmusiker, egal ob haupt- oder nebenamtlich, ob Dom- oder Dorforganist uneingeschränkte Gültigkeit besitzt.

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=SDOP7BdW1hs&t=599s

Disposition:

Manual, C-g3 Pedal, C-d1  
Coppel 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Quintade 8' Octavbaß 8'  
Salicional 8'    
Piffaro 8'    
Principal 4'    
Gemshorn 4' (B/D)    
Octave 2'    
Sesquialter 2f.    
Mixtur 3f.    
Trompete 8'    

In Hellingen gespielte Stücke:
Johann Kaspar Ferdinand Fischer: Praeambulum und Versetten octavi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=lDH_dILHU44&t=1s
Marianus Königsperger: Aria septimi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=jWIYZEGHVVI
Marianus Königsperger: Praeambulum und Fuge octavi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=sQDxnePdEbE
Johann Baptist Peyer: Fuga Nr. 24 secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=9L2ZfDJAhMQ
Johann Baptist Peyer: Fuga Nr. 25 secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=IfhxdhMZODg
Johann Baptist Peyer: Fuga Nr. 26 secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=qpgO3FhWSYA
Alessandro Poglietti: Ricercar VII quarti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=aaNPVZiP7SQ
Johann Caspar Simon: Fughetta 7 ex E >>> https://www.youtube.com/watch?v=r4xgx1Dp6Sc
Johann Caspar Simon: Fughetta 8 ex F >>> https://www.youtube.com/watch?v=mF9xx9Jy7ew
Justinus Will: Aria decima >>> https://www.youtube.com/watch?v=FkwWE5ykYkk&t=5s



HESSDORF (Gemeinde Karsbach, Main-Spessart-Kreis)
Ev. Kirche 



Erbauer: Jakob Theodor Berns (Karlstadt) 1744, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Heßdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Karsbach im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Das Dorf liegt in malerischer Umgebung an der Bundesstraße B27 zwischen Karsbach und Höllrich. Urkundlich wird der Ort erstmals 1158 als "Hessidorf" genannt, doch dürfte er wie die Nachbarorte wesentlich älter sein. Im Mittelalter waren zunächst die Herren von Henneberg, später vor allem die Herren von Thüngen als würzburgische Lehensgrafen für die Geschicke des Ortes bestimmend. Nach der Säkularisation gehörte der Ort zunächst zum neuen Großherzogtum Würzburg, ab 1814 dann zum Königreich Bayern. 1978 wurde Heßdorf nebst den Nachbarorten Weyersfeld und Höllrich in die neue Gemeinde Karsbach eingemeindet. Kirchlich gehörte Heßdorf zunächst zur Urpfarrei Eußenheim-Aschfeld, später zur Pfarrei Höllrich. Die Herren von Thüngen, die bis heute das Kirchenpatronat innehaben, führten 1556 die Reformation im Ort ein. Die weithin sichtbare barocke Kirche wurde zwischen 1741 und 1744 erbaut. Damals erhielt die Kirche auch ihre heute noch vorhandene Orgel, eine von nur zwei erhaltenen Instrumenten des Orgelmachers Jakob Theodor Berns aus Karlstadt. Er führte ein in manchen Aspekten fast modern anmutendes Leben, auf das wir gleich noch ein wenig näher eingehen.
Jakob Theodor Berns wurde vermutlich 1678 in einem nicht bekannten Ort im Großraum Karlstadt geboren. Sein Lebensweg ist untrennbar verbunden mit dem etwas älteren, 1674 in Bergrothenfels geborenen Johann Baptist Funtsch. Beide haben sich vermutlich schon in ihrer Lehrzeit, entweder bei Johann Jost Schleich in Lohr oder bei Johann Hoffmann in Würzburg kennengelernt. Gemeinsam gingen sie nach der Lehre auf Wanderschaft und arbeiteten ab etwa dem Jahr 1700 als Gesellen bei dem Orgelbauer Zacharias Thayßner in Merseburg. Dort nannte man sie die „zween katholischen Brüder“, was sicher auch ein Hinweis auf ihre enge Freundschaft ist. Bevor sie 1708 wieder in ihre fränkische Heimat zurückkehrten, bauten sie sozusagen auf der Durchreise die Orgel in der Schloßkapelle zu Saalfeld, deren prachtvoller Prospekt bis heute erhalten ist. Nach einer Zeit gemeinsamen Wirkens verlegte Johann Baptist Funtsch seine Werkstatt 1721 nach Amberg in der Oberpfalz. Berns – der mit seiner Rolle im Schatten des Älteren und bedeutenderen Funtsch offensichtlich durchaus zufrieden war – arbeitete die nächsten 14 Jahre bis 1735 teils für Monate, teils für mehrere Jahre in Funtschs Werkstatt, kehrte aber während gelegentlicher Auftragsflauten auch für längere Zeit nach Karlstadt zurück. Man könnte ihn also fast als einen der ersten Berufspendler bezeichnen. Mitte der 1730er Jahre trennten sich die „zween Brüder“, denn Funtschs Sohn Johann Konrad – der später zum bedeutendsten Orgelbauer in der Oberpfalz des 18.Jahrhunderts aufsteigen sollte - war mittlerweile zum wichtigsten Mitarbeiter seines Vaters geworden. Berns – immerhin schon knapp 60 Jahre alt – kehrte daraufhin nun endgültig in seine Heimat zurück. Aus Funtschs und Berns erster gemeinsamer Schaffensphase in Unterfranken sind leider keine Instrumente erhalten, nur ein paar Prospekte, etwa in der Stadtkirche zu Gerolzhofen und in Remlingen bei Helmstadt, beide etwa von 1712. Auch aus der gemeinsamen Wirkungszeit in der Oberpfalz existieren heute nur noch einige Gehäuse, aber so gut wie kein originales Pfeifenmaterial mehr. Lediglich in der Kirche in Trautmannshofen, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, sind in einer Mathis-Orgel von 1979 einige Pfeifen von Funtsch und Berns erhalten. Ab 1736 entwickelte Jakob Theodor Berns in Karlstadt trotz größter Konkurrenz - vor allem durch die Würzburger Werkstatt Johann Philipp Seufferts - ein vom Umfang her zwar bescheidenes, doch bemerkenswert qualitatives Spätwerk mit durchaus eigenständigen Zügen. Nur zwei Instrumente sind aus den rund 18 Jahren, die Berns noch verblieben – er starb 1753 – bis heute erhalten. Eine davon steht in Habitzheim, einem Ortsteil der Gemeinde Otzberg im hessischen Odenwald, erbaut 1742. Und 1744 errichtete Berns das prachtvolle Werk in Heßdorf.
1869 wurde die Orgel in Heßdorf durch den Orgelbauer Sigmund Friedrich Braungart aus Marktbreit technisch und klanglich verändert. Bei der letzten Restaurierung 1977 durch die Firma Erich Bauer aus Unterasbach wurden diese Veränderungen wieder rückgängig gemacht. Das Instrument besitzt 13 Register, rund die Hälfte davon geht noch auf Jakob Theodor Berns zurück. Im Manual, das bis zum c3 ausgebaut ist, finden wir die Stimmen Principal, Gedackt, Gamba und Salicional 8', sodann den originalen Prospekt-Principal 4' von Berns, eine Flöte 4', Quinte 3', Octav 2', eine Sesquialtera sowie eine 3fache Mixtur. Das Pedal, im Original bis zum a° gehend, bei der Restaurierung 1977 aber bis zum c1 erweitert, ist mit Subbaß 16' Oktavbaß 8' und einem ebenfalls hinzugefügten 2fachen Choralbaß, 4' und 2' besetzt, dazu kommt eine Pedalkoppel. Als einem der ganz wenigen klingenden Zeugnisse der berühmten und vor allem in der Oberpfalz Schule bildenden Funtsch-Werkstatt kommt der Orgel seines „Compagnons“ Berns in Heßdorf eine nicht geringe Bedeutung nicht nur für die unterfränkische Orgellandschaft zu, sondern auch darüber hinaus. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=mukU38ZHvfs&t=463s

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-c1  
Principal 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Octavbaß 8'  
Gamba 8' Choralbaß 4' + 2'  
Salicional 8'    
Principal 4'    
Flöte 4'    
Quinte 3'    
Octave 2'     
Sesquialtera 2f.    
Mixtur 3f.    

In Heßdorf gespielte Stücke:
Johann Ernst Eberlin: Für den April - Menuetto >>> https://www.youtube.com/watch?v=Rsi8Osn8bR8&t=1s
Johann Ernst Eberlin: Für den Jenner - Aria >>> https://www.youtube.com/watch?v=hYH5_DXezt8
Werner Fabricius: Praeambulum I in c >>> https://www.youtube.com/watch?v=cS69ZPJq1m4
Werner Fabricius: Praeambulum II in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=L_0l1fWgFN8
Werner Fabricius: Praeambulum III in d >>> https://www.youtube.com/watch?v=gW-38nfzZ0k
Stephan Hammel: Praeludium in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=r7eawBdGMck&t=4s
Johann Balthasar Kehl: Freu dich sehr, o meine Seele >>> https://www.youtube.com/watch?v=aGkLZ1i_pJ4
Johann Balthasar Kehl: Nun freut euch, lieben Christen, g'mein >>> https://www.youtube.com/watch?v=3NcKPI4eg6U
Vinzenz König: Versetten quarti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=p2kRK6L1plQ&t=10s
Vinzenz König: Versetten quinti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=yzUC4DKeDrs&t=11s
Leopold Mozart: Für den Hornung - Die Fastnacht >>> https://www.youtube.com/watch?v=uiNdtVteVxY&t=4s
Leopold Mozart: Für den Merz - Adagio mit Variationen >>> https://www.youtube.com/watch?v=7Pn-v8H-pNU&t=4s
Justinus Will: Aria con Variationi in c >>> https://www.youtube.com/watch?v=UmTmb2ZRzkU&t=64s



HOHEIM (Stadt Kitzingen, Landkreis Kitzingen)
Kath. Pfarrkirche St. Georg



Erbauer: Bartholomäus Brünner (Würzburg) 1748, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Hoheim ist ein Ortsteil der unterfränkischen Stadt Kitzingen und liegt im Osten des Gemeindegebietes. Nördlich von Hoheim ist der Kitzinger Flugplatz zu finden, südöstlich erstreckt sich die Stadt Mainbernheim, während der Westen vom Kitzinger Ortsteil Sickershausen eingenommen wird. Naturräumlich liegt Hoheim in einer Ausbuchtung des niederschlagsarmen und trockenen Kitzinger Maintales, das Teil des Mittleren Maintals innerhalb der Mainfränkischen Platten ist. Die Geschichte von Hoheim ist eng mit der der Stadt Kitzingen verbunden. Im 14. Jahrhundert erhielten die Grafen von Hohenlohe-Brauneck die Herrschaft über den Ort. Im Jahre 1390 kam es an die Ansbacher Markgrafen, 1629 folgte die Wiedereinlösung an das Hochstift Würzburg. 1806 wurde Hoheim eine bayerische Landgemeinde und im Jahr 1973 im Rahmen der bayerischen Gebietsreform Teil der Großen Kreisstadt Kitzingen. Der Chorraum der katholischen Pfarrkirche St. Georg stammt noch aus dem frühen 15.Jahrhundert, im Jahre 1707 entstand das heutige Langhaus. 1832 wurde das Langhaus verlängert und der Turm angebaut. Die Orgel ist 1748 entstanden und stammt aus der Werkstatt des Würzburger Orgelmachers Bartholomäus Brünner, der sich selbst meist Bartel Brünner nannte.
Bartholomäus Brünner, der sich selbst meist Barthel Brünner nannte, wurde 1684 in Bieringen an der Jagst im Hohenlohischen geboren. Über seinen Lebensweg ist wenig bekannt. Brünner erwarb 1727 das Bürgerrecht in Würzburg und damit die Gewerbeerlaubnis als Nachfolger des verstorbenen Orgelbauers Johann Hoffmann. Da Brünner weder das Dom- noch das Hoforgelmacher-Privileg besaß – diese Ämter hatten zu seiner Zeit Johann Georg Otto und Johann Philipp Seuffert inne – hatte er es nicht leicht, seine Werkstatt gegen die prominente Konkurrenz aufrechtzuerhalten. Dies gelang ihm nur dadurch, dass er weite Wege in Kauf nahm, seinen Wirkungskreis auf entlegenere Gebiete ausdehnte und sozusagen Nischen am Rande aufsuchte. So finden wir ihn in den folgenden Jahren im Südwesten Mainfrankens, in seiner Heimat Schöntal an der Jagst um im Raum Bruchsal, aber auch in Rüdesheim am Rhein und mehrfach im Gebiet der Fürstabtei Fulda. 1734 erbaute er in Fulda in der Aula der neu errichteten Universität eine neue Orgel und 1745 erhielt auch die Kirche des als Jagd- und Sommerresidenz erbauten Fuldischen Schlosses Adolphseck, wenige Kilometer südlich von Fulda ebenfalls ein Instrument von Bartholomäus Brünner. Im selben Jahr baute Brünner in der Klosterkirche zu Salmünster und 1747 in der barocken Kirche zu Schleid in der Thüringischen Rhön. Ein Jahr später entstand dann die Orgel für Hoheim, die im Wesentlichen unverändert die Zeiten bis heute überdauert hat. Durch das Wirken Brünners hauptsächlich an der Peripherie des Hochstifts Würzburg ist sie heute die einzige Orgel des Meisters, die in Unterfranken erhalten ist. In Geißlingen bei Oberickelsheim steht eine ganz ähnliche, auch nur leicht veränderte Brünner-Orgel von 1741; aber das ist schon Mittelfranken. Neben dem Instrument in Hoheim ist eine weitere Orgel von der Hand Barthel Brünners recht gut erhalten, nämlich die ehemalige Chororgel der Klosterkirche Amorbach, die heute in der Pfarrkirche von Erfelden im Odenwald steht. Das Todesjahr Brünners war lange Zeit unbekannt, laut dem neuesten Bayerischen Musiker-Lexikon ist er 1757 verstorben. Aufgrund ihres hohen Anteils an Originalsubstanz wurde die Hoheimer Orgel bei Restaurierungen anderer Brünner-Orgeln, etwa in der Aula der Alten Universität in Fulda, in vielen Details zum Vorbild genommen.
Die Orgel von Bartholomäus Brünner in Hoheim ist weitgehend original erhalten, ein bemerkens- und bewahrenswerter Glücksfall innerhalb der Orgellandschaft Unterfrankens. 1993 wurde sie von der Firma Otto Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön stilgerecht restauriert. Das Manual verfügt über einen Tonumfang bis zum c3 unter Verzicht auf das Cis. Wir finden hier die Stimmen Copl und Salicional 8', Principal, Flauto und Violdigamba 4', die Octave 2', eine Quinte 1 1/2' und eine 3fache Mixtur. Bemerkenswert ist auch, daß die originalen barocken Prospektpfeifen des Principal 4' erhalten sind und nicht, wie ansonsten fast überall, im Ersten Weltkrieg abgegeben werden mußten. Das Pedal ist, wie im 18. und übrigens bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in Unterfranken üblich, nur bis zum f° ausgebaut und besitzt die beiden Stimmen Subbaß 16' und Oktavbaß 8'. Das Pedal ist, auch das typisch altfränkisch, fest ans Manual gekoppelt. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=dy717Yv_dlI

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, CD-f°  
Copl 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Salicional 8' Octavbaß 8'  
Principal 4'    
Flauto 4'    
Violdigamba 4'    
Octave 2'    
Quinte 1 1/2'    
Mixtur 3f.    

In Hoheim gespielte Stücke:
Adriano Banchieri: Bizaria primi toni I >>> https://www.youtube.com/watch?v=UUqIeurfRLw
Adriano Banchieri: Bizaria primi toni II >>> https://www.youtube.com/watch?v=vd75xBErDbM
Marianus Königsperger: Aria sexti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=03NWZ21QnEI&t=5s
Marianus Königsperger: Praeambulum und Fuge septimi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=TP2sMSW2oLU
Matthias Georg Monn: Praeludium und Versetten primi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=3FID_-jcqxE&t=3s
Octavian Panzau: Fuga tertii toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=rCCCZrckb4Y
Alessandro Poglietti: Fuga in g >>> https://www.youtube.com/watch?v=U22lE01-XLs&t=4s
Alessandro Poglietti: Praeludium in g >>> https://www.youtube.com/watch?v=mJBYNJBQsYI
Alessandro Poglietti: Toccatina, Cadenza e Fuge quinti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=G934xlilPjs
Justinus Will: Aria nona >>> https://www.youtube.com/watch?v=pNriKggVT6Y&t=2s



IRMELSHAUSEN (Gemeinde Höchheim, Landkreis Rhön-Grabfeld)

Ev. Pfarrkirche St. Jakobus



Erbauer: Daniel Felix Streit (Kulmbach) 1712, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Irmelshausen ist ein Ortsteil von Höchheim im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Das Dorf liegt an der Grenze zu Thüringen und wird von der Milz, einem Zufluß der Fränkischen Saale durchflossen. In einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda aus dem Jahre 799 wird der Ort als „Irminolteshusum“ erstmals urkundlich genannt. Wohl bereits im frühen Mittelalter hat im Ort eine Burg bestanden, die im 12.Jahrhundert von Poppo III. von Henneberg bewohnt wurde, der sich fortan „von Irmelshausen“ nannte. Im ausgehenden Mittelalter gehörte der Ort dann zur Herrschaft Henneberg-Schleusingen, bis er 1376 an die Herren von Bibra verpfändet wurde. Die im 15.Jahrhundert in ihrer heutigen Form erbaute Wasserburg in Irmelshausen auf einer künstlichen Insel im Milzgrund ist vollständig erhalten und gilt als schönste Wasserburg Frankens. Bis heute wird sie von der Familie von Bibra bewohnt. Seit der Mediatisierung der reichsunmittelbaren Stände gehörte Irmelshausen ab 1806 zum Großherzogtum Würzburg, später zum Königreich Bayern. 1978 wurde Irmelshausen ein Ortsteil der Gemeinde Höchheim. Die Patronatskirche der Herren von Bibra in Irmelshausen, ehemals St. Jakobus, wurde in ihrer heutigen Form 1471 bis 1518 erbaut. Kurze Zeit später, 1540, wurde die Reformation im Ort eingeführt. Die Kirche birgt 15 sehenswerte Grabmäler der Freiherren von Bibra aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Und auch die Orgel ist bemerkenswert, sie stammt aus dem Jahre 1712 und ist ein Werk von Daniel Felix Streit, Bürger und Orgelmacher zu Kulmbach.
1650 wurde im Zuge der Gegenreformation eine Verordnung erlassen, daß „keiner, der nicht katholisch ist, im Königreich Böhmen soll geduldet werden“. Unter den zahllosen Protestanten, die daraufhin aus Böhmen und Österreich vertrieben wurden, war auch der 1626 in Lichtenstadt im Egerland geborene Orgelbauer Matthias Tretzscher. Er floh zunächst nach Marienberg, kam dann 1653 als Orgelbauer nach Bayreuth und wurde 1654 Bürger und Hoforgelbauer in Kulmbach. Er wurde zu einem der bedeutendsten Orgelbauer des 17.Jahrhunderts in Franken; er erbaute über 60 Orgeln im gesamten Maingebiet und wirkte schulebildend durch zahlreiche Gesellen, die aus seiner Werkstatt hervorgingen. Von all seinen großen Orgeln, beispielsweise in den Stadtkirchen zu Bayreuth, Kronach, Schweinfurt oder etwa auch im Münster zu Straßburg, wo Tretzscher 1660 eine Haupt- und eine Chororgel erbaute, ist so gut wie nichts erhalten. Als Tretzscher 1686 starb, ging seine Werkstatt an seinen Gesellen Daniel Felix Streit über. Auch dieser stammte von Böhmischen „Exulanten“ ab und wurde 1653 in Eibenstock im Westerzgebirge geboren. Er erlernte das Orgelbauhandwerk vermutlich bei einem erzgebirgischen Orgelbauer und kam auf seiner Wanderschaft über Weiden nach Kulmbach zu Tretzscher. Nachdem er sich zehn Jahre „bewähret“ hatte, erwarb er 1696 die Werkstatt von Tretzschers Erben. Von Daniel Felix Streit sind etwa 40 Orgelneubauten nachgewiesen, meist kleinere, einmanualige Instrumente, so etwa für Kirchen in Neustadt an der Aisch, Eisfeld, Berneck, Hammelburg und Bayreuth. Streit steht stilistisch in der Nachfolge seines Meisters Tretzscher, seine Orgeln sind konservativ und noch ganz dem Erbe des 17.Jahrhunderts verpflichtet. Bis zu seinem Tod im Jahre 1730 erbaute er etwa 40 neue Instrumente, von denen jedoch nur zwei die Zeiten bis heute überdauert haben. Diese beiden sind die 1723 erbaute Orgel in der Klaussteinkapelle bei Kirchahorn und die 1712 vollendete Orgel in Irmelshausen im Grabfeld, die 180 Taler kostete. In der Prospektgestaltung steht Streit in der Tradition seines Lehrmeisters Tretzscher. Was man sonst in Unterfranken nicht zu sehen bekommt, sind die kerbförmig ausgesägten Bretter an den Pfeifenfüßen; ihre Konturen bilden Gegenbewegungen zu den Schleierbrettern. Das Instrument ist in wesentlichen Teilen sehr gut erhalten.
Die Orgel in Irmelshausen wurde 1868 durch Kaspar Schlimbach aus Königshofen um ein selbständiges Pedal erweitert, nachdem sie – wie das Schwesterinstrument in Kirchahorn – zuvor wohl nur ein angehängtes Pedal hatte. Schlimbach baute hier übrigens keine Schleiflade, sondern eine Ventillade mit doppelten Spielventilen und geteilten Windkästen. Diese Eigenart findet sich in unterfränkischen Orgeln immer wieder bis weit ins 19. Jahrhundert hinein und war wohl verbreiteter, als man lange angenommen hat. Im Jahre 2006 wurde das Instrument zuletzt von der Rhöner Orgelbaufirma Hey aus Urspringen stilgerecht restauriert. Das Manual besitzt einen Umfang bis zum c3 ohne das Cis und folgende acht Register: Gedackt, Flöte und Harmonika 8', Principal und Kleingedackt 4', Quinte 2 2/3', Octave 2' und eine 3fache Mixtur. Bis auf den Prospektprincipal, die später eingebaute Harmonika und einem Großteil der rekonstruierten Mixtur ist das Pfeifenwerk alt und geht auf Daniel Felix Streits Orgelbau von 1712 zurück. Das, wie erwähnt, 1868 von Kaspar Schlimbach hinter der Orgel angebaute Pedal besitzt Subbaß 16' und Oktavbaß 8' sowie einen Tonumfang bis zum c1. Die ritterschaftliche Patronatskirche in Irmelshausen bewahrt in ihren stolzen Mauern mit ihrer Streit-Orgel ein wichtiges und seltenes Zeugnis für die Entwicklung des Orgelbaues im fränkisch-thüringischen Grenzgebiet an der Wende zum 18. Jahrhundert. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=18q28lkxwdg&t=11s

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, C-c1  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Flöte 8' Octavbaß 8'  
Harmonika 8'    
Principal 4'    
Kleingedackt 4'    
Quinte 2 2/3'    
Octave 2'    
Mixtur 3f.    

In Irmelshausen gespielte Stücke:
Anonymus: Canzon primi toni I >>> https://www.youtube.com/watch?v=YEVVD-1o-OI
Anonymus: Canzon primi toni II >>> https://www.youtube.com/watch?v=Yv6sZTCef98
Samuel Mareschall: J'ay mis en toy mon esperance >>> https://www.youtube.com/watch?v=fftbQKp2SDk&t=44s
Matthias Georg Monn: Praeludium und Versetten septimi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=FEQxFlmmQ-U
Franz Xaver Anton Murschhauser: Laßt uns das Kindelein wiegen (Variationen) >>> https://www.youtube.com/watch?v=cSwGm1xGS1E
Octavian Panzau: Fuga septimi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=aFxPHMPMCKk
Johann Caspar Simon: Fughetta 4 ex d >>> https://www.youtube.com/watch?v=IGVaCfUs334
Johann Caspar Simon: Fughetta 5 ex D >>> https://www.youtube.com/watch?v=0vBjtRgSljY
Johann Caspar Simon: Fughetta 6 ex e >>> https://www.youtube.com/watch?v=B20xDYwCXA4
Nicolaus Vetter: Fuga in C I >>> https://www.youtube.com/watch?v=sYKd6QPZ78o&t=7s
Nicolaus Vetter: Fuga in C III >>> https://www.youtube.com/watch?v=CrTX5QMpKvE
Justinus Will: Aria decima terza >>> https://www.youtube.com/watch?v=Jm-5vo9Z2CA&t=2s



KÖNIGSBERG
 I. BAY. (Landkreis Haßberge)
Ev. Friedhofskirche St. Burkard



Erbauer: Johann Rudolf Voit (Schweinfurt)
 1750-1751, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Königsberg in Bayern ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Haßberge, gelegen zwischen den Städten Coburg und Schweinfurt am Westrand der Haßberge. Königsberg entstand infolge eines Burgenbaus auf dem „Weinberg des Königs“ um 1180 wohl auf dem Boden einer altfränkischen Königsdomäne. Im Jahr 1234 wurde Königsberg erstmals erwähnt, 1358 erhielt der Ort die vollen Stadtrechte. Königsberg wurde im Verlauf ihrer Geschichte beinahe sechzigmal als Pfand oder Erbe in andere Hände gegeben. So gehörte die Stadt seit 1400 zu den Wettinischen Herzogtümern. Später wechselte der Besitz unter anderem über Sachsen-Weimar bis 1640, Sachsen-Gotha und Sachsen-Römhild zu Sachsen-Hildburghausen ab 1683. Mit der Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer 1826 bis zum Ende der Monarchie 1918 gehörte der Ort zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha und bildete somit für viele Jahrzehnte eine sächsische Exklave innerhalb des Königreichs Bayern. Damals hieß der Ort amtlich übrigens „Königsberg in Franken“, er wurde erst 1920 offiziell in „Königsberg in Bayern“ umbenannt. Bereits 1523 wurde in Königsberg nach Luthers Lehre gepredigt, die spätgotische Marienkirche ist eine der ansehnlichsten Hallenkirchen Frankens. Etwas außerhalb des malerischen Altstadt-Ensembles, vor dem Unfinder Tor, liegt der Friedhof mit der spätgotischen Friedhofskapelle St. Burkard. Mit ihrem Bau wurde 1428 begonnen, ihre Baumeister waren Hermann Lauring und Johannes Müller, der Vater des berühmten Gelehrten Regiomontanus, dessen Name Regiomontanus ja nichts anderes als „der Königsberger“ bedeutet. 1617 bis 1619 wurde die Kirche weitgehend erneuert, aus dieser Zeit stammt die bemerkenswerte Renaissancekanzel. In den Jahren 1750 bis 1751 erbaute Johann Rudolf Voit aus Schweinfurt die Orgel der Kirche.
Der Orgelbauer Johann Rudolf Voit wurde 1695 geboren. Er erlernte zunächst den Schreinerberuf bei seinem Vater; wie er später zum Orgelbau kam, ist noch unbekannt. Ab 1728 ist er mit eigenständigen Orgelarbeiten nachweisbar. Er war, wie wir den Akten entnehmen, insgesamt fünfmal verheiratet und galt als kunsterfahrender Orgelbauer. Etwa 25 Neubauten von seiner Hand sind belegt, doch nur wenige haben mehr oder weniger verändert die Zeiten bis heute überstanden. Als evangelischer Bürger der freien Reichsstadt Schweinfurt belieferte er vorwiegend die reichsritterschaftlichen Patronatskirchen im östlichen Unterfranken bis Südthüringen. In Burgpreppach bei Hofheim in Unterfranken steht eine fast zeitgleich mit dem Königsberger Instrument 1751 errichtete, allerdings später um ein zweites Manual erweiterte Orgel des Meisters. Und in der um 1730 Orgel des Dorfes Mailes bei Stadtlauringen ist ein Großteil des originalen Pfeifenwerks erhalten. Der 1744 geborene Sohn Johann Michael Voit übernahm nach dem Tod des Vaters 1768 die Werkstatt und erbaute in seinem bis 1819 währenden Leben ebenfalls etwa 25 Neubauten, so etwa die große Orgel in Helmershausen in der Thüringischen Rhön, die in einem anderen Orgelportrait näher vorgestellt wird. Auch die Orgel des Vaters Johann Rudolf Voit in der Königsberger Friedhofskapelle ist nicht unverändert geblieben. 1956 wurde sie nach damaligen, von der Orgelbewegung beeinflußten Maßstäben durch die Lübecker Orgelbaufirma Emanuel Kemper restauriert, wobei leider gut die Hälfte des Pfeifenwerks „erneuert“ wurde. Original erhalten blieb aber Gott sei Dank unter anderem der sehr sensibel ansprechende und bemerkenswert ausdrucksvoll singende Principal 4' im Prospekt.
Seit ihrer Erneuerung 1956 war die Königsberger Voit-Orgel Hauptanziehungspunkt bei den von Wilhelm Krumbach ins Leben gerufenen alljährlichen „Fränkischen Orgeltagen“. Einer Vielzahl von Orgelfreuden, vor allem im süddeutschen Raum, dürfte sie von daher gut bekannt sein. Seit dem Ende der Fränkischen Orgeltage nach Krumbachs schwerer Erkrankung 1999, ist sie allerdings – zumindest öffentlich - weitgehend verstummt. Ihr Zustand ist mittlerweile auch nicht mehr der beste, doch wird mit der Restaurierung in den nächsten Jahren wohl nicht zu rechnen sein, denn die Kirchengemeinde Königsberg hat gerade für rund 400.000 Euro eine neue Mühleisen-Orgel für die Stadtkirche bestellt. Die für die fränkische Orgellandschaft auch in ihrer jetzigen Verfassung ganz wichtige Voit-Orgel in Königsberg besitzt insgesamt neun klingende Stimmen. Im Manual, das unter Verzicht auf das Cis bis zum c3 ausgebaut ist, sind die Register Gedackt 8', der im Prospekt stehende und darum als Praestant bezeichnete Principal 4' und die Holzflöte 4' von Johann Rudolf Voit original erhalten. Von Kemper erneuert wurden die in Baß und Diskant geteilte Gamba 8' sowie Quinte 2 2/3', Oktave 2' und die als Mixtur bezeichnete 1'-Pfeifenreihe, dazu kommt ein Tremulant. Das bis zum c1 geführte Pedal besitzt einen Subbaß 16' und ist mittels einer Ventilkoppel fest mit dem Manual verbunden. Das in die Emporenbrüstung eingebaute, hinterspielige Instruments bietet unter der überaus reich mit Blumen- und Rankenwerk bemalten Holzdecke der Kirche einen wunderbar feinen Anblick. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=zycFVLRWJSU&t=901s

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, CD-c1  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Gamba 8' (B/D)   Tremulant
Praestant 4'    
Holzflöte 4'    
Quinte 2 2/3'    
Octave 2'    
Mixtur 1f.    

In Königsberg i. Bay. gespielte Stücke:
Christian Erbach: Ricercar quarti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=RKpOvnASNNQ
Johann Kaspar Ferdinand Fischer: Praeambulum und Versetten secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=FmvBqftwHvk
Marianus Königsperger: Aria pastorella octavi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=uN8hHLgN9ns
Marianus Königsperger: Praeambulum und Fuge quinti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=mnMH-v7jIo0
Georg Caspar Wecker: Fuga in d >>> https://www.youtube.com/watch?v=Aqe9K0P9zRc&t=10s
Justinus Will: Aria prima >>> https://www.youtube.com/watch?v=yAkq-YEAnNY&t=4s
Justinus Will: Aria secunda >>> https://www.youtube.com/watch?v=B7ZzxFLXf7g&t=12s



KOTHEN (Gemeinde Motten, Landkreis Bad Kissingen)
Kath. Pfarrkirche St. Matthäus



Unbekannter Erbauer 1753, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Kothen ist eine Ortschaft in Unterfranken, die zur Gemeinde Motten im Landkreis Bad Kissingen gehört. Der Ort, in dem heute rund 600 Menschen leben, liegt in der fränkischen Rhön, kurz vor der bayerisch-hessischen Grenze. In das breite Flusstal der „Kleinen Sinn“ eingebettet, südlich der Rhein-Weser-Wasserscheide, erstreckt sich die Siedlung im Schatten des Basaltfelsens Pilster. Dem kohlensäurehaltigen Mineralwasser der Pilsterquelle an dessen Fuß, im Volksmund auch Sauerbrönn genannt, wird eine wissenschaftlich unbestätigte heilende Wirkung nachgesagt. Erstmals erwähnt wurde Kothen im Jahre 1127, als der Benediktiner Gerlach von Thulba seine Ländereien in Kothen der Abtei Fulda schenkte. Ursprünglich bildete es mit dem Quackhof und dem Maria Ehrenberg sowie den Weilern Dörrenberg, Eisenhammer und Schmelzhof eine selbstständige Gemeinde. 1978 wurde Kothen in die Gemeinde Motten eingegliedert. Die römisch-katholische Kirche St. Matthäus gehört heute zur Pfarreiengemeinschaft St. Georg - Maria Ehrenberg. Im Mittelalter muss schon eine Kirche in Kothen bestanden haben, da der heute noch bestehende Kirchturm zu dieser Zeit entstand. Das Langhaus wurde im Jahr 1753 erbaut. Der Anbau des Querhauses erfolgte 1973. Der barock ausgestattete Innenraum der Kirche birgt unter anderem zwei Altarblätter aus der nahegegelegenen Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg, die auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes Wildflecken liegt und darum nur an Sonntagen im Sommer oder mit einer Ausnahmegenehmigung besucht werden kann. Bei Bau des Langhauses 1753 erhielt die Kothener Kirche auch eine neue Orgel.
Die Orgel in Kothen wurde, das ist aus den Archiven bekannt, im Jahre 1753 eingebaut. Allerdings wissen wir bis heute nicht, durch wen – der Orgelbauer ist also nicht bekannt. Schauen wir uns darum mal ein wenig um in dieser unterfränkischen Region, die größtenteils zu Würzburg gehörte. Ein schmaler Streifen von Motten über Kothen, Bad Brückenau bis nach Hammelburg jedoch gehörte zum damaligen Fürstbistum Fulda und somit könnte der unbekannte Orgelbauer auch von dort gekommen sein oder zumindest Bezüge nach Fulda haben. In Brückenau arbeitete in jener Zeit der Orgelmacher Johann Georg Schröter, von ihm sind aber bis jetzt nur Reparaturen aktenkundig geworden, keine Neubauten. Der bedeutendste Orgelbauer Unterfrankens in jener Zeit war zweifelsohne Johann Philipp Seuffert, der Würzburger Hoforgelmacher. doch wie eine Seuffert-Orgel sieht das Instrument in Kothen keineswegs aus und sie klingt auch nicht so. Auch der Würzburger domkapitelsche Orgelmacher Johann Georg Otto baute teilweise bis ins nördliche Unterfranken, ebenso der Schweinfurter Johann Rudolf Voit. Im Hochstift Fulda wirkte zu jener Zeit in Blankenau die Orgelbauerfamilie Bien, über dessen letzten Vertreter Franz Carl Bien, der 1744 eine teilweise erhaltene Orgel in seinem Heimatort errichtet, wissen wir hingegen so gut wie nichts und über weitere Arbeiten aus seiner Werkstatt ist nichts bekannt geworden. Genannt werden muss schließlich noch Bartholomäus Brünner, ebenfalls aus Würzburg. Er wurde 1684 in Bieringen an der Jagst im Hohenlohischen geboren. Über seinen Lebensweg ist wenig bekannt. Brünner erwarb 1727 das Bürgerrecht und damit die Gewerbeerlaubnis in Würzburg. Da Brünner weder das Dom- noch das Hoforgelmacher-Privileg besaß – diese Ämter hatten zu seiner Zeit Johann Georg Otto und Johann Philipp Seuffert inne – hatte er es offenbar nicht leicht, seine Werkstatt gegen die prominente Konkurrenz aufrechtzuerhalten. Dies gelang ihm nur dadurch, dass er weite Wege in Kauf nahm, seinen Wirkungskreis auf entlegenere Gebiete ausdehnte und sozusagen Nischen am Rande aufsuchte. So finden wir ihn im Südwesten Mainfrankens, in seiner Heimat Schöntal an der Jagst um im Raum Bruchsal, aber auch in Rüdesheim am Rhein und mehrfach im Gebiet der Fürstabtei Fulda. So baute er 1734 eine Orgel in der Universitätskirche zu Fulda, 1747 in Schleid in der thürigischen Rhön und warum sollte er nicht auch in Kothen gebaut haben? Die Dispositionen der Orgeln in Fulda und Kothen weisen jedenfalls durchaus Ähnlichkeiten auf.
Die Orgel in Kothen wurde 1753 erbaut. Im späten 19. Jahrhundert wurde sie klanglich leicht verändert, in dem man zwei 8'-Register einbaute. Bei der Restaurierung 1979 durch die Fa. Orgelbau Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön wurden diese Veränderungen wieder rückgängig gemacht und die ursprüngliche Disposition wiederhergestellt. Lediglich im Pedal wurde ein Register angefügt. Das Manual, das vom C ohne Cis bis zum c3 reicht, besitzt Gedackt, Salicional und Gamba 8', Principal, Kleingedackt und Spitzflöte 4', eine Quinte 2 2/3', eine Oktave 2' und eine 3fache Mixtur. Die Register Gedackt, Gamba und Spitzflöte weisen Richtung Mainfranken. Interessant ist nun ein Dispositionsvergleich mit der Brünner-Orgel in der Fuldaer Universitätskirche. Dort finden wir im Hauptwerk genau diese Stimmen Gedackt, Gamba und Spitzflöte und auch ansonsten finden sich ausnahmslos alle Fuldaer Hauptwerksstimmen der Brünner-Orgel auch in Kothen wieder. Die Register Salicional und Kleingedackt, die in Kothen auf dem einzigen Manual stehen, stehen in Fulda im Positiv. Doch wurde dieses Positiv in Fulda erst 1829 anläßlich eines Umbaues eingerichtet. Denkbar ist aber, dass der Orgelbauer Adam Joseph Oestreich 1829 Teile des Pfeifenwerks der ursprünglich einmanualigen Brünner-Orgel in seinem neuen Positiv weiterverwendet hat. Doch spekulieren wir nicht weiter, zu erwähnen ist noch das Pedal, dessen Windlade erneuert und nun bis zum d1 ausgebaut ist. Ursprünglich war es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein fränkisches Kurzpedal bis g° oder a°, übrigens wie an den erhaltenen Brünner-Orgeln in Fulda und Schleid, das nur am Rande. Hier finden wir die Register Subbaß 16', Oktavbaß 8' sowie die 1979 angefügte Holzoktav 4', dazu kommt noch eine Pedalkoppel. Wer auch immer die Kothener Orgel erbaut hat, er hat damit der kleinen Rhöngemeinde ein klanglich sehr charmantes Werk geliefert.

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=R-mmLdYlfIs

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, C-d1  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Salicional 8' Octavbaß 8'  
Gamba 8' Holzoctav 4'  
Principal 4'    
Kleingedackt 4'    
Spitzflöte 4'    
Quinte 2 2/3'    
Octave 2'    
Mixtur 3f.    

In Kothen gespielte Stücke:
Johann Pachelbel: Ach Gott, vom Himmel sieh darein >>> https://www.youtube.com/watch?v=NvFSQg6PksY
Johann Pachelbel: Da Jesus an dem Kreuze stund >>> https://www.youtube.com/watch?v=x0RbnACeOZc&t=11s
Johann Pachelbel: Der Herr ist mein getreuer Hirt >>> https://www.youtube.com/watch?v=sCzdJibp26o
Johann Pachelbel: Wo Gott der Herr nicht bei uns hält >>> https://www.youtube.com/watch?v=soZk__frOmY&t=2s
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 1 in F >>> https://www.youtube.com/watch?v=h1ED0vlUSSA&t=3s
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 2 in F >>> https://www.youtube.com/watch?v=bzFFwakTEy8
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 3 in F >>> https://www.youtube.com/watch?v=ZEM6jCA04d0
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 4 in F >>> https://www.youtube.com/watch?v=qi0E6mwRSbI
Johann Valentin Rathgeber: Aria Nr. 5 in F >>> https://www.youtube.com/watch?v=Y-tIA3fEbCs&t=4s
Friedrich Wilhelm Zachow: Praeludium und Fuge in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=-oIcfybadGc



LEUZENDORF (Markt Burgpreppach, Landkreis Haßberge)
Kath. Filialkirche St. Michael



Erbauer:
 Michael Joseph Franz (Würzburg) 1768, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Leuzendorf, amtlich „Leuzendorf i. UFr.“, ist ein Ortsteil der Gemeinde Burgpreppach im unterfränkischen Landkreis Haßberge. Erstmals urkundlich genannt wird der Ort im Jahre 1233. 1385 wird im Ort erstmals ein Schloß erwähnt, das ehedem von einem Wassergraben umgeben war und Anfang des 21. Jahrhunderts in vorbildlicher Weise saniert wurde. Seit 1592 hatten die Herren von Erthal ihren Sitz in dem Schloß und unter ihnen war Leuzendorf für ein gutes Jahrhundert evangelisch. Erst 1688 kehrten die von Erthal zu Leuzendorf, wie die hier ansässige Linie offiziell hieß, zum katholischen Glauben zurück. Der Ort lag im Gebiet des Ritterkantons Baunach im alten Hochstift Würzburg und wurde 1972 im Rahmen der Gemeinde-Gebietsreform ein Ortsteil von Burgpreppach. Die Kirche St. Michael, eines der „schönsten Gotteshäuser im Haßgau“, wie ein in der Kirche ausliegender Kirchenführer zu berichten weiß, wurde 1735 geweiht und besitzt eine überwältigend schöne und einheitliche Ausstattung im Stil des frühen Rokoko. Ihr Meister ist Johann Thomas Wagner aus Obertheres, dessen Sohn Johann Peter Wagner als Würzburger Hofbildhauer in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts zu höchsten Ehren kam. Die 1768 von Michael Joseph Franz erbaute Orgel paßt sich wunderbar in dieses Idealbild einer fränkischen Dorfkirche ein.  
In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatten es Orgelbauer, die im Hochstift Würzburg Fuß fassen wollten, schwer. Denn die wichtigsten Ämter in der Residenzstadt waren in der Hand zweier bedeutender Familien, die den Orgelbau in Unterfranken in jener Zeit nachhaltig prägten. Als Domorgelmacher wirkten dort zwischen 1730 und 1802 Johann Georg Otto und dessen Sohn Adam Adolph Otto und das Amt des Hoforgelmachers hatte ab 1731 der große Johann Philipp Seuffert inne, dessen Sohn und Enkel bis 1834 das orgelbauliche Leben in Stadt und Bistum bestimmten. Andere Meister, die sich zeitweise in Würzburg ansiedelten, hatten es schwer und konnten sich trotz handwerklicher Qualität und klanglicher Güte ihrer Werke nur schwer gegen die übermächtige Konkurrenz behaupten. Wohl oder übel mußten sie, um bestehen zu können, entweder weite Wege in Kauf nehmen wie es Bartholomäus Brünner tat, oder sich an den Rändern des Hochstifts Nischen suchen, wo sie sich auf eng begrenztem Gebiet regional zu betätigen hatten. Diesen letztgenannten Weg wählte etwa Johann Conrad Wehr, der aus Heidingsfeld bei Würzburg stammte und sich nach seiner Lehre bei Bartholomäus Brünner 1740 in Marktheidenfeld im heutigen Landkreis Main-Spessart niederließ und in der Folgezeit fast ausschließlich im Maindreieck zwischen Wertheim, Miltenberg und Aschaffenburg wirkte. Einer von Wehrs Schülern und Gesellen war der ebenfalls aus Heidingsfeld stammende Michael Joseph Franz, der in einer der wenigen Quellen auch „Franck“ genannt wird. Wann er geboren wurde und wann er starb, wissen wir nicht. Jedenfalls wagte er 1753 den Sprung in die Residenzstadt und erwarb Würzburger Bürgerrecht. Von da an bis 1781 ist er vereinzelt mit Wartungs- und Reparaturarbeiten nachweisbar, doch nur zwei Orgelneubauten sind bis jetzt aus seiner Werkstatt bekannt geworden. Das erste Instrument kam 1766 in den Weinort Falkenstein, heute ein Ortsteil der Gemeinde Donnersdorf im Landkreis Schweinfurt und zwei Jahre später, 1768, lieferte er die Orgel nach Leuzendorf. Beides waren einmanualige Werke mit 9 bzw. 11 Stimmen, die mehr oder weniger verändert die Zeiten bis heute überstanden haben. Der reich geschnitzte, fünfteilige Prospekt unterscheidet sich in nichts von den Seuffert-Orgeln jener Zeit und auch klanglich orientierte sich Michael Joseph Franz am „Würzburger Standard“ jener Zeit. Einem Standard auf sehr hohem Niveau freilich, dessen klangliche Qualitäten weit über die fränkischen Lande hinaus ausstrahlten. 
Die Orgel in Leuzendorf wurde 1958 durch die Firma Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön renoviert, doch hat man damals noch nicht die denkmalpflegerischen Maßstäbe angesetzt – vielleicht auch gar nicht ansetzen können – wie wir das heute gewohnt sind. Und so mußte sich das Instrument auch einige Umdisponierungen im Sinne des damals modernen Neobarock gefallen lassen, so dass die Orgel heute, vor allem im Plenum, deutlich schriller klingt, als sie ihr Erbauer Michael Joseph Franz vor rund 250 Jahren konzipiert hatte. Seither blieb es bei Stimmungen und gelegentlichen Instandsetzungen des elf Register umfassenden Werks. Das bis zum d3 ausgebaute Manual besitzt heute die Stimmen Gedackt, Rohrflöte und Salicional 8', Principal und Kleingedackt 4', Quinte 2 2/3', sodann die der unterfränkischen Orgelwelt fremden Stimmen Blockflöte 2' und Sifflöte 1' sowie eine 2fache Cymbel. Auch die Rohrflöte, die heute in Leuzendorf anstelle der alten Viola di Gamba steht, haben Seuffert und alle seine Zeitgenossen im Würzburger Umland nie gebaut. Das Pedal mit einem Umfang bis zum d1 besitzt Subbaß 16' und Octavbaß 8', es ist fest ans Manual gekoppelt. 

Link zum klingenden Orgelportrait: 

Disposition:

Manual, C-d1 Pedal, C-d1  
Gedackt 8'

Subbaß 16'

Pedalkoppel (fest)
Rohrflöte 8' Octavbaß 8'  
Salicional 8'    
Principal 4'    
Kleingedackt 4'    
Quinte 2 2/3'    
Blockflöte 2'    
Sifflöte 1'    
Cymbel 2f.    

In Leuzendorf gespielte Stücke:
Franz Bühler: Vorspiel, Versetten und Allegro C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=2XL6x_YJsGc&t=22s
Johann Kaspar Kerll: Magnificat tertii toni >>>
Wolfgang Amadeus Mozart: Praeludium I in C >>>
Wolfgang Amadeus Mozart: Praeludium II in F >>>
Wolfgang Amadeus Mozart: Praeludium III in d >>>
Franz Xaver Anton Murschhauser: Aria septima >>>
Gregor Schreyer: Pastorella in D >>>
Gregor Schreyer: Pastorella in G >>>
Georg Christoph Wagenseil: Praeambulum secundi toni >>>
Johann Baptist Wanhal: Fuga F-Dur >>>



MACHTILSHAUSEN (Markt Elfershausen, Landkreis Bad Kissingen)
Kath. Kreuzkapelle




Erbauer: Gebrüder Link (Giengen a. d. Brenz) um 1890, Kegelladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Machtilshausen ist ein Ortsteil des Marktes Elfershausen im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Der Ort liegt an der Straße zwischen Bad Kissingen und Hammelburg und direkt an der Anschlußstelle Hammelburg der Bundesautobahn A7. Die erste Erwähnung von Machtilshausen stammt aus dem Jahr 788 im Rahmen einer Schenkung durch den Adeligen Matto, der sein an der Fränkischen Saale befindliches Kloster der Abtei Fulda überließ. In Sichtweite der Trimburg - der alten würzburgischen Trutzburg gegen das Fuldische – gelegen, gehörte Machtilshausen seit dem ausgehenden Mittelalter zum Gebiet des Hochstifts Würzburg und kam nach der Säkularisation zum Königreich Bayern. 1971 wurde der Ort im Rahmen der bayerischen Gebietsreform ein Ortsteil des Marktes Elfershausen. Die Pfarrkirche St. Jakobus besitzt einen spätgotischen Turm, an den in den 1920er Jahren ein neues Langhaus angebaut wurde. Doch sind wir heute in der kleinen Heilig-Kreuz-Kapelle am Ortsausgang gen Hammelburg zu Gast, die der Überlieferung am Ort einer altgermanischen Opferstätte errichtet wurde. 1578 wurde eine kleine Holzkapelle erbaut, an deren Stelle von 1730 bis 1733 das heutige Gotteshaus entstand. Der dreiachsige Bau mit eingezogenem Chor und Dachreiter ist im Inneren reich stuckiert und besitzt eine einheitliche Ausstattung aus der Barockzeit. Jünger ist lediglich die Orgel, deren Gehäuse mit seiner eigentümlichen Mischung aus Spätklassizimus und Neoromanik vermutlich zwischen 1850 und 1870 von dem Orgelbauer Heinrich Menger aus dem nahen Euerdorf geschaffen worden sein dürfte.  
Gründer der Orgelbaufirma Gebrüder Link waren die 1821 geborenen Zwillinge Johann und Paul Link. Sie stammten aus Aldingen im heutigen Landkreis Tuttlingen und erlernten das Handwerk des Orgelbaus zunächst bei Anton Braun im benachbarten Spaichingen. Ab 1841 arbeiteten sie bei Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg und kamen so mit den damals modernsten Neuerungen des Orgelbaus unmittelbar in Berührung. 1851 machten sie sich in der ehemals freien Reichsstadt Giengen an der Brenz im heutigen Landkreis Heidenheim selbstständig. Anfangs erbauten sie zahlreiche kleinere Orgeln, die von Anfang an mit Kegelladen ausgestattet waren. Bereits im ersten Jahrzehnt entstanden so 25 Orgelneubauten, im zweiten 30, die nicht nur in die umliegenden Gebiete der Ulmer und Heidenheimer Alb, nach Hohenlohe und Oberschwaben kamen, sondern auch in die Schweiz und nach Österreich. 1871 verstarb Johann Link und sein Bruder Paul war fortan allein verantwortlich. 1886 übergab er das Unternehmen an seinen 1855 geborenen Sohn Eugen Link, der sich außer im väterlichen Unternehmen bei Friedrich Ladegast in Weißenfels, bei Conrad Geißler in Eilenburg, bei Georg Stahlhuth in Aachen und sogar in Großbritannien mit den besten und neuesten Entwicklungen des europäischen Orgelbausvertraut gemacht hatte. Zusammen mit seinem 1854 geborenen Vetter Christian Link führte Eugen die Firma in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg zu ihrer größten Blüte. Zahlreiche Orgeln gingen auch nach Indien und in die andere überseeische Missionsgebiete. 1891 vollendeten die Gebrüder Link eine Orgel mit 40 Registern auf drei Manualen im südfranzösischen Mirepoix, die bis heute unverändert erhalten ist. Etwa zeitgleich – das genaue Jahr wissen wir nicht – dürfte die Orgel in der Kreuzkapelle zu Machtilshausen entstanden sein, die ebenso wie die Kathedralorgel in Mirepoix noch mit mechanischen Kegelladen ausgestattet ist. Einige Jahre später folgten weitere Orgelbauten in den Nachbarorten Elfershausen, Westheim, Pfaffenhausen und in der Pfarrkirche zu Machtilshausen. Alle diese späteren Instrumente besitzen eine pneumatische Traktur, zu der die Gebrüder Link Mitte der 1890er Jahre übergegangen waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Orgelbau der Firma Link unter dem 1904 geborenen Werner Link durch die Zusammenarbeit mit dem Organologen Helmut Bornefeld neue Impulse. Seit 2003 firmiert das Unternehmen unter dem Namen „Giengener Orgelmanufaktur Gebrüder Link GmbH“ und kann seit der Gründung auf die stolze Anzahl von rund 1100 neuen Orgeln zurückblicken.  
Die Link-Orgel in der stimmungsvollen Kreuzkapelle besitzt acht Register. Im Hauptwerk mit einem Umfang bis zum f3 besitzt Principal und Großgedeckt 8' sowie die Octaven 4' und 2'. Im Oberwerk stehen Principalflöte und Salicional 8' sowie eine Flöt d’amour 4' und im Pedal ein Subbaß 16', dazu kommen eine Manual- und eine Pedalkoppel. 2018 wurde das Instrument durch die Firma Hey aus Urspringen in der Rhön denkmalgerecht und behutsam restauriert. Solche kleinen Orgeln aus der Prinzregentenzeit werden bis heute oftmals verkannt oder, wie ein aktuelles Beispiel aus dem Jahr 2021 in einem Ort nur rund 20 Kilometer nordöstlich von Machtilshausen zeigt, stillgelegt und durch eine Digitalorgel ersetzt, für die man sogar ein aufwändiges Crowdfunding initiiert. In Machtilshausen kann man seit der Restaurierung geeignete Stücke in noch nie gehörter Schönheit und Klarheit neu erleben. Und genau darauf, auf die Auswahl der geeigneten Literatur, kommt es an. Denn jede Orgel ist immer nur für einen ganz bestimmten Sektor des Repertoires geschaffen, der bei größeren Instrumenten weiter, bei kleineren enger gespannt, aber deshalb doch nicht beschränkt ist. Und gerade aus der Zeit der deutschen Orgelromantik gibt es noch unglaublich viel zu entdecken. 

Link zum klingenden Orgelportrait: 

Disposition:

Hauptwerk, C-f3 Oberwerk, C-f3 Pedal, C-d1  
Principal 8' Principalflöte 8' Subbaß 16' Manualcopplung
Großgedeckt 8' Salicional 8'   Pedalcopplung
Octav 4' Flöt d'amour 4'    
Octav 2'      

In Machtilshausen gespielte Stücke:
Woldemar von Bock: Wie schön leuchtet der Morgenstern >>> https://www.youtube.com/watch?v=Ly9L_nxmsBk
Carl Bratfisch: Andante und Fuge C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=-YQ6EEWjURQ
Carl Bratfisch: Andante und Fuge e-phrygisch >>> https://www.youtube.com/watch?v=i0TjhQllt1s
Carl Theodor Hahn: Andante g-moll >>>
Carl Theodor Hahn: Nachspiel d-moll >>>
Joseph Hanisch: Magnificat initium secundi et octavi toni >>>
Friedrich Kühmstedt: Praeludium Nr. 24 F-Dur >>>
Friedrich Kühmstedt: Praeludium Nr. 25 C-Dur >>>
Louis Lewandowski: Zum Achtzehn-Gebet >>>
Heinrich Wettstein: Es ist ein Ros entsprungen >>>
Heinrich Wettstein: Stille Nacht, heilige Nacht >>>
Johannes Zahn: Ach Gott, erhör mein Seufzen >>>
Johannes Zahn: Ach Gott, vom Himmel sieh darein >>>
Johannes Zahn: Ach Jesu, dessen Treu >>>
Johannes Zahn: Christum wir sollen loben schon



MELLRICHSTADT (Landkreis Rhön-Grabfeld)
Kath. Spitalkirche St. Sebastian



Unbekannter Erbauer um 1680
, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Mellrichstadt liegt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld auf einem langgezogenen Höhenzug an der Streu, einem Zufluß der Fränkischen Saale. Der karolingische Königshof Madalrichesstat war Mittelpunkt des Westergaues innerhalb des Grabfels. Bereits im 13. Jahrhundert war Mellrichstadt im Besitz des Hochstiftes Würzburg und blieb es – obschon mehrmals verpfändet und wieder eingelöst – durch die Jahrhunderte. 1233 zur Stadt erhoben, war Mellrichstadt Sitz eines Oberamtes des Hochstifts Würzburg. Die weitgehend erhaltene spätmittelalterliche Stadtmauer und das gut erhaltene Ensemble der Altstadt ist unbedingt eine Reise wert. Mittelpunkt ist die Stadtpfarrkirche St. Kilian, die – was uns Orgelfreude natürlich vorrangig interessiert – eine 42registrige Hey-Orgel aus dem Jahre 2004 besitzt. 1356 wurde in Mellrichstadt ein Siechen- oder Leprosenhaus gestiftet, zu dem auch eine Kapelle gehörte, die dem Pestheiligen Sebastian geweiht war. Die Kapelle ist allgemein als Spitalkirche bekannt, weil sie direkt an das frühere Spital angrenzt, in welchem sich jetzt die Kreisgalerie befindet. An dieser Stelle stand bis 1836 der sogenannte „Wechterswinkler Hof“, der ab 1688 als Spital genutzt wurde. Dieses wurde 1664 ins Leben gerufen, um „Pfründer“, so nannte man notleidende und pflegebedürftige Einwohner Mellrichstadts zu versorgen. Der Wechterswinkler Hof wurde 1836 abgerissen. An seiner Stelle wurde ab 1838 das jetzige Gebäude errichtet und bis 1968 als Spital und Altersheim genutzt. Der barocke Altar stammt aus der Pfarrkirche und auf der Empore steht – klein, aber für den akustisch sehr schönen Raum völlig angemessen – ein Orgelpositiv. Die Geschichte dieses Instruments ist nicht gänzlich geklärt und in der Überlieferung teilweise widersprüchlich.  
„Die wohl älteste Orgel im Landkreis Rhön-Grabfeld, wenn nicht gar ganz Frankens, steht in der Spitalkirche in Mellrichstadt.“ So lesen wir es in der Mainpost vom 30. Dezember 2009 und weiter: „Bei dem Mellrichstädter Orgelpositiv handelt es sich um das einzige historische Positiv der Orgellandschaft in Rhön und Grabfeld, das eventuell vor 1619 gebaut wurde.“ In der Rhön- und Saalepost vom 16. August 2017 wird daraus: „Eines der wertvollsten Stücke ist die kleine Orgel auf der Empore. Sie stammt aus dem Jahr 1619 und ist damit die älteste Orgel in ganz Franken.“ So wird aus einer vorsichtigen Vermutung eine Tatsache gemacht. Doch zunächst zu den gesicherten Fakten. Bis 1956 stand die Orgel in der Kapelle St. Peter und Paul, der sogenannten Oberdorfkapelle in Hendungen, rund 6 Kilometer südöstlich von Mellrichstadt. Von dort kam sie für die nächsten 20 Jahre als Leihgabe in die neu erbaute, katholische Kirche Maria Königin in Ostheim vor der Rhön, wo sie 1961 durch die ortsansässige Firma Hoffmann nach damaligen Gesichtspunkten restauriert wurde, wobei allerdings die teilweise beschädigten Metallpfeifen überwiegend erneuert wurden. 1976 trat die Orgel den Rückweg nach Hendungen an, diesmal in die Pfarrkirche St. Alban und seit 1984 steht sie in der Mellrichstädter Spitalkirche. Die zur Diskussion stehende Jahreszahl 1619 stützt sich auf eine Angabe in einem Ostheimer „Neujahrszettel“ von 1765, wo es heißt, dass 1619 „5 Gulden aus einem Positiv gelöst“ wurden. Tatsächlich hat man 1619 in Ostheim eine neue Orgel erbaut, für die der Orgelbauer Andreas Weise 406 Gulden erhielt. Dass man dabei „5 Gulden aus einem Positiv gelöst hat“ bedeutet aber, dass man ein altes Positiv dem Orgelbauer in Zahlung gegeben hat. Die Angabe kann sich somit nicht auf das heute in der Spitalkirche stehende Instrument beziehen. Gänzlich obsolet wird diese Jahreszahl durch eine Inschrift, die man zwischenzeitlich im Inneren der Orgel fand, nach der diese aus Hirblingen bei Augsburg stammt und 1852 anläßlich des in diesem Jahr erfolgten Neubaus in Hirblingen dem Orgelbauer Othmar Sauter aus Mindelheim in Zahlung gegeben wurde. Unklar ist nun lediglich noch der Weg, wie das Instrument von Hirblingen nach Hendungen kam, doch schon damals existierte ein reger Markt mit gebrauchten Instrumenten, zumal mit handlichen Orgelpositiven. In dem 2017 veröffentlichten Aufsatz „Historische Positive in Bayern“ aus der Feder des verdienstvollen Hermann Fischer wird die Orgel auf die Mitte des 18.Jahrhunderts datiert. Das Rokoko-Schnitzwerk an den Schleierbrettern unterstreicht diese Datierung. Doch wer hat es erbaut? Dafür ließen sich noch keine Spuren finden. Ein auffallend ähnliches Positiv steht aber, um eine ganz vorsichtige Vermutung zu äußern, in der Kirche auf dem Auerberg bei Bernbeuren in Oberbayern. Es stammt von dem großen Andreas Jäger aus Füssen, 1737. 
Das Orgelpositiv in der Spitalkirche zu Mellrichstadt besitzt 6 Register. Das Manual hatte ursprünglich eine kurze Oktave, die später durchchromatisiert wurde, so daß der Tonumfang des Instruments heute tatsächlich mit dem E beginnt. Die beiden Holzregister Gedeckt 8' und Flöte 4' sind weitgehend original, während die Metallpfeifen 1961 und 1984 durch die Firma Hoffmann erneuert wurden. Es handelt sich um Principal 4', Quinte 1 1/3', Gedackt-Superoctave 1' sowie eine 2fache Mixtur. Das angehängte Pedal besitzt nur acht Tasten von E bis H, ist damit selbst für fränkische Verhältnisse ungewöhnlich knapp bemessen; doch entspricht ein solches Pedal durchaus der süddeutschen und österreichischen Praxis bei Orgelpositiven der Barockzeit. 

Link zum klingenden Orgelportrait: 

Disposition:

Manual, E-c3 Pedal, E-H
Gedeckt 8' angehängt
Flöte 4'  
Principal 2'  
Quinte 1 1/3'  
Gedackt Superoctave 1'  
Mixtur 2f.  

In Mellrichstadt gespielte Stücke:
Blasius Amon: Introitus in festo Corporis Christi >>> https://www.youtube.com/watch?v=RRt6U2uAFj8&t=21s
Blasius Amon: Introitus in festo Pentecostes >>> https://www.youtube.com/watch?v=SwxWpG6tbis&t=6s
Anonymus: Bewaert mij Heer Weest doch myn toeverlaet >>> https://www.youtube.com/watch?v=oqLztZtd-5g&t=7s
Anonymus: Ontfarmt V. over mij arme Sondaer >>> https://www.youtube.com/watch?v=vRCz-61M4O4&t=7s
Anonymus: Tobyas om sterven geneghen >>> https://www.youtube.com/watch?v=4csQFLXQR7o
Christian Erbach: Introitus und Versus tertii et quarti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=OIpJIXsP414&t=20s
Girolamo Frescobaldi: Capriccio di Durezze >>> https://www.youtube.com/watch?v=m6D3M_I012k
August Nörmiger: Innsbruck, ich muß dich lassen >>>
Johann Speth: Magnificat octavi toni >>>
Gisbert Steenwick: Heiligh, saligh Bethlehem >>>
Gisbert Steenwick: Puer natus in Bethlehem >>>



MITTELSINN (Verwaltungsgemeinschaft Burgsinn, Landkreis Main-Spessart)
Ev. Pfarrkirche St. Jakobus



Erbauer:
 Johann Georg Göbel (Lohr) 1758, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Mittelsinn ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Burgsinn. Wir befinden uns mitten im Spessart, im waldreichen Tal der Sinn, die rund 20 Kilometer südlich bei Gemünden am Main in die Fränkische Saale mündet. Nachbarorte sind Obersinn im Norden und Burgsinn im Süden. Erstmals urkundlich im Jahre 1295 genannt, gehörte Mittelsinn zum Hochstift Würzburg, genauer zum Zentamt Aura im Sinngrunde. Anfang des 19. Jahrhunderts kam der Ort zunächst zum kurzlebigen Fürstentum Aschaffenburg und 1814 zum Königreich Bayern. Mittelsinn lag im 20.Jahrhundert zunächst im Landkreis Gemünden am Main und seit 1972 im Landkreis Main-Spessart, der damals im Zuge der Gebietsreform aus den ehemaligen Landkreisen Karlstadt, Lohr am Main, Gemünden am Main und Marktheidenfeld gebildet wurde. Die evangelische Pfarrkirche St. Jakobus ist eine Chorturmkirche aus spätgotischer Zeit, die 1592 umgebaut wurde und 1734 ein barockes Langhaus erhielt. 1758 wurde in Mittelsinn eine neue Orgel errichtet, die in wesentlichen Teilen bis heute erhalten ist. Erbaut hat sie Johann Georg Göbel, Orgelmacher zu Lohr, wie wir einer Inschrift im Ventilkasten entnehmen können.
Die Lebensdaten des Orgelbauers Johann Georg Göbel sind noch unbekannt, doch dürfte er irgendwann zwischen 1710 und 1720 geboren worden sein. Er war Tischler und erlernte das Handwerk des Orgelbaues mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Johann Peter Schleich in Lohr am Main. Göbel ist seit 1738 in Lohrer Matrikeln nachweisbar und übernahm nach dem Tod Schleichs 1744 dessen Werkstatt in Lohr. Die Orgelmacherfamilie Schleich prägte in zwei Linien – die eine wirkte in Lohr, die andere in Bamberg – den Orgelbau im letzten Drittel des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Franken nachhaltig. Johann Georg Göbel pflegte in seinen wenigen bekannten Neubauten die traditionellen Gehäuseformen und Dispositionen seines Lehrmeisters weiter, erlangte aber nicht mehr die Bedeutung der Schleich-Werkstatt. Seine Orgeln, das Instrument in Mittelsinn ist die einzige bis heute erhaltene Werk Göbels, sind typisch mainfränkische Schöpfungen. Seine anderen bekannten Orgeln in Michelstadt, 1748 errichtet, in Hörstein 1750 und in Unterschönmattenwag 1753 sind allesamt den Moden der wechselnden Zeiten, die in mehr oder weniger regelmäßigem Abstand neuere und zeitgemäßere Orgelwerke forderte, zum Opfer gefallen. Johann Georg Göbel hatte drei Söhne, von denen wir etwas mehr wissen. Der 1742 geborene Franz Anton Göbel machte sich später in Soden, dem Badestädtchen bei Salmünster in Hessen selbstständig und fand im oberen Kinzigtal und im Raum Schlüchtern ein dankbares Betätigungsfeld. Sein 1745 zur Welt gekommener Bruder Johann Nikolaus Göbel übernahm die väterliche Werkstatt in Lohr, lebte aber praktisch nur noch von Reparaturarbeiten. Sein Zwillingsbruder Johann Konrad Göbel verlegte seine Tätigkeit später in die Pfalz, nach Neustadt an der Haardt, heute Neustadt an der Weinstraße. Hier konnte er sich in wenigen Jahren zu einem renommierten Orgelmacher emporarbeiten, dessen erhaltene Prospekte deutlich die mainfränkische Herkunft verraten. Solche stehen, jeweils mit zwischenzeitlich komplett erneuertem klanglichem Innenleben, heute noch in der Katholischen Kirche zu Hambach in der Pfalz, in Heuchelheim bei Landau und in Gleiszellen bei Bad Bergzabern im Landkreis Südliche Weinstraße. Diese Orgel in Gleiszellen sieht dem Instrument des Vaters in Mittelsinn zum Verwechseln ähnlich. Als einzige auch in ihrem klanglichen Bestand im Wesentlichen erhaltene Orgel der Familie Göbel ist dieses Instrument in Mittelsinn ein schätzbares und seltenes Zeugnis dieses letzten Orgelbaumeisters in Lohr.
Die Orgel in Mittelsinn besitzt 14 Register auf einem Manual und Pedal. Nach kleineren Reparaturen und nicht gravierend ins Gewicht fallenden Veränderungen wurde das Instrument im Jahre 2000 durch die Firma Hey-Orgelbau aus Urspringen in der Rhön denkmalgerecht restauriert und einige wenige, veränderte oder abgegangene Pfeifen nach Vorbildern anderer mainfränkischer Orgeln jener Zeit rekonstruiert. Das Manual besitzt einen Tonumfang bis zum c3 und die Register Praestant, Gedackt, Flauto traverso, Gamba und Solicional 8', Principal und Spitzflöte 4', Octave 2', Quint 1 1/2' sowie eine 3fache Mixtur. Das bis zum c1 geführte Pedal verfügt über Subbaß 16', Violonbaß 8', Octavbaß 4' sowie einen Trompetenbaß 8'. Die Pedalkoppel wurde bei der Restaurierung eingefügt, bis dahin war das Manual fest ans Pedal gebunden. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=JGoex6RlFcE

Disposition:

Manual; C-c3 Pedal, C-c1  
Praestant 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Violonbaß 8'  
Flauto traverso 8' Octavbaß 4'  
Gamba 8' Trompetenbaß 8'  
Solicional 8'    
Principal 4'    
Spitzflöte 4'    
Octave 2'    
Quint 1 1/2'    
Mixtur 3f.    

In Mittelsinn gespielte Stücke:
Johann Georg Albrechtsberger: Fuga "Christ ist erstanden" >>> https://www.youtube.com/watch?v=SrP2FIdzibA
Anonymus: Iste confessor >>> https://www.youtube.com/watch?v=ZclrJTA2swo
Anonymus: Musica cantatrix >>> https://www.youtube.com/watch?v=ATqLQ_2ofqc&t=36s
Anonymus: Veni creator spiritus >>> https://www.youtube.com/watch?v=C3YfGFZGD6s
Adriano Banchieri: Prima Canzone alla Francesa del primo Tuono >>> https://www.youtube.com/watch?v=l_lcyZNDYwg&t=12s
Adriano Banchieri: Seconda Canzone alla Francesa >>> https://www.youtube.com/watch?v=mJMaZbIBiIY&t=9s
Johann Michael Haydn: Versetten quarti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=wRBW92iK4gU
Johann Michael Haydn: Versetten quinti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=AYqOMdJlUlo
Franz Anton Hugl: Exercitium per ligaturas >>> https://www.youtube.com/watch?v=g7Nda-cyvm0
Alessandro Poglietti: Ricercar XII septimi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=W_Zsk_GW8fc
David Schedlich: Sirenae >>> https://www.youtube.com/watch?v=pAZunONUK4s
Johann Speth: Partite diverse sopra l´aria detta la Pasquina >>> https://www.youtube.com/watch?v=9Baj_pyisZY
Nicolaus Vetter: Fuga in G  >>> https://www.youtube.com/watch?v=IorAGxOwwQo&t=4s



MORLESAU
 (Stadt Hammelburg, Landkreis Bad Kissingen)
Kath. Filialkirche St. Cyriakus



Erbauer:
 Johann Konstantin Suckfüll (Untererthal) 1833, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Morlesau ist ein Stadtteil der bayerischen Kleinstadt Hammelburg im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Der Ort liegt westlich von Hammelburg an der Fränkischen Saale. Südlich von Morlesau erhebt sich der Sodenberg. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1311. In seelsorgerischer Hinsicht gehörte Morlesau zunächst zur fuldischen Pfarrei Diebach, ab 1722 zu Wolfsmünster und ab 1811 zu Windheim. Faktisch war jedoch auf Grund des Karlstadter Vertrages ab 1722 das Kloster Altstadt für die Seelsorge zuständig. Im Rahmen der Gemeindegebietsreform wurde Morlesau, in dem heute 175 Einwohnerinnen und Einwohner leben, 1972 ein Stadtteil von Hammelburg. Nach 1500, wahrscheinlich im Jahr 1520, entstand in Morlesau die Kirche St. Cyriakus im spätgotischen Stil. Der 1777 geweihte Rokoko-Hochaltar hat ein um 1750 geschaffenes Altarbild mit der Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit. 1833 erhielt die Kirche eine Orgelempore und eine neue Orgel. Sie wurde von Johann Konstantin Suckfüll aus Untererthal gefertigt, einem regional tätigen Orgelbauer, der nur wenige Kilometer entfernt seine Werkstatt hatte.
Johann Konstantin Suckfüll, der Erbauer der Orgel in Morlesau, wurde 1787 geboren. Sein Vater Daniel Suckfüll, 1738 zur Welt gekommen, stammte aus Borsch in der Rhön und ließ sich vor 1770 in dem zum Fürstbistum Fulda gehörenden Dorf Untererthal, einige Kilometer nördlich von Hammelburg nieder. Eine seiner ersten Arbeiten war die Orgel für Fuchsstadt bei Hammelburg, deren schönes Gehäuse noch vorhanden ist und stark Würzburger Einfluß verrät. Er scheint so, daß Suckfüll einen Teil seiner Ausbildung bei einem Würzburger Meister, wahrscheinlich bei Johann Philipp Seuffert, absolviert hat. Von ihm sind nur wenige Arbeiten nachweisbar und außer dem genannten Prospekt in Fuchsstadt ist nichts davon erhalten. Sein Sohn Johann Konstantin Suckfüll übernahm im jugendlichen Alter nach dem Tod des Vaters 1802 die Orgelwerkstatt in Untererthal. Seine Orgeln besitzen durchaus eine persönliche Note, sowohl in der Formung der Prospektteile als auch im Schnitzstil, sind also relativ leicht zu erkennen. 1810 erbaute er zwei Instrumente für Kressenbach und Wallroth, beide Orte liegen im Sinntal, 1818 in Schwarzenfels und 1833 in Morlesau und Weißenbach. 1843 folgte dann noch eine Orgel für die Kirche in Gambach bei Karlstadt. Diese Orgel in Gambach und unser hier vorgestelltes Instrument in Morlesau sind die einzigen Klangzeugnisse aus der Werkstatt des 1848 verstorbenen Johann Konstantin Suckfüll, die die Zeiten bis heute überdauert haben. Es handelt sich um typisch mainfränkische Orgeln mit einer ausgewogenen Disposition aus Principal- und Flötenstimmen. Insgesamt sind Suckfülls Orgeln ausgesprochene Barockorgeln, auch wenn sie zu einer Zeit gebaut wurden, in der man andernorts bereits ganz anders, nämlich romantisch baute und disponierte. Die Orgel in Morlesau wurde als Brüstungspositiv konzipiert. Später, aber wohl noch vor dem Ersten Weltkrieg hat man – möglicherweise aus statischen Gründen – die Orgel aus der Brüstung ausgebaut und um 90 Grad gedreht an der Seitenwand wieder aufgestellt. Kurioserweise hat man dabei die Orgel mit den Prospektpfeifen nach hinten, also an die Wand aufgestellt. Durch diesen Umstand entgingen sie allerdings auch der ansonsten allerorten üblichen Ablieferung im Ersten Weltkrieg. Bei der letzten Restaurierung 1997, ausgeführt von der Firma Hey Orgelbau aus Urspringen in der Rhön, hat man die Orgel wiederum um 180 Grad gedreht, so dass man den schönen Prospekt nun wieder sehen kann. Die vergoldeten Schnitzereien am Prospekt sind bei dieser Restaurierung neu hinzugefügt worden.
Die 1833 von Johann Konstantin Suckfüll erbaute Orgel in Morlesau wurde im Laufe der Zeit einige Male repariert, restauriert und leicht verändert. Irgendwann erhielt das ursprünglich wohl nur mit einem angehängten Pedal versehene Werk eine eigenständige Pedallade, die zwischen dem eigentlichen Orgelgehäuse und der Wand im Rücken des Spielers steht. Bei der 1997 erfolgten letzten Restaurierung durch die Firma Orgelbau Hey hat man, wie bereits erwähnt, das Gehäuse um 180 Grad gedreht, so dass man den hübschen Orgelprospekt vom Kirchenraum zwar immer noch nicht sieht, wohl aber, wenn man oben auf der Empore steht. Das Instrument besitzt sieben Register auf einem Manual und Pedal. Sechs Register stehen im Manual, das vom Ton C bis zum d3 ausgebaut ist und mittels Stechermechanik gespielt wird. Wir finden hier die Stimmen Gedackt und Flöte 8', sodann Principal 4', Quinte 2 2/3', eine Oktave 2' und eine 3fache Mixtur. Das später hinzugefügte Pedal, das einen Tonumfang bis zum f° hat, also 18 Tasten, hat als eigenständiges Register einen Subbaß 16' und ist überdies fest ans Manual gekoppelt. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=PEooBH_6E4s&t=228s

Disposition:

Manual, C-d3 Pedal, C-f°  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Flöte 8'    
Principal 4'    
Quinte 2 2/3'    
Octave 2'    
Mixtur 3f.    

In Morlesau gespielte Stücke:
Marianus Königsperger: Praeambulum und Versetten primi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=GuTEyxY1Ir8&t=4s
Johann Pachelbel: Der Herr ist mein getreuer Hirt >>> https://www.youtube.com/watch?v=_4AVjNn989A
Johann Pachelbel: Gelobet seist du, Jesu Christ >>> https://www.youtube.com/watch?v=basKtmhwIWQ
Johann Pachelbel: Praeludium in d >>> https://www.youtube.com/watch?v=2JxkAASBApI
Johann Pachelbel: Praeludium in Es >>> https://www.youtube.com/watch?v=XYc1VC9unuE
Johann Pachelbel: Praeludium in G >>> https://www.youtube.com/watch?v=RvYi-waGuAU
Octavian Panzau: Fuga secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=XR3W6KPsgtU
Simon Sechter: Jesus, meine Zuversicht >>> https://www.youtube.com/watch?v=zbK8ycgASRw&t=6s



NEUSES AM SAND (Stadt Prichsenstadt, Landkreis Kitzingen)
Kath. Filialkirche St. Michael



Erbauer:
 Christoph Etthöfer (Margetshöchheim?) 1821, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Neuses am Sand ist ein Ortsteil der Stadt Prichsenstadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Der Ort liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 22 und 286 zwischen Volkach im Süden und Prichstenstadt im Norden inmitten des Steigerwaldvorlandes mit seiner hügeligen Landschaft und schmalen Flußtälern kleiner Bäche. Das Dorf entstand erst relativ spät im 13. Jahrhundert, als das Hochstift Würzburg einige Siedlungen am Rande des Steigerwaldes neu anlegen ließ. Das heute als Hotel und Restaurant genutzte alte Wasserschloss war Sitz der wechselnden Dorfherren, der Familie Fuchs von Bimbach, der Wolff von Wolfsthal und der Grafen von Schönborn-Wiesentheid. Nach dem Ende der geistlichen Herrschaft kam der Ort zum kurzlebigen Großherzogtum Würzburg und nach dem Wiener Kongreß zum Königreich Bayern. 1972 wurde Neuses am Sand im Rahmen der bayerischen Gebietsreform ein Ortsteil von Prichsenstadt. Die kleine katholische Michaelskirche, ein geosteter Saalbau mit Chorabschluß und Dachreiter, entstand im Jahre 1733. Der Altar mit einer spätgotischen Marienfigur wurde bereits Ende des 17.Jahrhunderts für die Vorgängerkirche geschaffen. 1812 erhielt der Ort Besuch von Napoleon, der auf seinem Weg nach Dresden in der Alten Posthalterei in Neuses einkehrte – mit direktem Blick auf die Kirche. Elf Jahre später entstand die kleine Orgel auf der Empore, als deren Meister uns Christoph Etthöfer genannt wird.  
Der Orgelbau in Unterfranken geriet in den Jahren nach der Säkularisation in eine Krise. Viele Orgeln aus aufgehobenen Klöstern und Stiften kamen auf dem Wege der Versteigerung in Stadt- und Dorfkirchen der näheren und ferneren Umgebung der alten Residenzstadt. Die Orgelbauer, etwa Johann Philipp Albert Seuffert, der die traditionsreiche Werkstatt in Würzburg ins 19. Jahrhundert hinüberführte, erhielten daher so gut wie keine Neubauaufträge mehr. Erst mit der ersten Purifizierungswelle des beginnenden Historismus etwa um 1840 besserte sich die Lage wieder. Balthasar Schlimbach, der 1836 die Werkstatt von Seuffert übernahm, wurde in der Folge zum führenden Orgelbauer Unterfrankens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Etwa gleichzeitig beginnt die Familie Etthöfer ihr Wirken, eine verzweigte Sippe von Schreinern und sogenannten Rucksack-Orgelbauern, die von Dorf zu Dorf durch die Lande zogen und sich mit Stimmungen, Reparaturen und kleineren Umbaumaßnahmen den Lebensunterhalt verdienten. Der erste der Familie, über den wir Näheres wissen, ist der 1804 geborene Anton Etthöfer I. Er wohnte und wirkte in Margetshöchheim, etwa 10 Kilometer nördlich von Würzburg, ebenso wie sein 1828 geborener Sohn Anton Etthöfer II. Dieser verlegte 1865 die Werkstatt zunächst nach Hammelburg, 1874 nach Karlstadt und am Ende 1885 nach Würzburg, wo er im darauffolgenden Jahr starb. Der 1918 in Lohr am Main verstorbene Franz Anton Etthöfer und der 1871 genannte Alois Etthöfer waren höchstwahrscheinlich seine Söhne. Fast in jeder älteren Orgel der Gegend finden wir heute noch Bleistifteintragungen von Stimmungen und Reparaturen vor allem von Anton Etthöfer II. Der Stammvater, also Anton Etthöfer I, hatte sein Handwerk wohl bei Johann Philipp Albert Seuffert gelernt. Erbauer der 1821 geschaffenen Orgel in Neuses am Sand war jedoch nicht Anton, wie man manchmal liest – denn dieser war zu dem Zeitpunkt erst 17 Jahre alt – sondern Christoph Etthöfer. Von ihm fehlen uns bislang aber jegliche biographischen Daten. Er könnte, aber das ist eine Vermutung, ein älterer Bruder Antons gewesen sein und dürfte dann wohl ebenfalls Geselle bei Johann Philipp Albert Seuffert gewesen sein. Die einzige gesicherte Kunde aus seinem Leben und Wirken sind zwei kleine Orgeln, die er nachweislich geschaffen hat: in Binsbach bei Arnstein 1820, die aber nicht erhalten ist, und ein Jahr später in Neuses am Sand. 
Die Orgel in Neuses am Sand besitzt sechs Register, klanglich ganz in der Tradition einer fränkischen Dorforgel des 18. Jahrhunderts stehend und damit in der Tradition der Familie Seuffert, aus deren Werkstatt Christoph Etthöfer vermutlich hervorgegangen ist. Das Manual mit einem Umfang bis zum f3 besitzt Gedackt 8', Flöte 4', Principal 2', Quinte 1 1/2' und eine Octave 1', dazu kommt ein Gedacktbaß 8' im bis zum g° ausgebauten und fest ans Manual gekoppelten Pedal. 

Link zum klingenden Orgelportrait: 

Disposition:

Manual, C-f3 Pedal, C-g°  
Gedackt 8' Gedacktbaß 8' Pedalkoppel (fest)
Flöte 4'    
Principal 2'    
Quinte 1 1/2'    
Octave 1'    

In Neuses am Sand gespielte Stücke:
William Boyce: Voluntary in G major >>> https://www.youtube.com/watch?v=fe5QSJfDcsA
Franz Bühler: Vorspiel, Versetten und Scherzando F-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=JBrlsXamsR0&t=12s
Johann Anton Kobrich: Pastorella in D >>>
Johann Anton Kobrich: Pastorella in G >>>
Joseph Lederer: Praeambulum und Versett in B >>>
Georg Pasterwitz: Versetten f-moll >>>
Maximilian Stadler: Praeambulum tertii toni >>>



NORDHEIM V. D. RHÖN (Verwaltungsgemeinschaft Fladungen, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Kath. Pfarrkirche St. Johannes 



Erbauer: Johann Brähler (Unterbimbach) 1795, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Nordheim vor der Rhön ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Fladungen. 1120 Einwohnerinnen und Einwohner leben in dem schönen Ort an der Streu. Die fränkische Siedlung Nordheim v. d. Rhön wurde um 525 gegründet und gelangte im Jahr 1000 an das Hochstift Würzburg. Dieses Hochstift war ab 1500 ein Teil des Fränkischen Reichskreises. Das Gebiet fiel nach der Säkularisation im Jahre 1814 an Bayern. Die Katholische Pfarrkirche St. Johannes ist eine Saalkirche mit eingezogenem Chor und dem ehemaligen Chorturm als heutigem Chorseitenturm. Dieser entstand im 14.Jahrhundert, der Chor wurde 1609 angebaut, das Langhaus 1696 bis 1698. 1972 bis 74 wurde die Kirche um ein Querhaus und einen Sakristeianbau erweitert, die Querarme wurden 2008 im Zuge einer gründlichen Renovierung wieder entfernt. Bemerkenswert sind im Inneren die um 1700 von Benedikt Lux aus Neustadt geschaffenen Altäre und die 1795 erbaute Orgel. Ihr Erbauer ist Johann Brähler aus Unterbimbach bei Fulda. Eine Besonderheit für Unterfranken ist dabei die Anlage als seitenspieliges Brüstungswerk mit freistehendem Pedal dahinter. In Hessen kommt dies häufiger vor; auch die Orgelbauerfamilie Oestreich aus Oberbimbach hat im späten 18.Jahrhundert eine ganze Reihe solcher Orgeln errichtet.
In Oberbimbach bei Fulda wirkte in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts die Orgelbauerdynastie der Familie Oestreich. Ihr bedeutendster Vertreter war Johann Markus Oestreich, 1737 geboren. Johann Brähler, der Erbauer der Orgel in Nordheim, stammte aus dem Nachbarort Unterbimbach und wurde vermutlich um 1740 geboren, genau wissen wir sein Geburtsjahr nicht. Er erlernte sein Handwerk in der Werkstatt der Oestreichs und tritt erstmals im Jahr 1770 mit einem eigenständigen Neubau mit 16 Registern für die Stadtpfarrkirche zu Hünfeld auf. Danach schweigen die Quellen und Akten rund 20 Jahre über Brähler, erst 1790 hören wir wieder von ihm, als er die alte Kitzinger-Orgel in Stetten vor der Rhön umbaut. Vermutlich hat die Jahre zuvor als Mitarbeiter in der Werkstatt der Oestreichs gearbeitet. 1795 erbaute er die Orgel in Nordheim vor der Rhön, die vermutlich ursprünglich ganz ähnlich disponiert war wie sein Hünfelder Erstlingswerk. 1796 baute Brähler in Roßbach bei Hünfeld und etwa zeitlich im benachbarten Kirchhasel. Im Jahr 1800 versetzte Brähler die erst 1761 erbaute Oestreich-Orgel in Dietershausen auf die damals neu errichtete Empore. 1801 bot er eine Orgel für Elters in der Rhön an, ließ dann aber nichts mehr von sich hören, wie es in den Akten heißt. Vermutlich ist Johann Brähler kurz nach 1800 verstorben, denn ab diesem Zeitpunkt hören wir nichts mehr von ihm. Zweifelhaft ist seine Mitarbeit an der Orgel der ehemaligen Stiftskirche in Hünfeld. Sie steht heute in Geroda bei Bad Brückenau, ist relativ gut erhalten und wird in einem anderen Orgelportrait genauer vorgestellt. Dieses offiziell einem unbekannten Meister zugeschriebene Instrument weist in zahlreichen technischen und klanglichen Details Ähnlichkeiten mit der Brähler-Orgel in Nordheim und der von Brähler umgebauten Orgel in Stetten auf. Sowohl bei seinen gesicherten Arbeiten als auch bei der ihm zugeschriebenen Orgel in Geroda fällt auf, dass immer mehr oder weniger größere Teile der Vorgängerorgel übernommen wurden. So auch in Nordheim vor der Rhön. Das Instrument hier wurde 1869 durch Georg Markert aus Ostheim vor der Rhön erstmals umgebaut, aber in seinem Charakter nicht wesentlich verändert. 1936 erweiterte Erich Hey aus Sondheim vor der Rhön die Orgel um ein zweites Manual mit pneumatischer Traktur. 1979 erfolgte dann der Neubau dieses zweiten Manuals mit mechanischer Traktur und eine Restaurierung durch die Firma Gebrüder Hey aus Urspringen. Von den ursprünglich etwa 16 Registern der Brähler-Orgel sind etwa 10 Stimmen ganz oder teilweise erhalten. Darüber hinaus finden sich in der Orgel noch einige ältere Register unbekannter Herkunft, die durchaus von der 1699 von Matthäus Obermüller aus Meiningen erbauten Vorgängerorgel stammen könnten. Die Holzpfeifen Brählers besitzen eine charakteristische Bauweise, die Deckel und Böden sind aus Eichenholz, die Wände aus Fichtenholz. Die Vorschläge der Holzpfeifen zeigen einen charakteristischen Knick, so daß sich der Vorschlag zum Fuß hin etwas verjüngt.
Die Orgel der Pfarrkirche in Nordheim vor der Rhön ist deshalb für die heimische Orgellandschaft so wichtig, weil sie die einzige erhaltene Orgelneubau jenes Johann Brähler ist, der zwar immer wieder im Zusammenhang mit der Oestreich-Dynastie genannt wird, über den wir aber relativ wenig wissen. Sie besitzt heute 23 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das Hauptwerk, das vermutlich beim Umbau durch Markert 1869 auf den Umfang vom Ton C bis zum f3 ausgebaut wurde, enthält zum überwiegenden Teil historisches Pfeifenmaterial von Johann Brähler. Wir finden hier zunächst den klassischen Prinzipalchor mit Oktaven 8', 4' und 2' nebst Quinta 3'. Die 8'-Lage ist darüber hinaus im Hauptwerk breit differenziert mit Gedackt, Hohlflöte, Quintatön, Salicional und Gamba 8'. Flöte und Gedackt 4' ergänzen die Disposition, die von einer 4fachen Mixtur und einer 3fachen Cymbel bekrönt wird. Bemerkenswert ist die relativ weite Mensur der Oktave 2', die wohl im Ursprung ein Flageolet 2' war. Die Mixtur wurde 1869 durch Markert neu zusammengesetzt. Das zweite Manual wurde 1979 bei der Restaurierung durch die Orgelbauerfirma Gebrüder Hey eingebaut. Die Disposition ist gut dem historischen Bestand angepaßt, hier finden wir Gedackt und Traversflöte 8', Principal und Spitzflöte 4', ein Flageolet 2' und eine 3fache Mixtur. Das Pedal hat sich erstaunlicherweise in seiner für jene Zeit in Hessen und Unterfranken typischen, kurzen Bauform erhalten mit einem Umfang von C bis zum f°, also mit lediglich 18 Tasten. Im Pedal stehen die Register Subbaß, Quintatönbaß und Posaune 16' sowie ein Oktavbaß 8'. Von der Brähler-Orgel erhalten ist, wie erwähnt, ein recht großer Anteil des ursprünglichen Pfeifenwerks, die Hauptwerks- und Pedalwindlade sowie natürlich das Orgelgehäuse aus Eichenholz. Trotz mancher Veränderung ist der Klangcharakter des Instruments offensichtlich weitgehend bewahrt. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=xZyuDL5_xto&t=238s

Disposition:

Hauptwerk, C-f3 Oberwerk, C-f3 Pedal, C-f°  
Principal 8' Gedackt 8' Subbaß 16' Manualkoppel
Gedackt 8' Traversflöte 8' Quintatönbaß 16' Pedalkoppel
Hohlflöte 8' Principal 4' Octavbaß 8'  
Quintatön 8' Spitzflöte 4' Posaune 16'  
Gambe 8' Flageolet 2'    
Salicional 8' Mixtur 3f.    
Octave 4'      
Flöte 4'      
Gedackt 4'      
Quinte 3'      
Octave 2'      
Mixtur 4f.      
Cymbel 3f.      

In Nordheim v. d. Rhön gespielte Stücke:
Johann Christoph Bach: Helft mit Gottes Güte preisen >>> https://www.youtube.com/watch?v=aigysf2qrP0&t=6s
Gottfried August Homilius: Christ lag in Todesbanden >>> https://www.youtube.com/watch?v=g9zZVNpUQl4
Johann Christian Kittel: Fantasie d-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=Q_ZRvx3DTPk
Johann Gottfried Vierling: Andante tranquillamente D-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=elHkbjI8-qg
Johann Gottfried Vierling: Andantino C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=elHkbjI8-qg
Johann Gottfried Vierling: Erschienen ist der herrlich Tag >>> https://www.youtube.com/watch?v=F68sJLM1Kic&t=207s
Johann Gottfried Vierling: Ich dank dir, lieber Herre >>> https://www.youtube.com/watch?v=lq_ZW-UNa5s&t=28s
Johann Gottfried Vierling: Nachspiel d-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=kQaw9JQbkhc
Johann Gottfried Vierling: Valet will ich dir geben >>> https://www.youtube.com/watch?v=F68sJLM1Kic&t=207s
Abbé Vogler: Allegretto e-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=T9TKG6q1ziQ



OBEREISENHEIM (Markt Eisenheim, Landkreis Würzburg)
Ev. Pfarrkirche



Erbauer: Johann Adam Brandenstein (Kitzingen) 1721, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Obereisenheim ist der Hauptort des Marktes Eisenheim im unterfränkischen Landkreis Würzburg. Nördlich des Gemeindegebiets beginnt der Landkreis Schweinfurt und westlich, durch den Main getrennt, liegt der Volkacher Ortsteil Fahr im Landkreis Kitzingen. Die Keuperböden um Obereisenheim und die Lage in der Maingauklimazone, die zu den wärmsten Deutschlands gehört fördern den Gedeih eines hervorragenden Weines. Und so ist Obereisenheim heute ein bedeutender Frankenwein-Anbauort. Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Isanesheim“ als Besitz des Klosters Fulda bereits im 8. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert wird dann Ober-Eisenheim als eigenständige Siedlung genannt. Damals waren die Grafen von Castell die Lehnsherren im Ort, die das Dorf aber wegen ihrer ständigen Geldprobleme häufig verpfänden mußten. Im 16.Jahrhundert setzten die gräflichen Dorfherren das evangelische Bekenntnis durch. Obereisenheim gehörte später zum Bezirksamt Volkach, in der Folge zum Bezirksamt und zum späteren Landkreis Gerolzhofen und seit 1972 zum Landkreis Würzburg. 1978 wurde aus den bis dahin selbstständigen Gemeinden Obereisenheim und Untereisenheim die neue Gemeinde Markt Eisenheim gebildet. Den Mittelpunkt von Obereisenheim bildet die Evangelische Pfarrkirche. Sie entstand zu großen Teilen um 1496 und wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts erneuert. Der Taufstein stammt von 1523, der zweisäulige Altar entstand um 1700 und darüber erhebt sich die einzige erhaltene Orgel von Johann Adam Brandenstein aus Kitzingen. Gemäß der Homepage der Orgel www.orgelherbst-obereisenheim.de gehört das Instrument zu den schönsten Orgeln Frankens, was ich aus eigener Erfahrung gerne bestätige.
Johann Adam Brandenstein wurde 1657 in Himmelstadt bei Zellingen im heutigen Landkreis Main-Spessart geboren. Er erlernte die Kunst des Orgelbaues wohl bei einem mainfränkischen, uns allerdings bis heute unbekannten Meister und wurde 1688 in Kitzingen ansässig. Er baute in der Folge nicht nur in Unterfranken, sondern erhielt auch mehrere Aufträge in der Gegend um Nürnberg. Seine erste nachgewiesene Orgel entstand 1690 für Repperndorf bei Kitzingen, die jedoch nicht erhalten ist. 1693 erweiterte er in der Wallfahrtskirche St. Maria de Rosario in Dimbach bei Volkach maßgeblich das dort vorhandene, von Matthias Tretzscher erbaute Instrument. Nach zahlreichen weiteren Umbauten und Veränderungen sind dort allerdings nur noch geringe Reste historischen Pfeifenmaterials vorhanden. Weitere Orgeln entstanden in der Folge etwa in der Stadtkirche zu Lauf an der Pegnitz, wo immerhin der wunderschöne barocke Orgelprospekt bis heute erhalten ist, sodann in Mönchsondheim bei Iphofen 1694, in Kirchröttenbach nördlich von Nürnberg 1696 und in Neunkirchen am Sand 1698. Als Spätwerk entstand 1721 die Orgel in Obereisenheim mit ihren elf Registern auf einem Manual und Pedal. Lange war nicht bekannt, wer dieses bemerkenswerte Instrument errichtet hatte. Erst bei der letzten, 2003 bis 2005 durch die Firma Thomas Jann aus Memmingen durchgeführten Restaurierung konnte die Urheberschaft Brandensteins zweifelsfrei nachgewiesen werden. 1695 wurde der Sohn Johann Conrad Brandenstein geboren. Er erlernte den Orgelbau zunächst in der Werkstatt des Vaters und heiratete 1724 die Witwe des jung verstorbenen Orgelbauers Franz Philipp Schleich in Stadtamhof bei Regensburg. Er entwickelte sich in der Folge zu einem der bedeutendsten Orgelbauer Altbayerns, der in seinem Personalstil fränkische und altbayerische Merkmale miteinander vereinte. Seine großen Orgeln, etwa in der Klosterkirche zu Waldsassen oder in der stadtkirche zu Auerbach in der Oberpfalz, sind ebenfalls allesamt dem Erneuerungs- und Modernisierungsstreben späterer Zeiten zum Opfer gefallen. Erhalten aus seinem Schaffen blieb hingegen seine ungemein prachtvolle Orgel in der Kirche des Klosters Weltenburg, die 1728 entstand. Und ferner eine kleine, aber sehr reizvolle Orgel in der Kirche des Dörfchens Hellring bei Langquaid im Landkreis Kelheim. Den aufkommenden Ruhm seines Sohnes hat Johann Adam Brandenstein aber nicht mehr erlebt, er starb 1726 in Kitzingen. Die original erhaltene und sehr delikate Gambe braucht den Vergleich mit der berühmten Baumeister-Gambe in Maihingen nicht zu scheuen und bei deren Spiel kann man sich der Vorstellung herabrieselnden Kolophoniums nicht immer enthalten.
Die Entdeckung, daß die Orgel in Obereisenheim von Johann Adam Brandenstein geschaffen wurde, war 2005 eine mittlere Sensation, denn keine andere Orgel aus dem Oeuvre dieses Meisters ist bis heute, noch dazu in einem fast vollständigen Zustand erhalten geblieben. Kleinere Veränderungen 1752 durch Johann Rudolf Voit aus Schweinfurt und 1871 durch Andreas Franz Dietmann aus Schwanfeld fallen nicht maßgeblich ins Gewicht. Das bis zum c3 ausgebaute Manual besitzt die Register Principal, Gedackt, Flaut und Gamba 8', Octav und Spitzflauten 4', Quint 3', Superoctav 2' sowie eine 3fache Mixtur. Im Pedal, das einen Umfang bis zum c1 besitzt, finden wir Subbaß 16' sowie einen Posaunenbaß 8', dazu kommt eine als Baßventil bezeichnete Pedalkoppel. Es ist erfreulich, dass dieses in der fränkischen Orgellandschaft einzigartige Instrument nicht nur in den Gottesdiensten, sondern auch regelmäßig in einer von der Kirchengemeinde organisierten Konzertreihe erklingt. Bei diesen Konzerten wird übrigens grundsätzlich ohne elektrischen Motor gespielt, also nur mit von einem Kalkanten erzeugtem Wind. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=03RxUc8KG7k&t=683s

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-c1  
Principal 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Posaunenbaß 8'  
Flaut 8'    
Gamba 8'    
Octav 4'    
Spitzflauten 4'    
Quint 3'    
Superoctav 2'    
Mixtur 3f.    

In Obereisenheim gespielte Stücke:
Franz Anton Hugl: Praeludium und Versetten secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=krP4eVhm9dc
Johann Klemm: Fuga II secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=qAZRIJnczb4
Johann Klemm: Fuga XXXI septimi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=k1Ks60T5KKw
Marianus Königsperger: Aria quarti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=Hm1ZLQoybTo
Marianus Königsperger: Finger-Streit oder Clavier-Übung >>> https://www.youtube.com/watch?v=ZUDmkalgJxw&t=10s
Octavian Panzau: Fuga octavi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=UALPZjnQ7t8
Alessandro Poglietti: Ricercar VIII secundi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=aDR4FLuZbKs
Alessandro Poglietti: Toccata per l'introito in d >>> https://www.youtube.com/watch?v=6dTjgyLKy90
Alessandro Poglietti: Toccatina, Cadenza e Fuge tertii toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=q595fKj3gBk
Justinus Will: Aria decima quinta >>> https://www.youtube.com/watch?v=mCM5HTG9U7E&t=4s



OBERTHERES (Gemeinde Theres, Landkreis Haßberge)
Kath. Marienkapelle



Erbauer: Johann Hoffmann (Würzburg) 1722-1723, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Obertheres ist ein Ortsteil der unterfränkischen Gemeinde Theres im Landkreis Haßberge. Der Ort geht an seinem Südrand direkt in Theres über. Südlich von Obertheres verläuft in Ost-West-Richtung die Autobahn A70. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 802 als „Terisse“ im Zusammenhang einer Schenkung der Orte Knetzgau, Theres und Walburghausen durch Graf Whala und seine Gattin Megina an das Kloster Fulda. Über die Herkunft des Ortsnamens gibt es sehr viele unterschiedliche Theorien, aber keine letztendliche Sicherheit. Die ehemalige Benediktinerabtei Kloster Theres, wurde um 1043 gegründet. Nach der Säkularisation wurde die Abteikirche 1809 abgerissen. Die ehemaligen Klostergebäude jedoch sind bis heute erhalten und gehören als Schlossgut heute den Grafen von Beust. 1978 wurde Obertheres im Rahmen der Gemeindegebietsreform ein Ortsteil der neuen Gemeinde Theres. 1123 kam der Hl. Bischof Otto von Bamberg nach Theres, um drei Kapellen auf dem Gelände der Abtei Theres einzuweihen. Eine davon war eine Marienkapelle, die in umgebauter Form noch heute erhalten ist und der Gemeinde Obertheres heute als Friedhofskapelle dient. Aus dem Mittelalter stammt wohl noch das Untergeschoss des Chorturms, vielleicht auch noch Teile der Langhauswand. Die heutige spätbarocke Ausstattung weicht vom üblichen fränkischen Barock ab und zeigt italienische Einflüsse. Die kleine Orgel auf der Empore ist ein Werk des berühmten Würzburger Hof- und Domorgelmachers Johann Hoffmann.
Der bedeutendste Würzburger Orgelmacher zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Johann Hoffmann. Er stammte aus Tauberfranken und wurde 1656 als Sohn eines Schreiners in Lauda geboren. Wo er das Orgelmacherhandwerk erlernte, ist nicht bekannt. Als Geselle arbeitete er bei Nikolaus Will in Würzburg und wahrscheinlich auch bei Johann Jost Schleich in Lohr am Main. 1690 erwarb er nach seiner Heirat das Bürgerrecht in Würzburg und machte sich als Orgelbauer selbstständig. 1697 erhielt er den Titel eines Hoforgelmachers in Würzburg und zehn Jahre später, 1709 erhielt er vom Domkapitel darüber hinaus noch das Privileg des Domorgelmachers. Zahlreiche seiner Orgeln gingen in fränkische Kloster- und Stiftskirchen, so unter anderem nach Comburg bei Schwäbisch Hall, in die Ursulinenkirche Kitzingen, nach Holzkirchen, Ober- und Unterzell, Neustadt am Main und in die Klosterkirche Theres. Im Dom zu Fulda stellte er die große Domorgel fertig, die ursprünglich von Adam Oehninger begonnen, aber bedingt durch dessen Tod nicht vollendet wurde und erbaute dort überdies eine Chororgel, deren prachtvoller Prospekt bis heute erhalten ist. In der Klosterkirche Theres baute Hoffmann sowohl die Hauptorgel mit 21 Stimmen als auch eine Chororgel mit 12 Registern. Diese Chororgel kam nach der Säkularisation in die Kirche von Untertheres, wo ebenfalls nur der Prospekt bis heute erhalten ist. Zeitgleich mit den Orgeln für die Klosterkirche erbaute Hofmann in den Jahren 1722 bis 1723 das Instrument für die Marienkapelle. Als eine der ganz wenigen Orgeln des großen Johann Hofmann ist sie bis heute erhalten und – welch großes Glück – in einem fast unveränderten Zustand. Weitere Instrumente Hoffmanns findet man heute noch in der Kirche zu Geusfeld. Diese Orgel stammt aus dem ehemaligen Frauenkloster Unterzell am Main. Und die für die Pfarrkirche in Allersheim erbaute Orgel Hoffmanns steht heute in der Marienkirche in Goldbach bei Aschaffenburg. Beide Instrumente wurden jedoch im Laufe der Zeit verändert. Ein wunderschöner Hoffmann-Prospekt, aus der säkularisierten Abteikirche Neustadt am Main stammend, befindet sich noch in der Stadtkirche zu Amorbach. Umso bedeutender für die fränkische Orgelbaugeschichte ist die kleine, nahezu unveränderte Orgel in Obertheres.
Die Orgel von Johann Hoffmann in der Marienkapelle zu Obertheres besitzt 9 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual ist vom Ton C bis zum c3 ausgebaut und besitzt erstaunlicherweise bereits das Cis. Wir finden hier die Register Gedackt, Gamba und Salicional 8', Principal 4' – unverändert erhalten im Prospekt, sodann Octave 2', Quinta 1 1/2' sowie eine 3fache Mixtur. Das Pedal, das über 18 Tasten bis zum f° verfügt, besitzt Subbaß 16' sowie einen Oktavbaß 8'. In der Disposition fallen die beiden Streicherstimmen auf. Hoffmann führte diese Stimmen in den fränkischen Orgelbau ein und gab die Vorliebe für solche Register auch an seine Schüler weiter. Der bedeutendste seiner Schüler war der große Johann Philipp Seuffert, der nach Hoffmanns Tod 1725 das Amt des Hoforgelmachers von seinem ehemaligen Lehrmeister übernahm. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=OgBIM1MeuKc

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-f°  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Gamba 8' Octavbaß 8'  
Salicional 8'    
Principal 4'    
Octave 2'    
Quinta 1 1/2'    
Mixtur 3f.    

In Obertheres gespielte Stücke:
Girolamo Frescobaldi: Hinno "Ave maris stella" >>> https://www.youtube.com/watch?v=0f_khAU6gUo
Johann Erasmus Kindermann: Fuga in G >>> https://www.youtube.com/watch?v=uoDozGgl2oA
Johann Erasmus Kindermann: Herr Jesu Christ war Mensch und Gott >>> https://www.youtube.com/watch?v=GCVsuU1-PYE
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 3. et 4. toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=SHHgg4vgXak
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 7. et 8. toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=ebLxG_1n_jg
Johann Erasmus Kindermann: Praeambulum 9. et 10. toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=EEJE3Y0d-XM
Marianus Königsperger: Praeambulum und Versetten octavi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=LxYGx3zANAk
Christian Michael: Praeludium a 3 in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=Z_RmxaOH2Qs
Christian Michael: Praeludium a 3 in h >>> https://www.youtube.com/watch?v=bU0iQLWKGgs
Christian Michael: Praeludium a 4 in B >>> https://www.youtube.com/watch?v=P9Ejb0fXVxQ
Johann Pachelbel: Praeludium und Fuge in e >>> https://www.youtube.com/watch?v=l9vMgtolFVc
Thomas Tomkins: A sad pavan for these distracted times >>> https://www.youtube.com/watch?v=I0vqs-Ig6EE
Justinus Will: Aria Pastorella VI in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=5gQ3ieYkS_0
Justinus Will: Aria Pastorella VII in E >>> https://www.youtube.com/watch?v=KuDaUfdAHtA



OBERWALDBEHRUNGEN (Stadt Ostheim v. d. Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Ev. Kirche



Erbauer:
 Johann Christoph Hart (Kaltensundheim) 1673, Umbau Johann Ernst Döring (Ostheim v. d. Rhön) 1738, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Oberwaldbehrungen ist ein Ortsteil der Stadt Ostheim vor der Rhön im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Der Ort liegt im südlichen Vorland der Rhön im Besengau. Ober- und Unterwaldbehrungen sind wahrscheinlich die ältesten Siedlungen des Besengaus. Sie wurden bereits 795 urkundlich erwähnt und bildeten ursprünglich eine Gemeinde namens Waldbaring. Oberwaldbehrungen, am Rand des Gebiets des Hochstifts Würzburg gelegen, wurde 1480 an die Herren von der Tann zum Lehen vergeben, wodurch es zu einer Exklave der Herrschaft Tann wurde. Die Herren von der Tann führten 1554 die Reformation ein. Der Ort war kirchlich bis 1670 eine Filiale des evangelischen Nachbarorts Urspringen, welcher sich bereits im hennebergischen, später sächsischen Amt Lichtenberg befand. Nach den Napoleonischen Kriegen kam das Gebiet mit der Rheinbundakte 1806 an das Großherzogtum Würzburg und 1814 zu Bayern. Während die ehemalige Herrschaft Tann in Folge des Deutschen Kriegs von 1866 an die preußische Provinz Hessen-Nassau kam, blieb Oberwaldbehrungen bei Bayern und wurde 1972 in die Stadt Ostheim vor der Rhön eingegliedert. Die Kirche des Ortes ist ein Saalbau mit Giebeldachreiter aus dem Jahr 1738. In ihr befindet sich eine der ältesten Orgeln der ganzen Rhön, die beim Bau der Kirche 1738 gebraucht erworben wurde. Sie stammt aus dem Jahre 1673 und war vermutlich die frühere Orgel der Stadtkirche St. Michael in Ostheim vor der Rhön, die in ebenjenem Jahre 1738 eine gänzlich neue Orgel aus der Werkstatt von Johann Ernst Döring erhielt. Am Prospektgehäuse der heute in Oberwaldbehrungen stehenden Orgel lesen wir die Jahreszahl 1673.
Mit großer Wahrscheinlich ist Johann Christoph Hart der Erbauer der Orgel, die seit 1738 in Oberwaldbehrungen steht. Hart wurde 1641 in Ostheim vor der Rhön getauft. Über sein Leben ist nicht sehr viel bekannt; so wissen wir auch nicht, wo er die Kunst des Orgelbaues erlernte. Naheliegend wäre aber etwa eine Lehre in der Werkstatt von Konrad Kitzinger oder Künzinger in Münnerstadt. Dieser Orgelbauer entfaltete in der 2.Hälfte des 17.Jahrhunderts eine fruchtbare Tätigkeit im Bereich der heutigen bayerischen Rhön, von der allerdings mit Ausnahme einer Prospekte nur sehr wenig bis heute erhalten ist. Johann Christoph Hart war allerdings nicht nur Orgelbauer, ab 1670 ist er auch als Schulmeister und Organist in Kaltensundheim nachweisbar, 1682 wohnte und arbeitete er in gleichen Funktionen im benachbarten Kaltenwestheim im heutigen Thüringen, wo er auch als – Gastwirt! Tätig war. Seine Heimatstadt Ostheim beauftragte ihn sodann im Jahre 1673 mit dem Neubau einer Orgel für die Stadtkirche St. Michael. 1738 wurde dieses Instrument, wie bereits gehört, durch einen Neubau ersetzt und das nur knapp über 60 jahre alte Instrument ins benachbarte Oberwaldbehrungen versetzt. Dort war man beim Kirchenneubau - nach einem verheerenden Brand - sicher dankbar für ein vergleichsweise günstiges Instrument. 1685 errichtete er eine Orgel in Hartershausen bei Schlitz im Hessischen. Darüber hinaus wissen wir von Orgelneubauten, die Hart zwischen 1683 und 1701 in Kaltensundheim, Kaltenwestheim und Helmershausen – alle in der Thüringischen Rhön gelegen – ausgeführt hat. Erhalten blieben hiervon jeweils nur teilweise die Orgeln in Hartershausen und Oberwaldbehrungen. Bei der Aufstellung in Oberwaldbehrungen 1738 wurde die Orgel durch Johann Ernst Döring erstmals in ihrer klanglichen Zusammensetzung verändert. 1858 wurde das Instrument durch Georg Markert und 1974 durch die Firma Orgelbau Hoffmann, beide aus Ostheim vor der Rhön instandgesetzt und ebenfalls dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend leicht umgestaltet. 1989 erfolgte die vorerst letzte Restaurierung durch die Firma Gebrüder Hey aus Urspringen. Das Instrument besitzt 12 Register auf einem Manual und Pedal. In sieben Registern befindet sich historisches Pfeifenmaterial, das entweder von Johann Ernst Döring 1738 oder teilweise noch von Johann Christian Hart 1673 stammt.
Die Ornamente am Prospekt und der ganze äußere Aufbau der Orgel entspricht in vielen Details dem Instrument, das Johann Christian Hart 1685 in Hartershausen bei Schlitz erbaut hat. Klanglich ist die Orgel heute nicht mehr einheitlich und enthält Pfeifen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Das Manual, das vom Ton C bis zum c3 reicht unter Aussparung von Cis steht auf Basis eines Principal 4'. Dazu gesellen sich die Stimmen Gedackt, Quintatön und Piffaro 8' sowie ein Flauto 4'. Darüber stehen noch die Octave 2', eine Quinte 1 1/3', eine Sesquialtera 2fach sowie eine 4fache Mixtur. Im Pedal, das heute bis zum c1 reicht, finden wir die Stimmen Subbaß 16', Octavbaß 8' sowie laut Registerschild ein Violon 4', der aber eher ein Octavbaß 4' ist und bei der Renovierung des Jahres 1974 eingefügt wurde. Dazu kommt noch eine Pedalkoppel. Die auf dem Prospekt dargestellte Jahreszahl 1673 wurde in der früheren Literatur auch wieerholt als 1573 gedeutet. Daher kommt die manchmal noch verbreitete These, es handele bei dem Instrument in Oberwaldbehrungen um die älteste Orgel Frankens überhaupt. Nach der eindeutigen Entzifferung dieser Jahreszahl als 1673 weiß man aber immerhin, dass es sich um eine der ältesten Instrumente Frankens handelt, wenngleich wie erwähnt unklar ist, wie viel Pfeifenmaterial genau auf Johann Christian Hart 1673 zurückgeht und wieviel vom Umbau durch Johann Ernst Döring 1738 noch vorhanden ist. Genauere Untersuchungen werden dies in Zukunft klären, denn erfreulicherweise ist eine erneute Restaurierung nach heutigen denkmalpflegerischen Gesichtspunkten in Planung. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=KuDaUfdAHtA

Disposition:

Manual, CD-c3 Pedal, CD-c1  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Quintatön 8' Octavbaß 8'  
Biffaro 8' Violon 4'  
Principal 4'    
Flauto 4'    
Octave 2'    
Quinte 1 1/3'    
Sesquialtera 2f.    
Mixtur 4f.    

In Oberwaldbehrungen gespielte Stücke:
Philipp Jakob Baudrexel: Praeambulum mit Versetten octavi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=-xkdeWjlJ80 
Philipp Jakob Baudrexel: Praeambulum mit Versetten septimi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=Y1mKud8h5zo
Philipp Jakob Baudrexel: Praeambulum mit Versetten sexti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=8d_wIUA8dcY
Philipp Jakob Baudrexel: Tastata mit Variationen e-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=4P47NG1W9JY&t=2s



OCHSENTHAL (Stadt Hammelburg, Landkreis Bad Kissingen)
Kath. Filialkirche St. Odilia



Erbauer:
 Heinrich Menger (Euerdorf) 1850, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur


Ochsental ist ein Ort im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Der kleine Weiler mit 63 Einwohnerinnen und Einwohnern gehört zum Ortsteil Morlesau der Stadt Hammelburg. Ochsenthal liegt auf 253 Metern Höhe in einem sanften Taleinschnitt des Sodenbergs südöstlich von Morlesau und westlich von Hammelburg. Die erste bekannte Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1320, damals hieß die Siedlung Ossendal. Vermutet wird aber eine Besiedelung etwa ab dem Jahr 1100. Im Spätmittelalter waren die Herren von Rieneck die Besitzer des Sodenberges und hatten auch grundherrliche Rechte in Ochsenthal. Ihnen folgten die Herren von Thüngen, die gleichermaßen Würzburger und Fuldaer Lehensleute waren. 1634 verpfändeten diese ihren Besitz in Ochsenthal an das Juliusspital Würzburg. 1670 erhielt die Juliusuniversität den Rest. Das Dorf mit seiner der Heiligen Odilia geweihten Kirche kam erst 1976 zur Pfarrei Windheim und war zuvor durchgehend eine Filiale von Wolfsmünster, der Mutterpfarrei des unteren Saaletals. Die enge Zusammengehörigkeit mit Morlesau, ebenfalls eine Filiale von Windheim, führte dazu, dass Ochsenthal nicht Diebach zugeordnet wurde, obwohl es näher liegt und Windheim bereits damals keinen eigenen Pfarrer mehr hatte. Wie in Morlesau ist aber auch in Ochsenthal die Seelsorge seit 1722 wegen der großen Entfernung nach Wolfsmünster vertraglich dem Franziskanerkloster Altstadt übertragen, von wo ein „Stationar“ kommt, um die Gottesdienste zu halten. Die bemerkenswerte Chorturmkirche stammt wohl aus spätromanisch-frühgotischer Zeit. Im Chorraum wurden Wandfresken freigelegt. Die kleine neugotische Orgel stammt aus dem Jahre 1850 und wurde von Heinrich Menger aus Euerdorf erbaut.
Die kleine Orgel in Ochsenthal wurde von Heinrich Menger erbaut. Er wurde 1815 geboren und arbeitete als Orgelbauer in der Werkstatt von Johann Kirchner in Euerdorf, das liegt einige Kilometer südwestlich von Bad Kissingen. Johann Kirchner selbst, über den wir im Portrait des Instruments in der Alten Kirche Lahrbach mehr erfahren können, hatte die Orgelmacherwerkstatt in Euerdorf schon von seinem Vater übernommen. Wo Menger seine Ausbildung zum Orgelmacher erhalten hat und wann er in die Kirchner‘sche Werkstatt eingetreten ist, das wissen wir nicht. Er war jedoch ganz sicher der wichtigste Mitarbeiter Kirchners, heiratete dessen Tochter und übernahm 1848 die Werkstatt seines Schwiegervaters. Beim Bau der Orgel in Urspringen bei Marktheidenfeld, 1849 fertiggestellt, werden Johann Kirchner und Heinrich Menger gleichberechtigt als Erbauer genannt. Vermutlich stand der Seniorchef seinem Nachfolger noch einige Zeit, spätestens bis zu seinem Tod 1853 in der Werkstatt zur Seite. Dann dürfte er auch noch den Bau der Orgel in Ochsenthal begleitet haben, die 1850 entstand. In den folgenden Jahren baute Menger eine ganze Reihe von meist kleineren Instrumenten für die Kirchen in Stralsbach 1853, Poppenlauer 1858, Nüdlingen 1859, Aub im Grabfeld 1865 und in weiteren Orten Unterfrankens. Heinrich Menger baute zeitlebens Schleifladen. Handwerklich und technisch sind seine Instrumente solide gefertigt, klanglich sind sie typische Kinder ihrer Zeit. Und doch hatten es Menger und andere, regional tätige Orgelbauer in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts zunehmend Probleme, sich gegen die aufkommende Übermacht der größeren, fabrikmäßig arbeitenden Orgelbauer zu behaupten. In Unterfranken ist es speziell die Konkurrenz der Firma Schlimbach in Würzburg und vor der Firma Steinmeyer in Oettingen, die mit günstigen Preisen und guter Qualität mehr und mehr Marktanteile eroberten. Wir wissen nicht, wann Heinrich Menger seine Orgelbaufirma aufgegeben hat, auch entzieht sich sein Todesjahr unserer kenntnis. Der zeitlich letzte Nachweis datiert aus dem Jahr 1880, Menger stellte in jenem Jahr in Burghausen bei Schweinfurt eine gebrauchte Orgel auf. Aus den rund drei Jahrzehnten seines Wirkens hat nicht sehr viel die Zeiten bis heute überdauert. Neben der Orgel in Au im Grabfeld ist nur die kleine Orgel in Ochsenthal von seinem Schaffen erhalten.
Die 1850 erbaute Brüstungsorgel in Ochsenthal von Heinrich Menger besitzt sieben Register auf einem Manual und Pedal. Die Labien der Prospektpfeifen in den drei Pfeifenfeldern bilden eine V-Form. Das Manual besitzt einen Tonumfang vom Ton C bis zum c3 und folgende sechs Register: Prästant und Gedackt 8', Principal und Flöte 4', eine Quint 2 2/3' und eine 2fache Mixtur. Ebenso wie das Manual besitzt auch das Pedal einen für die Mitte des 19. Jahrhunderts sehr konservativen, wenngleich für unterfränkische Dorforgeln typischen Tonumfang, nämlich bis zum f°, also mit 18 Tasten. Hier steht ein Subbaß 16', das Pedal ist zudem fest ans Manual gekoppelt. Die Spielanlage ist seitlich angebaut und die Registerschleifen werden auf kürzestem Weg ohne jede Umlenkung direkt durch die Manubrien, also die Registerzüge betätigt. Die zuletzt im Jahr 2004 durch die Firma Hey-Orgel aus Urspringen restaurierte Orgel ist ein selten gewordenes Beispiel für eine kleinere fränkische Orgel eines regional tätigen Meisters. „Kleinmeister“ werden solche Orgelbauer dann meist genannt. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=eyPkL3W2qQk

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-f°  
Prästant 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Gedackt 8'    
Principal 4'    
Flöte 4'    
Quint 2 2/3'    
Mixtur 3f.    

In Ochsenthal gespielte Stücke:
Paul Hofhaimer: Ach edler Hort >>> https://www.youtube.com/watch?v=n4Fac7gH3qA
Carl Loewe: Andante G-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=4g2u6LthI1s
Carl Loewe: Grave a-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=qh1jnZlIU3s
Carl Loewe: Moderato C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=DPRGcs1b4EA
Carl Loewe: Moderato e-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=210lpML7_cA
Christian Heinrich Rinck: Adagio c-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=9g6UoeCus6Y&t=5s
Christian Heinrich Rinck: Andante A-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=VcKnTh5AGdQ
Christian Heinrich Rinck: Maestoso C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=Ow3wtOO_bvw&t=4s
Christian Heinrich Rinck: Unser Herrscher, unser König >>> https://www.youtube.com/watch?v=jTCrCBKD31Y
Johann Friedrich Schmoll: Allegretto G-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=Mm33q3mtoK0
Johann Friedrich Schmoll: Moderato B-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=fHI2OPpg_CU



PRÖLSDORF (Gemeinde Rauhenebrach, Landkreis Haßberge)
Kath. Pfarrkirche St. Sebastian



Erbauer: Joseph Wiedemann (Bamberg) 1860-1861, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Prölsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Rauhenebrach im unterfränkischen Landkreis Haßberge. Der Ort liegt im Steigerwald an der Rauhen Ebrach, einem westlichen Zufluß der Regnitz. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahre 1116. Obwohl nur 25 Kilometer westlich von Bamberg gelegen, gehörte der Ort immer zum Gebiet des Hochstifts Würzburg. Das dem Ort 1777 verliehene Marktrecht drückte sich in der offiziellen Bezeichnung des Dorfes mit seinen heute 340 Einwohnerinnen und Einwohnern aus, bevor der „Markt Prölsdorf“ und 15 weitere Dörfer der Umgebung im Rahmen der bayerischen Gebietsreform 1978 in neu gegründete Gemeinde Rauhenebrach eingemeindet wurde. Ein eigener Pfarrer ist bereits 1244 im Ort nachweisbar. Prölsdorf gehört damit zu den ältesten Pfarreien der Gegend. Die heutige katholische Pfarrkirche St. Sebastian entstand von 1764 bis 1766 nach Plänen des Würzburger Hof- und Dombaumeisters Johann Michael Fischer, eines Schülers von Balthasar Neumann. Die elegante Saalkirche steht auf einer Anhöhe mitten im Dorf und bildet mit dem barocken Pfarrhaus und dem benachbarten Fachwerkhaus ein fränkisches Landidyll wie aus dem Bilderbuch. Knapp einhundert Jahre später – 1861 - erhielt die Kirche ihre heutige Orgel aus der Werkstatt des Bamberger Orgelbaumeister Joseph Wiedemann.
Der Orgelbauer Joseph Wiedemann wurde 1819 in Zusamzell, heute ein Ortsteil der Gemeinde Altenmünster im Landkreis Augsburg geboren. Vermutlich erlernte er sein Handwerk zunächst bei einem schwäbischen Meister und arbeitete dann als Geselle bei dem Wiener Hoforgelbauer Jacob Deutschmann. Hier lernte Wiedemann auch die neuartige Physharmonika kennen, ein Instrument mit durchschlagenden Zungenstimmen, das er später auch selbst einige Male bauen sollte. Schließlich fand er eine Stellung als Werkmeister bei dem Bamberger Orgelmacher Johann Baptist Bischof. Als dieser 1848 starb, übernahm Wiedemann die Werkstatt und heiratete auch die Witwe seines Meisters. Der damals erst sechsjährign Sohn Bischofs, David Friedrich Bischof, wird später von seinem Stiefvater Wiedemann ausgebildet und übernimmt nach Wiedemanns Tod 1868 die Werkstatt. In den 20 Jahren seiner Tätigkeit nahm die Bamberger Werkstatt einen deutlichen Aufschwung. Rund 60 Arbeiten sind in dieser Zeit geschaffen worden, meist in der Umgebung von Bamberg, aber auch in den angrenzenden unterfränkischen Gebieten, wo er trotz starker Konkurrenz, vor allem durch die aufstrebende Werkstatt Balthasar Schlimbachs in Würzburg einige Aufträge erlangen konnte. Wiedemann war im Gegensatz zu Schlimbach ein Anhänger der Schleiflade. Nur ein einziges Mal, nämlich im Bamberger Dom hat Wiedemann zwischen 1865 und 1868, vermutlich nicht ganz freiwillig, eine Kegellade erbaut. Sämtliche Gutachter bescheinigten ihm danach zwar gute Arbeit, aber zu wenig Erfahrung im Bau von Kegelladen. Seine Bamberger Domorgel erwies sich als so störanfällig, dass sie kurze Zeit später von der Firma Steinmeyer komplett umgebaut werden musste. Dieser Mißerfolg hat ihn vermutlich so stark getroffen, daß er kurz darauf im Alter von erst 49 Jahren verstarb. Einige seiner zuvor erbauten Instrumente sind erhalten und verdienen allesamt mehr Beachtung, als ihnen heute zuteil wird. Genannt seien exemplarisch nur die 1861 errichtete Orgel in Pusselsheim im Landkreis Schweinfurt, die 2018 restauriert wurde und die etwa gleich alte, ausgesprochen klangschöne Orgel in Albertshausen bei Bad Kissingen. Zweimanualige Instrumente, wie sie Wiedemann etwa 1865 für die Stadtkirche in Ebern im Landkreis Haßfurt oder zwei Jahre zuvor für die Kirche in Randersacker bei Würzburg schuf, sind hingegen keine mehr erhalten. Die Orgel in Prölsdorf wurde 1860 „veraccordirt“, konnte 1861 eingeweiht werden und ist bis heute völlig unverändert erhalten.
Die Wiedemann-Orgel in Prölsdorf ist aufgrund ihres unangetasteten Zustands ein wertvolles Zeugnis für den Bamberger Orgelbau im 19. Jahrhundert, der sich bruchlos aus der barocken Tradition der Meister Johann Grebenstein und Johann Michael Schott weiterentwickelt hat. Der Prospekt in Prölsdorf zeigt neuromanische Formen mit einem großen Strahlenkranz und IHS-Symbol in der Mitte. Die Orgel besitzt 13 Register, Schleifladen und einen freistehenden Spieltisch mit Blick zum Altar. Im bis zum f3 ausgebauten Manual finden wir die Stimmen Principal, Gedackt, Flöte, Gamba und Solicional 8', Octav und Waldflöte 4', Quint 3', Superoctav 2' sowie eine 5fache Mixtur auf 2'-Basis. Das Pedal mit einem Ambitus bis zum c1 ist mit Subbaß und Violonbaß 16' sowie einem Octavbaß 8' besetzt, dazu kommt eine Pedalkoppel. Die Orgel in Prölsdorf ist gänzlich klassisch konzipiert, mit profundem Wissen um und Respekt vor der Technik der alten Meister und doch keineswegs epigonenhaft, sondern in Charakter und Ausdruck fest im 19.Jahrhundert verwurzelt.

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=B8Gx3qv27Zk

Disposition:

Manual, C-f3 Pedal, C-c1  
Principal 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Violonbaß 16'  
Flöte 8' Octavbaß 8'  
Gamba 8'    
Solicional 8'    
Octav 4'    
Waldflöte 4'    
Quint 3'    
Superoctav 2'    
Mixtur 5f.    

In Prölsdorf gespielte Stücke:
Carl Benker: Präludium F-Dur I >>> https://www.youtube.com/watch?v=K4zzTDOXVdo
Carl Benker: Präludium F-Dur II >>> https://www.youtube.com/watch?v=KkCHtA0hWEA&t=57s
Werner Fabricius: Praeambulum X in a >>> https://www.youtube.com/watch?v=c1FyA-IF9Rk
Werner Fabricius: Praeambulum XI in a >>> https://www.youtube.com/watch?v=K127sDzQrHQ
Werner Fabricius: Praeambulum XII in A >>> https://www.youtube.com/watch?v=Z5Gx860ZZmQ
Johann Nepomuk Hummel: Präludium und Fuge c-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=UuPm0X9rn18
Vinzenz König: Versetten sexti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=JdEcbEPpYcQ&t=4s
Vinzenz König: Versetten tertii toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=92ISGe6Pn5k&t=11s
Franz Paul Rigler: Praeludium unter der Aufwandlung >>> https://www.youtube.com/watch?v=iDRFiXEgTt8
Christian Friedrich Daniel Schubart: Aus tiefer Not schrei ich zu dir >>> https://www.youtube.com/watch?v=J7kcoex7NbE&t=6s
Christian Friedrich Daniel Schubart: Herzlich tut mich verlangen >>> https://www.youtube.com/watch?v=l76ChfNQVGU&t=7s
Johann Matthias Sperger: Andante a-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=mguA0otCZ1U
Johann Matthias Sperger: Andante F-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=_C5JHK83XQQ
Johann Matthias Sperger: Andantino poco Adagio f-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=QypuyQ9Br9I



ROHRBACH (Stadt Karlstadt, Landkreis Main-Spessart)
Kath. Pfarrkirche St. Valentin



Erbauer: Johann Philipp Albert Seuffert (Würzburg) 1789, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Den Ortsnamen Rohrbach gibt es in Deutschland, wenn ich richtig gezählt habe, insgesamt 37 Mal. Das Rohrbach, in dem wir heute zu Gast sind, ist ein Ortsteil der Stadt Karlstadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart mit aktuell 440 Einwohnerinnen und Einwohnern. In einer Urkunde von Papst Lucius III. wird das Dorf im Jahre 1182 erstmals genannt. Im Jahre 1342 wird Rohrbach als ein Teil der Mutterpfarrei Karlburg bezeichnet. Der Ort gehörte zusammen mit der umliegenden Gegend für Jahrhunderte zum Hochstift Würzburg innerhalb des Fränkischen Reichskreises. 1978 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde im Zuge der bayerischen Gebietsreform in die Kreisstadt Karlstadt eingemeindet. Das Ortsbild wird geprägt durch den Turm der katholischen Pfarrkirche St. Valentin, die zwischen 1776 und 1778 nach Plänen des Würzburger Hofbaurats Johann Philipp Geigel errichtet wurde. Der Fassadenschmuck stammt von Johann Peter Wagner, der auch für die Innenausstattung der Kirche verantwortlich zeichnete. Der Stil Johann Peter Wagners vereint Elemente des Rokoko und des Frühklassizismus miteinander und genau in diesem Stil präsentiert sich uns auch die Orgel, die 1789 von Johann Philipp Albert Seuffert geschaffen wurde. Er ist der letzte Vertreter jener bedeutenden fränkischen Orgelbauerfamilie, die in drei Generationen fast das ganze 18. Jahrhundert lang prägend für die mainfränkische Orgellandschaft war.
Johann Philipp Albert Seuffert wurde 1763 in Würzburg als Sohn von Franz Ignaz Seuffert und Enkel von Johann Philipp Seuffert geboren. Der Großvater hatte seit 1731 den Titel eines Hoforgelmachers inne und erarbeitete sich in den folgenden Jahrzehnten durch sehr hochwertige Instrumente, aber auch eine gesunde Geschäftstüchtigkeit fast eine Art Monopol rund um Würzburg. Franz Ignaz Seuffert übernahm in der zweiten Generation das Amt des Hoforgelmachers, erbaute aber bei weitem nicht mehr so viele Instrumente wie der Stammvater der Dynastie. Stattdessen befasste er sich auch mit dem Bau anderer Tasteninstrumente und erwarb sich einen guten Ruf als Klavier- und Clavichordbauer. 1789 übernahm der 26jährige Johann Philipp Albert Seuffert die Werkstatt, während sein Vater sich zurückzog und eine Lebensbeschreibung des Firmengründers verfaßte. Auch der Enkel hatte natürlich sein Handwerk in der väterlichen Werkstatt gelernt und wirkte darüber hinaus als geschätzter Kontrabassist im Hoforchester zu Würzburg mit. Sein Erstlingswerk ist die Orgel in Rohrbach, die 1789 noch im Jahr der Firmenübernahme erbaut wurde und als eines der ganz wenigen Instrumente aus der dritten und letzten Generation der Familie Seuffert bis heute erhalten ist. Rund 20 Orgelneubauten aus seiner Werkstatt sind überliefert, doch nur drei davon sind bis heute einigermaßen erhalten geblieben. Neben der Orgel in Rohrbach ist dies die 1792 vollendete Orgel in Neuses am Berg bei Dettelbach im Landkreis Kitzingen, eine nahezu Eins-zu-Eins-Kopie des Instruments in Rohrbach sowie die 1815 erbaute Orgel in Halsheim bei Arnstein im Landkreis Main-Spessart. Im Vergleich zum Schaffen seines Vaters und mehr noch zu dem seines Großvaters nimmt sich diese Anzahl sehr gering aus, doch hatten sich die Zeiten durch die Säkularisation und ihre Folgen auch für Orgelmusik und Orgelbau grundlegend gewandelt. Trotz aller Umstände führte Johann Philipp Albert Seuffert das Amt des Hoforgelmachers bis zu seinem Tod im Jahre 1834 weiter. Danach wurde die Werkstatt zunächst durch seinen Gesellen Michael Steinbach als Geschäftsführer weitergeführt. 1836 erwarb sie Balthasar Schlimbach, der in der Folge daraus ein Unternehmen schuf, das – ähnlich wie die Familie Seuffert im 18.Jahrhundert - die Entwicklung des Orgelbaues in Mainfranken im 19.Jahrhundert maßgeblich prägen sollte.
Die Orgel in Rohrbach ist, im Gegensatz zu den Instrumenten des Vaters und des Großvaters, die jeweils ganz klassisch barocke Prospekte zu bauen pflegten, mit interessanten frühklassizistischen Schnitzereien versehen: flammenartige Palmzweige, eine zopfige Vase, gekräuselte Bänder und zwei barocke Putten. Auf der größten Prospektpfeife hat sich der Erbauer mit seinem Namenszug und der Jahreszahl 1789 verewigt und durch eine glückliche Fügung sind diese Prospektpfeifen auch der Abgabe im Ersten Weltkrieg entgangen. Spätere Reparaturen haben den Charakter des Instrumentes nicht wesentlich verändert, das zu Beginn der 1980er Jahre restauriert wurde. Insgesamt 11 Register sind verteilt auf ein Manual und Pedal. Die Disposition ist im Gegensatz zum Äußeren des Instruments noch ganz klassisch angelegt und könnte genauso auch von Vater und Großvater Seuffert gebaut worden sein. Das Manual, das bis zum d3 ausgebaut ist, besitzt Principal, Gedackt und Salicional 8', Prestant und Flöte 4', Quinte 3', Octave 2' sowie eine 3fache Mixtur und eine 3fache Zymbel. Das Pedal ist ein typisch altfränkisches Kurzpedal mit lediglich 15 Tasten und den Stimmen Subbaß 16' und Octavbaß 8', dazu kommt eine starre, also nicht abregistrierbare Pedal-Ventilkoppel. Der heitere, fränkische Barock, den wir in Rohrbach in seinen spätesten Formen optisch erleben können, findet seinen musikalischen Widerhall in der sinnenfrohen Musik süddeutscher Klosterkomponisten. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=5h0np1WQujE

Disposition:

Manual, C-d3 Pedal, C-d°  
Principal 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Gedackt 8' Octavbaß 8'  
Salicional 8'    
Prestant 4'    
Flöte 4'    
Quinte 3'    
Octave 2'    
Mixtur 3f.    
Cimbel 3f.    

In Rohrbach gespielte Stücke:
Johann Georg Albrechtsberger: Andante F-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=sBUuzAipO4U
Adriano Banchieri: Prima Sonata Ingresso d´un Ripieno >>> https://www.youtube.com/watch?v=Oy2JFZlePBk
Adriano Banchieri: Primo Dialogo Acuto & Sopr´acuto >>> https://www.youtube.com/watch?v=fFvMjNrIYnk&t=9s
Theodor Grünberger: Abmarsch der Klosterfrauen aus Geisenfeld 1802 >>> https://www.youtube.com/watch?v=WPcNlvvRRjQ&t=35s
Stephan Hammel: Praeludium C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=Czm8PfFzuao&t=4s
Joseph Haydn: Andante F-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=3XuxNbn2AVc
Johann Speth: Partite diverse sopra l´aria detta la Todesca >>> https://www.youtube.com/watch?v=o8HZpDrI_50&t=5s
Ludwig Zöschinger: Parthia in F ("Die Henne") >>> https://www.youtube.com/watch?v=27HktoVHuVQ&t=51s



ROTH (Gemeinde Hausen, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Kath. Filialkirche St. Antonius



Unbekannter Erbauer um 1680
, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Orte mit dem Namen Roth gibt es insgesamt 25 mal in Deutschland. Mitten im wunderschönen Biosphärenreservat Rhön, auf einer Höhe von 488 Metern liegt Roth vor der Rhön; ein Ortsteil der Gemeinde Hausen, die heute samt ihren Ortsteilen zur Verwaltungsgemeinschaft Fladungen im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld gehört. Die Umgebung mit ihrer vielfach noch ungestörten Schönheit und Ursprünglichkeit, den vielen Wanderwegen und heimeligen Dörfern ist schon längst kein touristischer Geheimtipp mehr. Die in der Nähe liegende Burgruine Hildenburg wurde bereits um das Jahr 800 erbaut und die Dörfer ringsherum, im Tal der Streu, dürften allesamt nicht sehr viel jünger sein, auch wenn sie teilweise erst viel später urkundlich genannt werden. 1228 erhielt das Hochstift Würzburg die hildenburgischen Güter zu Lehen. Kirchlich gehörte Roth anfangs zur alten Großpfarrei Mellrichstadt, dann zur Pfarrei Nordheim vor der Rhön. 1574 war die mittelalterliche Kapelle verfallen; die Betstunden, Predigten und Beerdigungen wurden damals unter freiem Himmel gehalten, Taufen und Trauungen in den Häusern der Bauern. 1683 wurde eine Kirche zu Ehren des Hl. Antonius von Padua errichtet, die 1959-60 durch das heutige Gotteshaus ersetzt wurde. 1978 wurde Roth im Rahmen der bayerischen Gebietsreform ein Ortsteil von Hausen. Auf der Empore der Kirche hat sich eine der rätselhaftesten Orgeln der ganzen Rhön erhalten. Rätselhaft deshalb, weil hier eines der ältesten Orgelinstrumente der Region durch viele Umbauten kaum in seiner ursprünglichen Gestalt erkannt werden kann und zudem keine schriftlichen Dokumente über die Entstehung vorliegen. Wir werden also nicht umhinkommen, ein wenig an anderen Orgeln der Umgebung zu vergleichen und auch etwas zu spekulieren.  
Das älteste schriftliche Zeugnis über die Orgel in Roth ist ein um 1870 erstelltes Angebot über einige kleinere Reparaturen von der Hand des Ostheimer Orgelbauers Johann Georg Markert. Wir wissen daher nicht, ob die Orgel ursprünglich schon für die alte Rother Kirche erbaut wurde oder ob es als gebrauchtes Instrument aus einer anderen Kirche stammt. Markert spricht von fünf Manualregistern, einem Gedackt und ansonsten nur Metallpfeifen sowie einem Octavbaß 8 Fuß im Pedal. Die geplanten Arbeiten führte dann aber Wilhelm Hey aus, der sich gerade in Sondheim vor der Rhön selbstständig gemacht hatte. Um 1930 erfolgten weitere Arbeiten an der Orgel, wobei sie auch ihren alten Prospekt verlor. Als man das Instrument 1960 in die neue Kirche umsetzte, stellte man kurzerhand einen Zink-Subbaß auf einer pneumatischen Zusatzlade vor die Orgel, während das Manualpfeifenwerk durch einen Spanplattenverschlag verdeckt wurde. 1999 erfolgte eine Restaurierung durch die Firma Hey aus Urspringen in der Rhön - ganz in der Nähe -, bei der ein barock nachempfundener Prospekt auf das erhaltene Untergehäuse mit der Spielanlage Markerts aufgesetzt und das überlieferte Klangbild im Manual bewahrt wurde, während die Pedallade und zwei Pedalregister neu gefertigt wurden. Doch wer hat die Orgel in Roth ursprünglich erbaut? Zwei Eigenheiten geben hier vage Hinweise. Die Gamba weist auffällig angerissene Dreiecks-Oberlabien auf, wie wir es in ganz ähnlicher Form an der Quintade in Völkershausen bei Ostheim finden, die 1731 von Nikolaus Seeber und Johann Ernst Döring erbaut wurde. Die barocke Manualwindlade in Roth liegt in ganz eigentümlicher Weise zwischen dem Gesimskranz; die nach vorn aufgehenden Spunde liegen hinter einem abnehmbaren Brett zwischen den beiden Zierprofilen des Kranzes. In der Umgebung finden wir nur an einer einzigen Orgel eine ähnliche Konstruktion und zwar in Willmars, die von der Hand des Orgelbauers Matthäus Obermüller aus Meiningen stammte. Im Orgelportrait seiner Orgel in Rückers bei Hünfeld kann man bei Interesse etwas mehr über ihn erfahren. Obermüller hatte 1699 auch die Orgel für Nordheim vor der Rhön gebaut, dem Roth als Filiale zugeordnet war. 1795 wurde diese Orgel durch Johann Brähler aus Unterbimbach neu erbaut, wobei Brähler Teile des Prospekts und des Pfeifenwerks in Nordheim wiederverwandte. Es könnte nun sein, dass Brähler aus dem Rest, also der Windlade und weiteren, in Nordheim nicht mehr benötigten Teilen des Pfeifenwerks eine kleine Orgel für die Filiale Roth erbaut hat, die ergänzend mit weiterem gebrauchtem Pfeifenmaterial wie etwa der Gambe ausgestattet wurde. Diese These ist natürlich Spekulation, doch wissen wir von Johann Brähler, daß er bei allen seinen bekannten Orgelbauten in einem für die Zeit ungewöhnlichem Maß brauchbares Material von älteren Instrumenten wiederverwendet hat.  
Als ich im Sommer in Roth zu Besuch war, war es heiß, die Kirchentüren hatte man schon morgens weit geöffnet und schon hatten sich zwei Amseln in die Kirche verirrt. Wir versuchten zwar zu zweit, die Tiere nach draußen zu locken, doch gelang es uns nicht und so kam es, dass sie an diesem Tag mit ihrem Gesang in den Orgelklang einstimmten und sich in den Klangbeispielen deutlich vernehmbar flügelflatternd darüber freuten. Die Orgel in Roth besitzt heute 7 Register. Im Manual mit kurzer Baßoktave und ausgebaut bis zum c3 finden wir Gedackt und Viola di Gamba 8', Gemshorn 4', Octav 2' und eine dreifache Mixtur. Das Pedal geht, ebenfalls mit kurzer Octave im Baß bis zum a° und verfügt über Subbaß 16' sowie Octavbaß 8' und ist fest ans Manual gekoppelt. 

Link zum klingenden Orgelportrait: 

Disposition:

Manual, CDEFGA-c3 Pedal, CDEFGA-f°  
Gedact 8' Subbaß 16' Pedalkoppel (fest)
Viola di Gamba 8' Octavbaß 8'  
Gemshorn 4'    
Octav 2'    
Mixtur 3f.    

In Roth gespielte Stücke:
Anonymus: Almande prynce >>> https://www.youtube.com/watch?v=bMEqvhDe41Y&t=7s
Anonymus: Ghij Volcheren des aertrijcx al >>> https://www.youtube.com/watch?v=9hmRinVlEaA
Girolamo Frescobaldi: Magnificat sesti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=e50FbKiI3Kc
Johann Jakob Froberger: Canzona in a >>> https://www.youtube.com/watch?v=ZYCMaFhesFo
Johann Jakob Froberger: Fantasia sopra sol la re >>> https://www.youtube.com/watch?v=Xnf_pY0rMeM
Adam Ileborgh: Praeambulum super d a f et g >>>
Adam Ileborgh: Sequitur Praeambulum in C >>>
Sebastian Ochsenkhun: Innsbruck, ich muß dich lassen >>>
Raimund Schächer: Partita über "Antidotum Tarantula" >>>
Johann Speth: Magnificat quinti toni >>>
Domenico Zipoli: Al post Comunio in F >>>
Domenico Zipoli: Canzona in d >>>



SCHIMBORN (Markt Mömbris, Landkreis Aschaffenburg)
Alte Kath. Kirche St. Jakobus



Erbauer:
 Philipps AG (Aschaffenburg) 1943-1945, Kegelladen, pneumatische Spiel und Registertraktur

Schimborn ist ein Ortsteil des Marktes Mömbris im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg. Das Dorf mit rund 1.700 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt im Vorspessart, im mittleren Kahlgrund, rund 15 Kilometer nordwestlich von Aschaffenburg und etwa 12 Kilometer südöstlich von Alzenau. 1190 wird das Dorf in einem Lehensverzeichnis der Herren von Eppstein als "Schoneburnen" erwähnt – und diesen „schönen Brunnen“ gibt es übrigens heute noch, es ist das "Gemeine Börnchen" unweit des Gasthauses Rose. Das Dorf lag schon im Mittelalter im Gebiet des Erzstifts und späteren Kurfürstentums Mainz, hart an der Grenze zum reichsunmittelbaren Freigericht Alzenau. Seit Schimborn 1816 bayerisch wurde, gehörte der Ort zum Landgericht und späteren Landkreis Alzenau. 1978 erfolgte die Eingemeindung in den benachbarten Markt Mömbris. Mittelpunkt der katholischen Gemeinde ist die Pfarrkirche St. Jakobus mit angeschlossenem Pfarrzentrum, die 1975 eingeweiht wurde. Hundert Jahre zuvor hatte man an der Stelle früherer Gotteshäuser im Ortskern die Alte Kirche im neugotischen Stil errichtet. Nach 1975 wurde diese dann nicht mehr genutzt, doch in den Jahren 1999 bis 2000 konnte sie dank der Initiative eines rührigen Vereins restauriert und durch den aus Schimborn gebürtigen Würzburger Weihbischof Helmut Bauer wieder eingeweiht werden. Auch die Orgel wurde dabei überholt und wieder spielbar gemacht. Erst bei näherer Beschäftigung offenbart das Instrument seine ungewöhnliche, ja einmalige Geschichte. Erbaut wurde es in einer Zeit, in der dies eigentlich verboten war von einer Firma, die eigentlich aus dem Metier der Kinoorgel kam. 
Auf dem Spieltisch der Orgel in Schimborn lesen wir den Firmennamen "Philipps". Johann Daniel Philipps wurde 1846 in Bromskirchen im heutigen Landkreis Waldeck-Frankenberg geboren. 1886 gründete er in Frankfurt die "Frankfurter Orchestrion- & Piano-Instrumenten-Fabrik Philipps". Zuvor hatte er eine Weile in Vöhrenwald im Schwarzwald gelebt, wo auch Michael Welte seine in jener Zeit schon zu Weltruhm gekommene Orchestrion-Firma betrieb. Ähnlich wie Welte erbaute auch Philipps um die Jahrhundertwende Klaviere, die über Notenrollen betrieben wurden; die Serie nannte sich "Pianella". Aber Philipps war einer der ersten, die einen automatischen Wechsel der Notenrollen einbauten. Mit dem 1905 patentierten Revolver-Magazin konnten bis zu 12 Notenrollen eingelegt und je nach Wahl wiedergegeben werden. Entwickelt hatte dieses System Philipps Mitarbeiter Leopold King, geboren 1863 in Niedereschach im Schwarzwald. In den zwanziger Jahren fertigte die Firma dann mehr und mehr Kinoorgeln. Nach dem Tod des Firmengründers 1926 geriet das Unternehmen allerdings durch eine ziellose Geschäftsstrategie zunehmend in Schwierigkeiten. Ab 1930 war die Firma unter dem Namen Piano- und Orgelwerke Philipps AG in Aschaffenburg ansässig. Ab der Zeit entstanden auch Kirchenorgeln, typische Kinder ihrer Zeit mit pneumatischen Kegelladen und romantischen, später orgelbewegt angehauchten Dispositionen. Verantwortlich für ihren Bau war der 1896 geborene und 1978 verstorbene gleichnamige Sohn von Leopold King. Wenig nur ist davon erhalten, so etwa die Orgel in Wörth am Main im Landkreis Miltenberg von 1934 mit 23 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Im Zweiten Weltkrieg war der Bau neuer Orgeln aufgrund eines Erlasses des Reichsministers für Bewaffnung und Munition ab Ende 1942 generell verboten; lediglich bereits angefangene Arbeiten durften noch zu Ende geführt werden. Schimborn besaß damals eine Orgel der Firma Riederer aus Landshut von 1909, die 1943 abgebaut wurde und 1952 in Aschaffenburg eine neue Heimat fand. Am Ende des Krieges war in Schimborn aber schon die neue Orgel fertig, über deren Bau verständlicherweise keine Akten existieren; denn als Bauzeit gelten die Jahre 1943 bis 1945. Auf einer Subbaß-Pfeife fand man bei der Restaurierung die Angabe „November 1944“. Und so, wie Leopold King die Orgel in jener Endphase des Krieges - unter dem Damoklesschwert des durch den „Totalen Krieg“ legitimierten Verbots und mit der täglichen Sorge um Leib und Leben - fertiggestellt hat, steht sie noch heute in Schimborn.  
„Dem Herren musst du trauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll besteh’n“. Vielleicht hatte Leopold King manchesmal diese Strophe von Paul Gerhards Lied „Befiehl du deine Wege“ im Sinn, als er – gewiß unter größter Geheimhaltung - die Orgel in Schimborn erbaute. Das Instrument besitzt 15 Register und eine insgesamt noch sehr romantisch anmutende Disposition, pneumatische Kegelladen und eine Spielanlage, die sehr an Orgeln der Firma Welte erinnert. Im Hauptwerk stehen Principal, Gedackt und Salicional 8', Octave und Rohrflöte 4' sowie eine 3fache Mixtur. Das Schwellwerk besitzt Geigenprincipal, Quintade und Dolce 8', Fugara 4', Blockflöte 2' und eine Sesquialtera, das Pedal Subbaß und Zartbaß 16' sowie einen Octavbaß 8', dazu kommen die üblichen Normalkoppeln, eine Superoktavkoppel, feste Kombinationen sowie Schweller und Walze. Wenn heute die Orgel in Schimborn erklingt – aber das tut sie nur sehr selten, da die Alte Kirche kaum genutzt wird – so ist sie uns zugleich auch Mahnerin. Mahnerin, Künderin und Stärkerin im Glauben gerade in schweren Zeiten: „Und ob gleich alle Teufel hier wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehen; Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt.“

Link zum klingenden Orgelportrait: 

Disposition:

Hauptwerk, C-g3 Schwellwerk, C-g3 Pedal, C-f1  
Principal 8' Geigenprincipal 8' Subbaß 16' Normalkoppeln
Gedackt 8' Quintade 8' Zartbaß 16' Superoctavkoppel II-I
Salicional 8' Dolce 8' Octavbaß 8' Schweller
Octave 4' Fugara 4'   Walze
Rohrflöte 4' Blockflöte 2'   3 feste Kombinationen
Mixtur 3-4f. Sesquialtera 2f.    

In Schimborn gespielte Stücke:
Max Drischner: Partita "Befiehl du deine Wege" >>>
Heinz Erhardt: Präludium c-moll >>>
Heinz Erhardt: Präludium Fis-Dur "Totensonntag" >>>
Hermann Grabner: Christ lag in Todesbanden >>>
Hermann Grabner: Herzlich lieb hab ich dich, o Herr >>>
Hermann Grabner: Te Deum laudamus >>>
Kurt Hessenberg: Die güldne Sonne >>>
Sigfrid Karg-Elert: A cool October morning (alla MacDowell) >>>
Günter Raphael: Freu dich sehr, o meine Seele >>>
Günter Raphael: Jesu, meines Lebens Leben >>>



SOMMERHAUSEN
 (Landkreis Würzburg)
Ev. Pfarrkirche St. Bartholomäus



Erbauer:
 Georg Friedrich Steinmeyer (Oettingen) 1875, Kegelladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Der Markt Sommerhausen liegt rund 13 Kilometer südlich von Würzburg am rechten Main-Ufer. Ein fränkisches Winzerdorf wie aus dem Bilderbuch, in dem es neben urigen Weinstuben mehrere Galerien und drei Theater gibt – in einem davon hatte der bekannte Dieter Nuhr 1987 seine ersten Auftritte als Kabarettist. Eine vollständig erhaltene Dorfmauer umgibt den Ort, der – von Ochsenfurt, Frickenhausen und Eibelstadt umkränzt – heute als ein Aushängeschild fränkischer Romantik gilt. Der Ort gehörte nicht zum Hochstift Würzburg, sondern zur Herrschaft Speckfeld der Schenken von Limpurg, später Reichsgrafschaft Limpurg-Speckfeld. 1542 wurde in der kleinen, nur 2 Quadratmeilen großen Herrschaft die Reformation eingeführt, so daß Sommerhausen und ebenso Winterhausen auf der anderen Seite des Mains bis heute eine protestantische Enklave im sonst überwiegend katholischen Mainfranken ist. Von der um 1260 errichteten Bartholomäuskirche steht heute noch der Turm, die von 1739-40 ihr heutiges Schiff nach Plänen des markgräflich-Ansbachischen Obristbaudirektors Leopoldo Retti erhielt. Sehenswert ist die Renaissance-Kanzel von 1621, an der sich noch heute die alte Kanzeluhr befindet, die den Pfarrer an die vorgegebene Predigtdauer erinnern sollte. Auch der Entwurf des Orgelprospekts stammt von Leopoldo Retti, der ursprünglich ein Werk von Johann Philipp Seuffert mit 14 Stimmen enthielt. 1875 wurde sie durch ein Instrument von Georg Friedrich Steinmeyer aus Oettingen ersetzt. 
Der Name Steinmeyer stand in der zweiten Hälfte des 19. und während des gesamten 20. Jahrhunderts für eine der führenden Orgelbaufirmen Deutschlands. Gründervater ist der 1819 in Walxheim im Ostalbkreis geborene Georg Friedrich Steinmeyer. Er hatte zunächst eine Schreinerlehre durchlaufen und sich dann bei Aloys Thoma in Oettingen, in Augsburg, Ulm und schließlich ab 1843 bei Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg zum Orgelbauer ausbilden lassen. Von Walcker erhielt er die entscheidenden Impulse, vor allem zum Bau der Kegellade, zu deren entschiedenem Verfechter Steinmeyer in Bayern wurde. 1847 machte er sich in der Werkstatt des verstorbenen Thoma in Oettingen selbstständig. Der Ort war geschickt gewählt, denn der große Konkurrent Walcker agierte damals noch vornehmlich jenseits der Landesgrenze im Königreich Württemberg; und Oettingen lag an einer der ersten überregionalen Eisenbahnstrecken Bayerns, der Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Lindau nach Hof, was Transport von Material und Orgelteilen sehr erleichterte. Bis zum Tod des Firmengründers 1901 war die Opus-Zahl 730 erreicht; das 1875 in Sommerhausen vollendete Instrument ist op. 137. Erwähnenswert aus jener Zeit ist etwa die 1860 erbaute Orgel in der Stephanskirche zu Lindau mit 43 Stimmen, 1874 in der Kathedrale Vaduz im Fürstentum Liechtenstein und die 1879 bzw. 1880 erbauten großen Werke in Nürnberg, St. Lorenz und in der Münchener Frauenkirche. 1884 wurde der 1857 geborene Johannes Steinmeyer Teilhaber des Unternehmens; seine Brüder Gottlieb, Wilhelm, Ludwig und Albert wirkten als Holzfachmann, Spezialisten für Harmoniumbau oder Chefintonateure arbeitsteilig und wohl organisiert im Familienbetrieb mit. 1911 entstand die berühmte, bis heute wunderbar erhaltene Orgel in der Mannheimer Christuskirche mit 92 Registern, 1913 in der Bach-Kirche in Arnstadt mit 55 Stimmen und so weiter. 1925-28 ging aus der Firma die Passauer Domorgel hervor, die mit 208 Registern auf fünf Manualen und Pedal damals die größte Orgel der Welt war. 1928 übernahm der 1889 geborene Hans Steinmeyer die Firmenleitung und sogleich ging es nach Norwegen, wo 1929 im Nidarosdom zu Trondheim eine Orgel mit 139 Registern erbaut wurde, die ebenfalls erhalten und restauriert ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Firma ihre Tätigkeit ungebrochen fort, die Marienorgel in Ottobeuren und die Orgel im Hamburger Michel sind darunter vielleicht die bekanntesten. Dazu kamen in steigendem Maße Restaurierungen, die bis in die 1960er Jahre aber oftmals zu sehr auf Erneuerung denn auf Substanzerhalt ausgelegt waren. Dies änderte sich mit der Übernahme der Firmenleitung durch den 1918 geborenen Fritz Steinmeyer, unter dessen Ägide etwa die beiden bayerischen Dornröschenorgeln in Triefenstein und Maihingen vorbildlich und denkmalgerecht restauriert wurden. 2001 stellte die Firma Steinmeyer den Orgelbau ein.  
Die Orgel in Sommerhausen, 1875 mit 19 Registern auf mechanischen Kegelladen und mit einem freistehenden Spieltisch errichtet, wurde später durch die Erbauerfirma leicht in Richtung Neobarock verändert, was den weichen und runden, gänzlich romantischen Gesamtklang aber nicht beeinträchtigt. 2002 wurde sie durch die Firma Hey aus Urspringen in der Rhön letztmals restauriert. Das Hauptwerk besitzt Bordun 16', Principal, Gedeckt und Trompete 8', Octav und Flöte 4', Quinte 2 2/3', Octav 2' und eine 4fache Mixtur. Das Oberwerk verfügt über Lieblich Gedackt und Salicional 8', Principal 4' sowie die neobarocken Stimmen Blockflöte 2' und Cymbel 3fach. Im Pedal schließlich stehen Subbaß, Violon und Posaune 16', Octavbaß 8' und ein Choralbaß 4', dazu kommen eine Manual- und eine Pedalkoppel. 

Link zum klingenden Orgelportrait: 

Disposition:

Hauptwerk, C-f3 Oberwerk, C-f3 Pedal, C-d1  
Bourdon 16' Lieblich Gedeckt 8' Subbaß 16' Manualkoppel
Principal 8' Salicional 8' Violon 16' Pedalkoppel
Gedeckt 8' Principal 4' Octavbaß 8'  
Octav 4' Blockflöte 2' Choralbaß 4'  
Flöte 4' Cymbel 3f. Posaune 16'  
Quinte 2 2/3'      
Octav 2'      
Mixtur 4f.      
Trompete 8'      

In Sommerhausen gespielte Stücke:
Christian Hamm: Adagio As-Dur >>>
Johann Georg Herzog: Festpräludium a-moll >>>
Johann Georg Herzog: Fuge über B-A-C-H >>>
Friedrich Kühmstedt: Praeludium Nr. 21 d-moll >>>
Josef Latzelsberger: Pastoral-Andantino A-Dur >>>
Maria Theresia Paradis / Charles Macdonald: Siciliana Es-Dur >>>
Georg Wilhelm Rauchenecker: Andante a-moll >>>
Georg Wilhelm Rauchenecker: Andante g-moll >>>
Emil Sjögren: Legende d-moll >>>
Emil Sjögren: Legende g-moll >>>
Pietro Yon: Toccata "Conditor alme siderum" >>>



SONDHEIM V. D. RHÖN (Verwaltungsgemeinschaft Ostheim v. d. Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Ev. Pfarrkirche



Erbauer:
 Johann Georg Oestreich (Oberbimbach) 1818-1819, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Sondheim vor der Rhön ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Ostheim v. d. Rhön. Die fränkische Siedlung Sondheim v. d. Rhön wurde um 525 gegründet. 789 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung. Bis 1335 war Sondheim der bedeutendste Ort im Baringau und Sitz des Centgerichtes. Zwischen 1230 und 1435 unterstand der Ort dem Hochstift Würzburg und kam dann zum Amt Lichtenberg, welches bis 1548 zur Grafschaft Henneberg-Römhild und ab 1555 zu verschiedenen Ernestinischen Herzogtümern gehörte, zuletzt ab 1741 zu Sachsen-Weimar-Eisenach. Ab 1808 lag Sondheim in der "Exklave Ostheim" innerhalb des Königreiches Bayern und damit gehörte auch ab 1920 zum Freistaat Thüringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Sondheim zu Bayern, doch sind aufgrund der früheren Landesherrschaft die Dörfer dieser ehemaligen Exklave im Gegensatz zum katholischen Umland bis heute überwiegend protestantisch. Die Pfarrkirche des Ortes ist eine im 16.Jahrhundert erbaute und 1605 erweiterte Chorturmkirche. Sie ist in ihrem Inneren prächtig ausgestattet und ausgemalt, die Decke des Kirchenraums ziert eine große Darstellung der Himmelfahrt Christi von Johann Peter Herrlein, der auch den reich geschnitzten Kanzelaltar von Caspar Hippeli farbig gefasst hat. Wer die Kirche in Sondheim besichtigt, sollte im Übrigen nicht versäumen, dem angrenzenden, liebevoll gestalteten Bibelgarten einen Besuch abzustatten. 1699 erhielt die Kirche eine neue Orgel durch den Meininger Hoforgelmacher Matthäus Obermüller, die über dem Altar in der Emporenbrüstung stand – also auf der heute leerstehenden Empore über der Kanzel. 1818 beschloß man, eine neue Orgel zu erbauen und die Gebrüder Oestreich aus Oberbimbach, Johann Georg und Johann Adam, mit dem Bau zu betrauen. Das 1819 vollendete Instrument ist heute die einzige in Unterfranken erhaltene Arbeit der Familie Oestreich.
Die Geschichte der Orgelbauerfamilie Oestreich aus Oberbimbach bei Fulda beginnt Mitte des 18.Jahrhunderts mit Jost Oestreich, einem Schreiner und Orgelbauer, über dessen Ausbildung wir wenig Konkretes wissen. Sein Sohn Johann Markus Oestreich, 1737 geboren, sollte zum bedeutendsten Orgelbauer der über fünf Generationen wirkenden Oestreich-Orgeldynastie werden. Von ihm sind eine ganze Reihe kleinerer und mittelgroßer Instrumente mehr oder weniger original erhalten, die im Laufe der Zeit sämtlich in dieser Reihe vorgestellt werden. Johann Markus Oestreich erreicht das für jene Zeit hohe Alter von 95 Jahren und stirbt 1833. Er hatte zwei Söhne, den 1770 geborenen Johann Georg Oestreich und den sechs Jahre jüngeren Johann Adam. Beide erlernten ihr Handwerk natürlich in der väterlichen Werkstatt und arbeiteten von frühester Jugend an bei den Orgelbauten Johann Markus Oestreichs mit. Die erste selbstständige Orgelarbeit des älteren Sohnes Johann Georg war eine Reparatur in Großentaft 1795, dann im Jahr 1800 ein erster eigenständiger Neubau in Marbach bei Fulda. Diese Orgel ist allerdings nicht erhalten. In den Jahren zwischen 1795 und etwa 1820 ist es häufig schwer, eine Arbeit der Oestreichs konkret dem Vater oder einem der beiden Söhne zuzuordnen, da sie häufig gemeinsam arbeiteten. Lediglich die Prospektform deutet an, ob Johann Georg oder Johann Adam Oestreich der Urheber war. Während Johann Georg Oestreich ausschließlich Prospekte in eher klassischen, nachbarocken Formen baut, so finden wir bei Johann Adam Oestreich stets deutliche Anklänge an klassizistische Formen. Der künstlerisch bedeutendere der beiden Söhne war Johann Adam Oestreich. Er knüpfte auch an frühere Aufträge der Familie im Westfälischen an und war von 1825 bis 1827 mit Umbaumaßnahmen an der berühmten Orgel der Klosterkirche Corvey bei Höxter beschäftigt, und übrigens gleichzeitig als deren Organist angestellt. Die 1819 fertiggestellte Orgel in Sondheim war ein Gemeinschaftswerk der beiden Brüder, der sehr klassische Prospektaufbau läßt Johann Georg als federführenden Planer vermuten. 1874 wurde die Orgel durch Georg Markert aus Ostheim vor der Rhön umgebaut. Im 20.Jahrhundert fanden weitere Veränderungen statt, die letzte umfassende Restaurierung wurde 1978 durch die Fa. Gebrüder Hey aus Urspringen in der Rhön ausgeführt.
Die Oestreich-Orgel in Sondheim vor der Rhön, die 1819 von Johann Georg und Johann Adam Oestreich vollendet wurde, besitzt nach einigen Umbauten heute wieder eine dem Original angenäherte Disposition mit 22 Registern auf 2 Manualen und Pedal. 10 Register stehen im Hauptwerk, das ebenso wie das Oberwerk vom Ton C bis zum f3 ausgebaut ist. Der klassische Principalchor steht auf 8'-Basis und ist über die Oktaven 4' und 2' nebst Quinta 3' lückenlos nach oben geführt. Grundiert wird der Klang von einem Quintatön 16' und schattiert von Gedackt, Viola di Gamba und Salicional 8' und einem Gemshorn 4'. Als Klangkrone besitzt das Hauptwerk eine 4fache Mixtur. Das farbenreiche Oberwerk ist mit 7 Stimmen besetzt, wir finden hier Gedackt und Flauto Traverso 8', Principal und Spitzflöte 4', ein Flageolett 2', eine 3fache Mixtur sowie eine Hautbois 8'. Das bis zum c1 geführte Pedalwerk besitzt Subbaß, Violon und Posaunenbaß 16', ein Violoncello 8' und einen Oktavbaß 4'. Interessant und im Oeuvre der Oestreichs sehr selten ist der in der Mitte über dem Spielschrank einschaltbare Zimbelstern, der über ein Windrad angetrieben wird. Der einzige Nachteil des wunderschönen und mit viel Holz ausgestatteten Kirchenraums ist die relativ trockene Akustik. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=kIPr6TduirQ

Disposition:

Hauptwerk, C-f3 Oberwerk, C-f3 Pedal, C-c1  
Quintatön 16' Gedackt 8' Subbaß 16' Manualkoppel
Principal 8' Flauto traverso 8' Violon 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Principal 4' Violoncello 8' Cymbelstern
Viola di Gamba 8' Spitzflöte 4' Octavbaß 4'  
Salicional 8' Flageolet 2' Posaunenbaß 16'  
Octave 4' Mixtur 3f.    
Gemshorn 4' Hautbois 8'    
Quinte 3'      
Octave 2'      
Mixtur 4f.      

In Sondheim v. d. Rhön gespielte Stücke:
Johann Christoph Bach: Ach Herr, mich armen Sünder >>> https://www.youtube.com/watch?v=9OQJG0qlHeY&t=8s
Johann Krieger: Praeludium in c >>> https://www.youtube.com/watch?v=Z02X26npMrU&t=8s
Christian Heinrich Rinck: Adagio und Fuge f-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=GYWWeaBUiTM
Christian Heinrich Rinck: Christ ist erstanden >>> https://www.youtube.com/watch?v=-y9WJw5VXmo
Christian Heinrich Rinck: Fughetta a-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=SZ9Nw6Zef-Q
Johann Gottfried Schicht: Andante F-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=-QgPo6b1tZQ
Johann Gottfried Vierling: Adagio con afflizione e-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=1tIUjCmpoGc&t=29s
Johann Gottfried Vierling: Affetuoso C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=elHkbjI8-qg
Johann Gottfried Vierling: Allegretto a-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=eihD41upOiI
Johann Gottfried Vierling: Allegretto d-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=VqPSUULaTDY&t=10s
Johann Gottfried Vierling: Allegro moderato G-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=kQaw9JQbkhc
Johann Gottfried Vierling: Es spricht der Unweisen Mund wohl >>> https://www.youtube.com/watch?v=t4ZhvkPGNFU&t=6s
Johann Gottfried Vierling: Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ >>> https://www.youtube.com/watch?v=F68sJLM1Kic&t=214s
Johann Gottfried Vierling: Jesus Christus, unser Heiland >>> https://www.youtube.com/watch?v=lq_ZW-UNa5s&t=32s



STETTEN (Verwaltungsgemeinschaft Ostheim v. d. Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Ev. Dreifaltigkeitskirche



Erbauer: Konrad Kitzinger (Münnerstadt) 1652, Umbau und Erweiterung Johann Brähler (Unterbimbach) 1790, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Den Ortsnamen Stetten finden wir allein in Deutschland 69 Mal; allein in Bayern gibt es 42 Orte und Ortsteile, die Stetten heißen. Unser Stetten ist ein Ortsteil der Gemeinde Sondheim vor der Rhön im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist für das Jahr 838 belegt. Zwischen 1230 und 1435 unterstand der Ort dem Hochstift Würzburg und kam dann zum Amt Lichtenberg, welches bis 1548 zur Grafschaft Henneberg-Römhild und ab 1555 zu verschiedenen Ernestinischen Herzogtümern gehörte, zuletzt ab 1741 zu Sachsen-Weimar-Eisenach. Ab 1808 lag Stetten in der "Exklave Ostheim" innerhalb des Königreiches Bayern und damit gehörte auch ab 1920 zum Freistaat Thüringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Stetten zu Bayern, doch sind aufgrund der früheren Landesherrschaft die Dörfer dieser ehemaligen Exklave im Gegensatz zum katholischen Umland bis heute überwiegend protestantisch. 1978 erfolgte im Rahmen der Bayerischen Gebietsreform die Eingemeindung in das nur zwei Kilometer entfernte Sondheim. Der Chorturm der evangelischen Dreifaltigkeitskirche wurde im 15.Jahrhundert erbaut. Das Langhaus entstand in den Jahren 1650 bis 1652. Die Orgelempore ist in den Chorraum hinter dem Altar eingebaut, direkt über der Herrschaftsloge. Hier steht ein Instrument, das in der Literatur manchmal als „älteste spielbare Orgel Unterfrankens“ bezeichnet wird. Mit solchen Adjektiven muss man im Orgelbau immer aufpassen; richtig ist jedoch, dass nach dem Umbau der Kirche im Jahre 1652 hier eine Orgel errichtet wurde, von der einzelne Teile bis heute erhalten sind. Erbaut hat sie damals Konrad Kitzinger aus Münnerstadt. Allerdings wurde die Orgel später noch zweimal wesentlich umgebaut.
Konrad Kitzinger repräsentiert die dritte Generation einer einstmals berühmten Orgelbauerfamilie, die im 17. Jahrhundert in Main- und Unterfranken wirkte. Ihr Stammvater war Friedrich Künzinger, der ab etwa 1600 nachweisbar ist und sich später als Orgelmacher und Bürgermeister in Lohr am Main niederließ. Dessen um 1600 geborener Sohn Johann Georg Künzinger wirkte in Lohr, später in Münnerstadt und Neustadt an der Saale. Er besaß ein Orgelmacherprivileg für das Bistum Würzburg und erbaute einige bedeutende Instrumente unter anderem in Würzburg, Suhl, Fulda und Bad Kissingen, von denen allerdings nichts erhalten ist. Johann Georgs 1626 in Lohr geborener Sohn Konrad nannte sich nun nicht mehr Künzinger, sondern Kitzinger. Er war Schüler seines Vaters und entwickelte sich ab 1650 in Münnerstadt zum bedeutendsten Orgelbauer der Frühbarockzeit im nördlichen Unterfranken. Einige typische Prospekte mit bemalten Prospektpfeifen aus seiner Werkstatt sind noch erhalten, so etwa in Aschach, Kleinbardorf und Leubach. Seine größeren Arbeiten hingegen sind im Laufe der Zeit untergegangen und somit kommt seinem 1652 in Stetten erbauten Positiv eine ganz besondere Bedeutung zu. Konrad Kitzinger starb 1696 in Münnerstadt. Wie bereits angedeutet, in den Akten wird eindeutig von einem Positiv gesprochen, das Kitzinger damals in Stetten erbaute und das 90 Gulden kostete. Es scheint so, dass dieses Instrument noch im 17.Jahrhundert einer größeren Orgel weichen musste, bei der jedoch Teile des alten Positivs wiederverwendet wurden. Diese neue Orgel baute vermutlich Johann Christoph Hart aus Kaltenwestheim. Den Schluß, daß Hart auch in Stetten gebaut hat, lassen Vergleiche des Stettener Orgelgehäuses mit denjenigen in Hartershausen und Oberwaldbehrungen zu. Deckungsgleiche Profilquerschnitte und die für Hart charakteristische Ausformung der Turmkonsolen stützen diese Annahme. Schließlich erfolgte ein durchgreifender Umbau dieser Orgel im Jahre 1790 durch Johann Brähler aus Unterbimbach bei Fulda. Brähler hat bei diesem Umbau das vorhandene Orgelgehäuse gestreckt, wie er das häufiger gemacht hat. Ansonsten hat er auch Teile des alten Pfeifenwerks wiederverwendet; die drei Windladen und die gesamte Mechanik sind hingegen von ihm neu angefertigt worden. 1869 erfolgte eine größere Reparatur der Stettener Orgel durch Georg Markert aus Ostheim vor der Rhön, bei der auch einige Register neu angefertigt wurden.
Die interessante, historische Orgel in Stetten besitzt heute 19 Register auf zwei Manualen und Pedal. Neben drei Registern, die 1977 bei der Restaurierung durch die Firma Hoffmann aus Ostheim vor der Rhön neu eingebaut wurden, stammen fünf Register vom Umbau durch Georg Markert 1869 und zehn Stimmen gehen auf Johann Brähler 1790 zurück, wobei der Pfeifenbestand in manchen Registern nicht einheitlich ist. Die Quinte 3' im Hauptwerk mit sehr kurzen Füßen stammt mit größter Wahrscheinlichkeit noch aus der Orgel von Konrad Kitzinger von 1652. Die Manuale besitzen einen Tonumfang vom Ton C bis zum c3 ohne das Cis. Neun Register stehen im Hauptwerk, nämlich Principal, Gedact und Quintatön 8', Octave und Flauto dolce 4', die bereits erwähnte Quinte 3' von Konrad Kitzinger, sodann Octave 2' und eine 3fache Mixtur; dazu kommt noch eine 1977 hinzugefügte Trompete 8'. Das Oberwerk verfügt über Gedact, Flauto traverso und Viola di Gamba 8', Principal, Gedact und Gemshorn 4' sowie eine Octave 2'. Im innenstehenden Principal 4' des Oberwerks finden sich übrigens 20 Pfeifen mit bemalten Fratzen, also ehemalige Prospektpfeifen entweder von Konrad Kitzinger oder Johann Christoph Hart. Das Pedal besitzt 21 Tasten vom Ton C ohne das Cis bis zum a°. Es verfügt über die drei Register Subbaß und Quintatönbaß 16' sowie einen Oktavbaß 8', dazu kommt eine Manual- und eine Pedalkoppel. Die letzte Restaurierung erfolgte 1999 durch die Firma Hey Orgelbau aus Urspringen in der Rhön, die das bedeutende Instrument auch regelmäßig wartet. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=Ay37gzuJpB0&t=541s

Disposition:


Hauptwerk, CD-c3 Oberwerk, CD-c3 Pedal, CD-a°  
Principal 8' Gedact 8' Subbaß 16' Manualkoppel
Gedact 8' Flauto traverso 8' Quintatönbaß 16' Pedalkoppel
Quintatön 8' Viola di Gamba 8' Octavbaß 8'  
Octave 4' Principal 4'    
Flauto dolce 4' Gedact 4'    
Quinte 3' Gemshorn 4'    
Octave 2' Octave 2'    
Mixtur 3f.      
Trompete 8'      

In Stetten gespielte Stücke:
Johann Michael Bach: Gelobet seist du, Jesu Christ >>> https://www.youtube.com/watch?v=AqdGqcmYUPE
Johann Sebastian Bach: Gelobet seist du, Jesu Christ BWV 723 >>> https://www.youtube.com/watch?v=xueFCkyrBA8
Marianus Königsperger: Praeambulum und Versetten tertii toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=FhPj_-bTyeI
Johann Pachelbel: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn >>> https://www.youtube.com/watch?v=c2uy1iJ5I0M
Johann Pachelbel: Warum betrübst du dich, mein Herz >>> https://www.youtube.com/watch?v=nP5smROW0xM
Christian Heinrich Rinck: Schmücke dich, o liebe Seele I >>> https://www.youtube.com/watch?v=uqewTK0ArwA
Christian Heinrich Rinck: Schmücke dich, o liebe Seele II >>> https://www.youtube.com/watch?v=uqewTK0ArwA
Christian Heinrich Rinck: Schmücke dich, o liebe Seele III >>> https://www.youtube.com/watch?v=uqewTK0ArwA
Johann Friedrich Schmoll: Moderato C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=T-12KXJkGhE
Johann Friedrich Schmoll: Un poco Moderato F-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=JK7sreKHFM4
Johann Nikolaus Tischer: Sonate c-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=s09hLNOGAfo



TRIEFENSTEIN (Landkreis Main-Spessart)
Ev. Klosterkirche



Erbauer: Adam Philipp Schleich (Bamberg) 1695, Umbau Franz Beda Zettler (Kitzingen) 1785-1787, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Das Kloster Triefenstein ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift im Süden des unterfränkischen Landkreises Main-Spessart. Der Name kommt vom „Triefenden Stein“, einer Quelle, die direkt neben dem Kloster unter einem markanten Stein entspringt. Die aus mehreren Gebäuden bestehende Anlage liegt auf dem Gebiet der Gemarkung Trennfeld. Das Dorf Trennfeld bildet zusammen mit den Nachbardörfern Homburg am Main, Lengfurt und Rettersheim die heutige Gemeinde Markt Triefenstein, die im Rahmen der Bayerischen Gebietsreform 1978 gegründet wurde. Das im Jahr 1088 auf einer Anhöhe bei einer bereits bestehenden Kapelle gegründete Kloster ist ein Geschöpf der Wirren des Investiturstreits, die im Bistum Würzburg unter Bischof Adalbero auf ihrem Höhepunkt waren. Als Gründer von Triefenstein gilt Gerung, der Dekan des Stifts Neumünster zu Würzburg. Konvent und Kirche wurden gegen Ende des 17. Jahrhunderts neu aufgebaut. Die kunstgeschichtliche Bedeutung von Triefenstein beruht auf der unter Propst Melchior Zösch entstandenen Ausstattung seiner den Heiligen Petrus und Paulus geweihten Kirche. Zwischen 1784 und 1786 schuf der Würzburger Hofstuckateur Materno Bossi den Stuck, die Retabeln sämtlicher Altäre, die Kanzel, die Beichtstühle und das Chorgestühl. Die Figuren an den Altären sowie das sonstige Schnitzwerk werden dem Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner zugeschrieben. Bald darauf wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation 1803 aufgelöst. Der Klosterkomplex kam in Besitz der Grafen und späteren Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten verwahrlosten Kloster und Kirche völlig und spätestens seit Ende des Zweiten Weltkriegs war die halb verfallene Kirche unzugänglich. Erst 1986 erwarb die evangelische Christusträger-Bruderschaft, eine 1961 gegründete ordensähnliche Gemeinschaft das Gelände. Kirche und Konventbau präsentieren sich seit 1990 in einem sorgfältig restaurierten Zustand und dienen der Christusträger-Bruderschaft heute als Hauptsitz und Gästehaus für bis zu 90 Gäste. Auch die Orgel ist höchst bemerkenswert und blieb durch die jahrzehntelange Verwahrlosung der Kirche allerdings fast unverändert erhalten. Im Grunde ist sie ein Werk des Bamberger Orgelbauers Adam Philipp Schleich aus dem Jahre 1695. Doch wurde sie unter Beibehaltung des größten Teils des Pfeifenwerks in den Jahren 1785 bis 1787 durch Franz Zettler aus Ottobeuren grundlegend umgestaltet und de facto neu gebaut.
Adam Philipp Schleich wurde vermutlich 1665 als Sohn des Orgelbauers Jost Philipp Schleich geboren. Er erlernte sein Handwerk wohl bei seinem Onkel Johann Jost Schleich in Lohr und war in Kitzingen und Würzburg seßhaft, bevor er sich 1699 in Bamberg niederließ, wo er zum Hoforgelmacher ernannt wurde und 1719 verstarb. Die Orgel im Kloster Triefenstein wurde von ihm 1694 bis 1695 erbaut. Ansonsten ist aus dem Schaffen jenes Adam Philipp Schleich nur noch eine kleine, dafür sehr gut erhaltene Orgel in der Kreuzkapelle bei Gaibach erhalten, die in einem anderen Band dieser Reihe vorgestellt wird. Beim Umbau 1785 bis 1787 hatte der Orgelbauer Franz Zettler die Auflage, das Pfeifenwerk der Schleich-Orgel komplett zu übernehmen. Franz Beda Zettler wurde 1743 in Ottobeuren als Sohn des Orgelbauers Joseph Zettler geboren. Dieser Joseph Zettler erlernte sein Handwerk bei Johann Georg Hofer in Ottobeuren, übrigens zusammen mit seinem ungleich bekannteren, nur ein Jahr jüngeren Landsmann Karl Joseph Riepp. Der Sohn, also Franz Zettler, arbeitete 1764 bis 1766 beim Bau der berühmten Riepp-Orgeln in Ottobeuren mit, ebenso wie sein Kollege Johann Nepomuk Holzhey, der 1766 sogar Zettlers Schwester Cäcilia heiratete. Bei diesem Orgelbau zeigten sich aber auch sehr deutlich die unterschiedlichen Fähigkeiten von Holzhey und Zettler, so dass Holzhey schließlich die Werkstatt von Zettler senior übernahm und nicht der Sohn. Franz Zettler taucht einige Jahre später in Kitzingen auf und erbaute in den folgenden Jahren drei kleinere Orgeln für Ziegenbach, Dettelbach und Castell, die aber mit Ausnahme des Prospekts in Castell nicht erhalten sind. Der Orgelumbau in Triefenstein, 1785 begonnen, wurde für Zettler zum wirtschaftlichen Fiasko. Durch den für ihn ungünstig formulierten Kontrakt mußte er Schulden machen und hatte zunehmend technische Probleme, so dass der Orgelbau 1787 nach durchweg negativen Gutachten mehrerer anderer Orgelbauer, immerhin so Prominente wie Stumm, Seuffert und Otto, unvollendet abgebrochen wurde. Einmal, so finden wir es in den Akten vermerkt, erschien er vor dem Klostertor, um sich verbal Recht zu verschaffen. In Verlauf des Wortgefechts drohte er dem Kloster sogar mit Brandstiftung, woraufhin ein Haftbefehl gegen Zettler erwirkt wurde. In den Folgejahren schlug er sich nur noch mit Reparaturen und Wartungsarbeiten durch und vebrachte die letzten Jahre im Siechenhaus zu Kitzingen, wo er 1810 verstarb.
Der auslandende Orgelprospekt mit 13 nebeneinander angeordneten Pfeifenfeldern wurde in der Triefensteiner Klosterschreinerei hergestellt und ist eine Replik des 1770 von den Gebrüdern Stumm in Wertheim errichteten Prospekts. Die Windladen stammen von Zettler, ebenso die Ergänzungen im Pfeifenwerk der alten Schleich-Orgel. Die Spielanlage in einer Nische in der Mitte des Gehäuses erinnert nicht wenig an Ottobeuren, die dortigen Orgeln kannte Zettler ja sehr gut. In den Jahren 1989 bis 1990 wurde das viele Jahre zum Schweigen verurteilte Instrument durch die Firma Steinmeyer & Co. restauriert. Das ursprüngliche, von Zettler nicht zu Ende geführte Klangkonzept war Basis für die Rekonstruktion einiger weniger, fehlender Register. Die Manuale besitzen einen Tonumfang bis zum f3. Im Hauptwerk finden wir Principal, Gedackt, Gamba und Quintatön 8', Praestant und Spitzflöte 4', Quinte 2 2/3', Superoctave 2' sowie eine auf dem Registerzug als Scharf bezeichnete Sesquialtera, eine 4fache Mixtur, eine 2fache Cimbel und eine Trompet 8'. Das Oberwerk besitzt die Stimmen Gedackt, Salicional und eine schwebend, quasi als Biffera gestimmte Flauto dolce 8', Principal 4', Oktave und Flageolet 2', eine Quinte 1 1/3' sowie eine 3fache Mixtur und ein Fagotto 8'. Im Pedal mit einem Umfang bis zum a°, also mit 22 Tasten sind die Register Subbaß und Posaune 16' sowie Oktavbaß und Trompet 8' besetzt, dazu kommen eine Manual- und eine Pedalkoppel. Insgesamt eine farbige und charakteristische Disposition, in der sowohl oberschwäbische Elemente als auch fränkische Einflüsse vereint sind. Klanglich kann das Instrument nach der vollendeten Restaurierung die Verwandtschaft etwa mit Instrumenten von Johann Nepomuk Holzhey nicht verleugnen.

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=231ZLdZ_2Do&t=873s

Disposition:

Hauptwerk, C-f3 Oberwerk, C-f3 Pedal, C-a°  
Principal 8' Gedackt 8' Subbaß 16' Manualkoppel
Gedackt 8' Salicional 8' Octavbaß 8' Pedalkoppel
Gamba 8' Flauto dolce 8' Posaune 16'  
Quintatön 8' Principal 4' Trompet 8'  
Praestant 4' Octave 2'    
Spitzflöte 4' Flageolet 2'    
Quinte 2 2/3' Quinte 1 1/3'    
Superoctave 2' Mixtur 3f.    
Scharf 2f. (= Sesquialter) Fagotto 8'    
Mixtur 4f.      
Cimbel 2f.      
Trompet 8'      

In Triefenstein gespielte Stücke:
Johann Nepomuk Gaumer: Adagio F-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=JgVyu1n8YTY
Johann Nepomuk Gaumer: Fuga C-Dur >>> https://www.youtube.com/watch?v=HtSjs7D1RuI
Justin Heinrich Knecht: Es woll uns Gott genädig sein >>> https://www.youtube.com/watch?v=fUYQnNNirDU&t=4s
Justin Heinrich Knecht: Große Fantasie d-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=U5YTpoVrf_Q&t=15s
Justin Heinrich Knecht: Herr Gott, dich loben wir >>> https://www.youtube.com/watch?v=1CRxnXgjMz4&t=4s
Justin Heinrich Knecht: Nun danket alle Gott >>> https://www.youtube.com/watch?v=QtKFjDNmjHI&t=4s
Justin Heinrich Knecht: Veni redemptor gentium >>> https://www.youtube.com/watch?v=F6SisFm-3fc
Christian Heinrich Rinck: Erstanden ist der heil'ge Christ >>> https://www.youtube.com/watch?v=k3lGYZsWS5s
Christian Heinrich Rinck: Himmelan, nur himmelan I >>> https://www.youtube.com/watch?v=FTNLTS9F7EM&t=7s
Christian Heinrich Rinck: Himmelan, nur himmelan II >>> https://www.youtube.com/watch?v=FTNLTS9F7EM&t=7s
Justinus Will: Aria con Variationi in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=dXFMrz9oBhs&t=10s



UCHENHOFEN (Stadt Haßfurt, Landkreis Haßberge)
Ev. Kirche



Erbauer:
 Orgelbau Waltershausen 2006, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Uchenhofen ist Stadtteil der Kreisstadt Haßfurt im unterfränkischen Landkreis Haßberge. Das Pfarrdorf liegt zwischen Nassach- und Maintal innerhalb des Naturparks Haßberge. 1272 wird Uchenhofen erstmals urkundlich erwähnt. Gemäß einem Staatsvertrag zwischen dem Großherzogtum Würzburg und dem Herzogtum Sachsen-Hildburghausen wurde 1807 Uchenhofen, das zuvor zum sächsischen Amt Königsberg gehörte, an Würzburg abgetreten. Im Zuge der bayerischen Gemeindegebietsreform wird Uchenhofen im Jahre 1978 in die Stadt Haßfurt eingemeindet, und Haßfurt selbst wird ein sogenanntes mittelzentrum der Region Main-Rhön. 345 Einwohnerinnen und Einwohner leben heute in Uchenhofen, darunter zum Glück auch einige junge, strebsame Organisten. Die evangelische Dorfkirche, die ehemals dem Heiligen Martin geweiht war, ist eine Chorturmkirche aus dem 17. Jahrhundert. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde sie bis 1955 wiederaufgebaut. Im Jahre 2006 erhielt die Kirche eine neue Orgel aus der Werkstatt der Orgelbau Waltershausen GmbH. Stilistisch orientierte man sich hierbei an den Orgeln von Johann Markus Oestreich aus Oberbimbach bei Fulda – ja, mehr noch. Die Orgel in Uchenhofen ist bis auf einige kleine Details eine Kopie der Oestreich-Orgel in Bremen bei Geisa, die in einem anderen Buch dieser Reihe vorgestellt wird.
Als man Anfang des 21.Jahrhunderts eine neue Orgel für Uchenhofen plante, hat man sich nach eingehender Beratung mit der Firma Orgelbau Waltershausen für einen Nachbau der um 1800 entstandenen Oestreich-Orgel in Bremen bei Geisa entschieden. Joachim Stade und seine Kollegen fertigten das Orgelgehäuse aus Eichenholz in Massivbauweise. Die Maße wurden allerdings leicht an die Verhältnisse in der Kirche von Uchenhofen angepaßt. Passend zur Einrichtung der Kirche sollte auch das Orgelgehäuse in Naturholz belassen und nicht farbig gefaßt werden. So wurde sich für eine Fertigung aus Eiche, geräuchert, geölt, und nachgebeizt, entschieden. Die Spielanlage wurde als Konsole seitenspielig direkt ans Gehäuse gebaut, die Gestaltung als Kopie von Oestreich-Orgeln wie etwa in Nieder-Moos ausgeführt. Die Manualklaviaturen wurden mit Ebenholz und Knochen belegt. Die gerade Pedalklaviatur wurde aus Eiche angefertigt. Die Form der Obertasten richtete sich nach Oestreich - Vorbild, der Tonumfang wurde jedoch bis zum eingestrichenen d erweitert. Die Manubrien der Registerzüge wurden aus geschwärztem Holz mit Elfenbeinknopf gefertigt und darüber mit Pergamentschildern beschriftet. Die Gestaltung der Klaviaturbacken und Vorsatzbretter erfolgte wie in Nieder-Moos. Die Bälge wurden als Einfalten-Parallelbälge mit einer nach innen zeigenden Falte gefertigt. Gegenüber Keilbälgen hat dies den Vorteil, daß die Balgfläche nur halb so groß sein muß. Die Falten wurden, wie von alters her üblich, mit Flechsen verbunden und dreifach beledert. Alle Register wurden in historischer Bauform und den Mensuren nach dem Vorbild der Oestreich-Orgel in Bremen hergestellt. Die Firma Orgelbau Waltershausen wurde 1991 gegründet. Die Gründer der Firma hatten ihr Handwerk bei der Orgelbaufirma Rudolf Böhm in Gotha gelernt. Schnell bekam die junge Firma repräsentative Aufträge für Neubauten, aber auch zur Restaurierung bedeutender Orgelinstrumente in Thüringen und darüber hinaus. Ein Höhepunkt in der Firmengeschichte war sicher die ungemein aufwändige Restaurierung der größten und bedeutendsten Barockorgel Thüringens, der Trostorgel in Waltershausen. Die bei der Restaurierung unterschiedlicher historischer Instrumente gesammelten Erfahrungen fließen dann auch in Neubauprojekte wie dem in Uchenhofen ein.
Die von Orgelbau Waltershausen 2006 in Uchenhofen errichtete Orgel besitzt 10 Register auf einem Manual und Pedal. Im Gegensatz zur Orgel in Bremen bei Geisa, die auf der Empore steht, ist das Instrument in Uchenhofen als Brüstungsorgel konzipiert und in die zweite Empore eingebaut. Im Manual, das vom Ton C, in alter Weise ohne das Cis bis zum d3 ausgebaut ist, finden wir die Stimmen Flöte, Gedackt und Gamba 8', sodann Principal und Flöte 4', eine Quinta 3', die Octave 2' sowie eine 4fache, terzhaltige Mixtur. In Bremen findet sich darüber hinaus noch ein Gedackt 4' zur Schattierung der 4'-Lage. Auf dieses hat man in Uchenhofen verzichtet, ebenso wie auf den in Bremen vorhandenen Trompetenbaß 8' im Pedal. Das Pedal, das bis zum d1 ausgebaut ist, besitzt die Register Subbaß 16' und Oktavbaß 8'. Mit ihrer Orgel besitzt die kleine Gemeinde in Uchenhofen seit 2006 ein Instrument, das mehr dem Rhöner als dem mainfränkischen Barock nahesteht. In der akustisch sehr trockenen Kirche von Uchenhofen würde aber eine fränkische Orgel, etwa nach dem Vorbild Seuffert, mit sehr weichen Grundstimmen und hellen Mixturen nicht gut wirken. Insofern hat uns der rekonstruktive Neubau in Uchenhofen, wenn so will, im Jahre 2006 eine neue Oestreich-Orgel beschert, wenn natürlich auch keine ganz „echte“.

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=ufHHUZPM980

Disposition:

Manual, CD-d1 Pedal, CD-d1  
Flöte 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gedackt 8' Octavbaß 8'  
Gamba 8'    
Principal 4'    
Flöte 4'    
Quinte 3'    
Octave 2'    
Mixtur 4f.    

In Uchenhofen gespielte Stücke:
Marianus Königsperger: Praeambulum und Versetten quarti toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=GhO-QGkDSyw
Georg Philipp Telemann: Vater unser im Himmelreich >>> https://www.youtube.com/watch?v=H5KOu7puvxY
Johann Gottfried Vierling: Brich entzwei, mein armes Herze >>> https://www.youtube.com/watch?v=t4ZhvkPGNFU&t=285s
Johann Gottfried Vierling: Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre >>> https://www.youtube.com/watch?v=lq_ZW-UNa5s&t=294s
Johann Gottfried Vierling: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen >>> https://www.youtube.com/watch?v=1rT3WlSbGec
Johann Gottfried Vierling: Keinen hat Gott verlassen >>> https://www.youtube.com/watch?v=lq_ZW-UNa5s&t=294s
Johann Gottfried Vierling: Liebster Immanuel >>> https://www.youtube.com/watch?v=lq_ZW-UNa5s&t=294s
Johann Gottfried Vierling: Sollt es gleich bisweilen scheinen >>> https://www.youtube.com/watch?v=_XMp7Ty808M&t=15s
Johann Gottfried Vierling: Vorspiel und Fughetta c-moll >>> https://www.youtube.com/watch?v=AKdfBfze2y0



UNTERELSBACH (Markt Oberelsbach, Landkreis Rhön-Grabfeld)
Kath. Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus



Erbauer:
 Johann Schneider (Oberelsbach) 1813, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Unterelsbach ist eine Gemarkung des Markts Oberelsbach im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Das Pfarrdorf liegt im Biosphärenreservat Rhön am Vereinigungspunkt der Sonder und der Els. Man nimmt an, dass die Urbewohner des Elsgrundes die Sueben-Alemannen waren. Von ihnen stammt der Name des Baches Els, der den beiden späteren Orten Ober- und Unterelsbach den Namen gab und der in etwa Weidefluß, oder „Fluß in einer Weide“ bedeutet. Ober- und Unterelsbach bildeten in ältesten Zeiten die „Villa Elspa“ und trennten sich im 13. Jahrhundert in zwei Gemeinden. 1978 wurde Unterelsbach im Rahmen der Gemeindegebietsreform nach Oberelsbach eingemeindet. Die Pfarrei St. Simon und Judas Thaddäus in Unterelsbach ist wahrscheinlich vom Kloster Wechterswinkel gestiftet worden. Sie hatte schon im Jahre 1453 eine eigene Pfarrkirche. Der älteste Teil der heute bestehenden Kirche St. Simon und Judas ist der 1617 vollendete Turm. Er schließt ab mit einer sogenannten Echter-Turmspitze. Ein Neubau unter Einbezug dieses Turmes entstand im Jahre 1810. Der barocke Hochaltar wurde aus dem aufgelösten Kloster Bildhausen bei Münnerstadt erworben. Beide Seitenaltäre entstanden um 1730 und wurden aus der Würzburger St.-Stephan-Kirche nach Unterelsbach verbracht. Im Jahre 1813 erhielt die neue Kirche sodann eine neue Orgel. Ihr Erbauer ist Johann Schneider aus Allmus im Fuldischen – ein Schüler der bekannten Orgelbauersippe Oestreich aus Oberbimbach bei Fulda.
Die Orgelbauerfamilie Oestreich erlangte in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts eine bedeutende Stellung im Orgelbau Osthessens und den angrenzenden Gebieten. Dies brachte es mit sich, dass begabte Mitarbeiter in der Stammwerkstatt der Oestreichs in Oberbimbach bei Fulda ausgebildet wurden. Einige machten sich später selbstständig. Zu dieser Gruppe von Oestreich-Schülern gehörte auch der 1755 geborene Johann Schneider. Er stammte aus Allmus, einem kleinen Dorf bei Hofbieber, etwa 15 Kilometer östlich von Fulda. Zwischen 1770 und 1775 dürfte er als Lehrling zu den Oestreichs gekommen sein, aber hierüber besitzen wir keine näheren Informationen. Er arbeitete hauptsächlich in der Rhön und im Rhönvorland und ist zumeist mit kleineren Umbauten und Reparaturen aktenkundig. Offensichtlich hat er seine Werkstatt später nach Oberelsbach verlegt, aber wann dieser Umzug stattgefunden hat, ist uns ebenfalls nicht bekannt. 1813 errichtete er seinen einzigen bekannten Orgelneubau in der Kirche des benachbarten Ortes Unterelsbach, die uns noch heute mit ihrem frischen und dursprünglichen Klang beeindruckt. Johann Schneider hatte zwei Söhne, der ältere war der 1790 geborene Nikolaus Schneider. Er ist zwischen 1810 und etwa 1850 nachweisbar und erbaute unter anderem die Instrumente in Ginolfs, Sondernau und Unterweißenbrunn. Darüber hinaus dürften noch einige bisher nicht identifizierte Instrumente im Bereich Bischofsheim und Mellrichstadt aus seiner Werkstatt stammen. Nikolaus Schneider nannte sich, ebenso wie sein Vater, häufig auch in der lateinischen Namensform für Schneider, also Sartorius. Nach dem Tod von Johann Schneider (oder Sartorius) 1825 übernahm Nikolaus die Werkstatt in Oberelsbach. Sein jüngerer Bruder Andreas Schneider blieb hingegen in Allmus und baute Instrumente hauptsächlich im näheren Umkreis um Fulda, etwa in Hofbieber 1826, in Steinau bei Petersberg 1830, in Haimbach 1832 und in Steinbach bei Hünfeld 1835. Mit Ausnahme des spätbarocken Orgelprospekts in Haimbach bei Fulda, hinter dem sich allerdings zwischenzeitlich eine neue Orgel befindet, ist von den Werken des Andreas Schneider nichts erhalten. Umso wertvoller ist die einzige bekannte Orgel von Johann Schneider, dem Vater.
Die Johann-Schneider-Orgel der katholischen Pfarrkirche St. Simon und Judas in Unterelsbach besitzt 12 Register auf einem Manual und Pedal. Das Manual, das über einen Tonumfang vom Ton C bis zum c3 verfügt, ist klanglich auf dem Principal 4' aufgebaut. Dazu finden wir die Stimmen Gedackt, Gamba und Salicional 8', ein Kleingedackt 4', die Quinte 3', die Oktave 2', eine 4fache Mixtur und ein 3faches Cornett. Das Pedal, das mit 18 Tasten vom Ton C bis zum f° reicht, verfügt über Subbaß 16', Oktavbaß 8' und eine Posaune 8'. Bereits 1963 wurde die Unterelsbacher Orgel in ihrer Bedeutung erkannt und von der Firma Gebrüder Hey aus Urspringen in der Rhön erstmals restauriert, die die Orgel auch seither in Pflege hat. Im Nachbarort von Unterelsbach, in Oberelsbach, befand sich nicht nur die Orgelwerkstatt von Vater und Sohn Schneider oder Sartorius; dort wurde auch der Rhöner Barockkomponist Johann Valentin Rathgeber geboren. Er erblickte 1682 das Licht der Welt und lebte später als Benediktiner im Kloster Banz. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=8Dc0K_PHVGw&t=6s

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-f°  
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Gamba 8' Octavbaß 8'  
Salicional 8' Posaune 8'  
Principal 4'    
Kleingedackt 4'    
Quinte 3'    
Octave 2'    
Cornett 3f.    
Mixtur 4f.    

In Unterelsbach gespielte Stücke:
Johann Pachelbel: Aria Sebaldina mit Variationen >>> https://www.youtube.com/watch?v=qAFzy8E5FvY&t=35s
Johann Pachelbel: Toccata in g >>> https://www.youtube.com/watch?v=wQoVANvDfZk&t=10s
Johann Valentin Rathgeber: Aria Pastorella Nr. 51 in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=w4ryLzURmRA
Johann Valentin Rathgeber: Aria Pastorella Nr. 52 in C >>> https://www.youtube.com/watch?v=2DS8z-gqfyw
Johann Valentin Rathgeber: Aria Pastorella Nr. 53 in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=SKqcYzEKnq4
Johann Valentin Rathgeber: Aria Pastorella Nr. 54 in D >>> https://www.youtube.com/watch?v=uD0MXefz0fo
Johann Valentin Rathgeber: Aria Pastorella Nr. 55 in G >>> https://www.youtube.com/watch?v=7qz2js_wBt4
Johann Gottfried Vierling: Mit Fried und Freud ich fahr dahin >>> https://www.youtube.com/watch?v=KNe7J8g9J3k&t=7s
Johann Gottfried Vierling: Wachet auf, ruft uns die Stimme >>> https://www.youtube.com/watch?v=F68sJLM1Kic&t=180s



URPHAR (Große Kreisstadt Wertheim, Main-Tauber-Kreis)
Ev. Jakobskirche



Erbauer:
 Johann Conrad Wehr (Marktheidenfeld) 1780, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

Urphar ist eine Ortschaft der Großen Kreisstadt Wertheim im baden-württembergischen Main-Tauber-Kreis. Das Dorf mit knapp 600 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt malerisch am linken Ufer der südöstlichen Mainschleife. In der Mitte des Mains verläuft die Grenze zwischen dem unterfränkischen Landkreis Main-Spessart und dem Main-Tauber-Kreis. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde, in der dem 775 gegründeten Kloster Holzkirchen unter anderem Güter in „Urfare“ geschenkt wurden, doch hatte wohl auch das Bistum Würzburg schon damals Besitzungen im Ort. Um 1100 lassen sich die Grafen von Wertheim als Besitzer nachweisen. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Grafen von Wertheim 1599 kam es zur sogenannten Würzburger Fehde, die bis 1617 andauerte. Schlussendlich war Urphar danach der Grafschaft Wertheim zugehörig, die 1806 in das neue Großherzogtum Baden eingegliedert wurde. 1972 wurde Urphar in die Stadt Wertheim eingegliedert. Die Jakobskirche, oberhalb der historischen Ortsmitte und von einem ummauerten Friedhof umgeben, ist eine der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchen Deutschlands. Ende des 10.Jahrhunderts dürfte der Wehrturm auf alten Fundamenten errichtet worden sein. Das Langhaus wurde 1296 bis 1297 angebaut. Damals und bei dem um 1340 erfolgten Gewölbeeinzug im Chorraum erhielt die Kirche ihre berühmte und nahezu vollständig erhaltene Ausmalung im Übergangsstil zwischen später Romanik und früher Gotik. Geschaffen hat sie der sogenannte „Meister von Urphar“, der mit seinen lebhaften Bildern einen guten Einblick in die Glaubensvorstellungen seiner Zeit ermöglicht. Die 1780 von Johann Conrad Wehr aus Marktheidenfeld errichtete Orgel dürfte so ziemlich das jüngste Ausstattungsstück der Kirche sein.
Der Orgelbauer Johann Conrad Wehr wurde entweder 1708 oder 1714 – da widersprechen sich die Quellen – in Heidingsfeld bei Würzburg geboren. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Geselle bei Bartholomäus Brünner in Würzburg und ist erstmals 1734 beim Bau der Brünner-Orgel in der Aula der Alten Universität in Fulda namentlich nachweisbar. Um 1740 machte er sich in Marktheidenfeld im heutigen Landkreis Main-Spessart selbstständig, rund 18 Kilometer nördlich von Urphar. Er übernahm im Wesentlichen das Arbeitsgebiet der Lohrer Werkstatt der Familie Schleich und setzte ihre Tradition würdig fort. Das sogenannte Mainviereck, also die nordseitig zum Spessart hin offene Flußschleife zwischen den Städten Gemünden, Wertheim, Miltenberg und Aschaffenburg wurde zu seinem Hauptarbeitsgebiet. Bis zu seinem Tode 1784 erbaute Wehr etwa 20 neue Orgeln. Die größte entstand 1773 für das Städtchen Rothenfels bei Marktheidenfeld mit 23 Registern auf zwei Manualen und Pedal, welche aber nicht erhalten ist. Erwähnenswert ist noch die erhaltene Orgel in Pflochsbach bei Lohr aus dem Jahre 1759, deren spannende Geschichte fast ein eigenes Portrait erfordern würde sowie die Orgel im Kloster Himmelthal bei Elsenfeld im Landkreis Miltenberg, die 1753 fertiggestellt wurde. In Himmelthal sind zwar nur vier Register von der Hand Wehrs erhalten, doch hat man 1987 die ursprüngliche Klanggestalt rekonstruiert. Sowohl in der Art der Prospektgestaltung als auch im Klangaufbau folgt Johann Conrad Wehr weitgehend der sogenannten Würzburger Schule, die vor allem durch Johann Philipp Seuffert geprägt wurde. Das Tannenholzgehäuse in Urphar ist mit hübschen Rokoko-Schnitzereien verziert. Das Instrument fügt sich in den mit viel Holz ausgestatteten Kirchenraum auf sehr harmonische Weise ein. Die Aufstellung direkt unter der Holzdecke und die sehr trockene Raumakustik führt zu einem sehr präsenten und direkten Klang.
Die Wehr-Orgel in Urphar wurde bereits 1952 durch die Firma Steinmeyer aus Oettingen erstmals restauriert. 1975 und 1984 erfolgten weitere Arbeiten an der Orgel, die von der Firma Richard Rensch Orgelbau aus Lauffen am Necker ausgeführt wurden. Mit neun Registern und einem überwiegend originalen Pfeifenbestand ist sie heute die besterhaltene Orgel aus der Werkstatt des Johann Conrad Wehr aus Marktheidenfeld. Das Manual besitzt einen Tonumfang bis zum c3 und die Register Copel und Salicional 8', Principal und Flöte 4', Quint 3', Octav 2' und eine 3fache Mixtur. Im Pedal, das bis zum d1 geführt ist, finden wir die beiden im fränkischen Barock üblichen Stimmen Subbaß 16' und Octavbaß 8', dazu kommt eine Pedalkoppel. 

Link zum klingenden Orgelportrait: https://www.youtube.com/watch?v=edsVzyP1y-4

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-c1  
Copel 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Salicional 8' Octavbaß 8'  
Principal 4'    
Flöte 4'    
Quint 3'    
Octav 2'    
Mixtur 3f.    

In Urphar gespielte Stücke:
Christian Erbach: Canzon in e >>> https://www.youtube.com/watch?v=iLHY68-A-lg&t=4s
Johann Kaspar Ferdinand Fischer: Praeambulum und Versetten primi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=4bVJQcGaWjY&t=1s
Johann Baptist Peyer: Fuga Nr. 44 tertii toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=dGXmNd8sBf4
Johann Baptist Peyer: Praeludium Nr. 43 tertii toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=vBPfdwHNIIo
Alessandro Poglietti: Toccatina, Cadenza e Fuge octavi toni >>> https://www.youtube.com/watch?v=ynIAsSJvz1M



WEIPOLTSHAUSEN (Gemeinde Üchtelhausen, Landkreis Schweinfut)
Ev. Bartholomäuskirche



Erbauer: Johann Caspar Nied (Oberlauringen) 1701, Schleifladen, mechanische Spiel und Registertraktur

(Text folgt)

Link zum ausführlichen Orgelportrait: folgt

Disposition:

Manual, C-c3 Pedal, C-c1  
Großgedackt 8' Octavbaß 8' Pedalkoppel (fest)
Solisional 8'    
Principal 4'    
Octave 2'    
Quint 1 1/2'    
Mixtur 1f.    

In Weipoltshausen gespielte Stücke:
Johann Andreas Bayer: Fuga in B >>> folgt
Johann Andreas Bayer: Fuga in C >>> folgt 
Johann Andreas Bayer: Fuga in D >>> folgt
Johann Andreas Bayer: Fuga in d >>> folgt
Johann Andreas Bayer: Praeludium in D >>> folgt
Christoph Grimm: Variationen über "Bergamasca" >>> folgt
Johann Xaver Nauß: Aria in d >>> folgt
Johann Xaver Nauß: Fuga in d >>> folgt
Johann Pachelbel: Ich hab mein Sach Gott heimgestellt >>> folgt
Johann Pachelbel: Lob sei Gott in des Himmels Thron >>> folgt
Giovanni Benedetto Platti: Fantasia c-moll >>> folgt